Future Weekly
Die zwei Startup Veteranen Daniel Cronin und Markus Raunig sprechen mit jeder Menge Humor über Technologie, Unternehmertum und die Zukunft. Jeden Donnerstag analysieren sie die interessantesten News der Woche und küren Rockstars, die die Welt von morgen prägen. Jeden Sonntag begrüßen sie im Deep Dive visionäre Gäste für einen Blick hinter die Kulissen aktueller Trends und formulieren gemeinsam Moonshots & Predictions. Ein Podcast der verschiedene Welten verknüpft und mit mutigen Thesen inspiriert.
Future Weekly
#533 - Fable Verlängerung, KI Proteste & Schwedens Gründungskarenz
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
🤖 Fable Verlängerung & Claude Stress
⚡ GPT 5.6 mit Effizienz-Edge
✊KI Proteste
📦 Hofer stellt Lieferdienst ein
🇸🇪 Schwedens Gründungskarenz
Production: Hanna Moser
Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com
Einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag, guten Abend und auch gute Nacht und herzlich willkommen zum Future Weekly, dem sommerigsten Startup-Podcast, seit dem Sommer erfunden wurde. Ja, das war ein Intro. Das ist aber auch völlig okay. Denn könnte man sagen, ja, es ist aber sehr abstrakt. Ja, aber in Zeiten von KI, wo alles anhand von Mustern perfektioniert wird, muss man manchmal auch imperfekte Muster darstellen. In dem Sinne, wir reden über Fable 5, über GPT 5.6, dass es KI-Proteste gibt, dass Hofer entschieden hat, wieder in die Steinzeit zurückzukehren und dass Schweden vielleicht die Gründung leichter macht. Und dazwischen haben wir jede Menge Dinge, die jegliche Muster und jegliche Narrative durchbrechen. Dieses Mal wird es richtig, richtig, richtig philosophisch. Und es geht wieder mal los mit den News. Ach, Markus, wie ist es dir ergangen? Die letzten Wochen.
MarkusSie sind intensiv. Also ich hatte schon mal ruhigere Sommer, aber irgendwie ist das ja auch gut. Es ist fordernd, aber auch gut.
DanielCool. Ja, ich frage es so bewusst deswegen, weil es kommt mir vor, als hätten wir uns eine Ewigkeit nicht gehört und gesprochen. Denn ich war eine Woche im Urlaub mit Frau und zwei Kindern und das ist natürlich auch immer so ein Abenteuer und es lief tatsächlich echt gut. Das war cool. Das Einzige, was ich mal lustig finde, ist, so dieser als Elternteil, dass du immer so diese Balance haben musst zwischen Encouragement und Realität. Und da gab es dann so einen Moment, den ich einfach zu geil fand. Ich war mit meinem Sohn schwimmen im Meer. Also wir waren auf Kfu, im Norden von Kfu, und da war ein bisschen Wellen und das fand er halt auch richtig geil, so in den Wellen auf und ab zu springen, was ich auch schon als Kind selber super fand. Und da war so am Horizont, sozusagen im Osten, war so eine Gebirgskette zu sehen. Und er fragt mich, sag, Daddy, what is that? Und dann sag ich, that's Albania. So ungefähr drei Kilometer Luftlinie entfernt. Und dann sagt er, great, let's swim to Albania. Und es ist so 18 Uhr, weißt du, du bist im offenen Meer. Es ist gerade Flut. Und du hast so einen Fünfjährigen, der gerade so, der hält sich wahnsinnig gut über Wasser und schwimmt schon okay. Aber noch, weißt du, halt wieder mit Fünf halt schwimmst. Also vielleicht, ich sag dir, yeah, yes, that's kind of far for this time of the day. No, I want to swim to Albania. Yeah, but how about we have dinner? No, I want to swim to Albania. Und dann hat er so im Meer, ja, so wirklich, das ist ja richtig wütend geworden, ist, wenn ich nach Albanien schwimmen kann. Und dieser Balanceakt zwischen du, ich weiß, du schaffst alles, was du dir in den Kopf setzt, aber es ja, und ich habe ihm dann erklärt, dass ich durchaus glaube, wenn er hart trainiert, dass er es hinkriegt, aber dass ein erfahrener Schwimmer schon eine ganze Weile bräuchte, drei Kilometer im offenen Meer zu schwimmen und dass wir doch vielleicht essen gehen. Ja, hast du auch solche Momente schon?
MarkusOder noch nicht. Dass der Kleine etwas wedelt, was er noch nicht kann, oder? Ja, genau. Und wo du weißt, eigentlich sind wir noch nicht geschwommen. Also nach Albanien sind wir sicher noch nicht geschwommen. Aber jedenfalls. Also viel Klettern und fast fallen, nicht fallen, schon fallen. Das ist gerade viel.
DanielUnd so diese Momente zwischen du, du willst, ich finde es immer schwierig, dem Kind zu sagen, du kannst das nicht, sondern ich will sagen, du kannst alles, wenn du richtig, richtig, richtig, richtig dich anstrengst. Nur jetzt ist es halt noch eine echt blöde Idee. Seid ihr schon so in diesem Punkt, dass ihr schon so kommunizieren könnt? Oder noch nicht?
SPEAKER_01Er versteht tatsächlich schon sehr viel.
MarkusOb er verstehen würde, dass er etwas noch nicht kann, aber erst groß werden muss, damit er es kann. Das bin ich mir noch nicht sicher, ob wir da schon sind.
DanielJa, okay. Es ist halt total faszinierend. Es ist so total faszinierend. Zurzeit will er Busfahrer werden. Wie wär's denn mit Astronaut oder Rennfahrer? Nee, Busfahrer. Von der Linie 10a. Da ist er ganz spezifisch. 10a ist die coolste Linie, seiner Meinung nach. Und ja, aber anyway, also ich finde, man muss immer groß denken und auch den Kindern immer sagen, weißt du was, am Ende des Tages kriegst du das hin. Ja, und während das so war, habe ich immer wieder natürlich probiert, alle Updates zu ignorieren, aber so ein bisschen ignorieren konnte ich es nun auch nicht. Und das Lustige ist, ja, die KI-Wars gehen einfach weiter. Das ist ein ganz persönliches Update dann auch. Das habe ich gestern bekommen, dass Spotify mir gesagt hat, dass ich jetzt zu einer der ausgewählten ersten Beta-User bin, dass Spotify ein Tool hat, da schaut dir das Hörverhalten von dir an und darauf basierend erstellt es dir jeden Tag eine Art kuratierten Podcast, wo du Updates haben kannst. Und du konntest quasi auch sagen, was dich interessiert. Und es hat das Lustige, es hat gesagt, basierend auf deinem Hörverhalten sehen wir, dass du wahrscheinlich Kinder hast, weil mein Hörverhalten nicht. Wir haben so eine Art Baby-Sleep-Rotation, wenn unsere Kleine schlafen geht. Und das ist einfach, und es hat es aber relativ gut kapiert. Und nicht, dass ich jetzt plötzlich einfach selber Kinderlieder mag, sondern das. Und ja, ich habe dann gesagt, okay, mich interessiert alles aus dem Bereich KI, LLMs und einfach generell so Wirtschaftsbasics und habe auch erzählt, dass wir gemeinsam Podcasts haben für den Kontext. Und mal schauen, morgen werde ich mir das das erste Mal anhören. Hast du auch diese Einladung bekommen?
MarkusNein, ich habe noch keine Einladung bekommen. Vielleicht haben sie mich als Konkurrenz erkannt. Ja, aber ich glaube, ich habe unser Future Weekly Spotify Account ist mit meinem privaten Account auch vernetzt. Und vielleicht haben sie sich gedacht, wenn man das dem Podcast dann gleich gibt, dann laufen die Sturm dagegen, dass da jetzt künstliche Konkurrenz da kommt. Aber nachdem du ihnen gesagt hast, dass du auch einen Podcast machst, vielleicht auch nicht.
DanielEs ging mir jetzt um die Flughöhe, aber ich habe auch gesagt, ich möchte immer so die neuesten Innovations-, Wirtschaft-, Startup-News haben. Aber ich hab schon meinen eigenen Podcast, dass das Ding halt auch versteht, dass ich jetzt nicht hören möchte, keine Ahnung. Du weißt, was ich meine, so Dinge, die wir ohnehin alle wissen. Und Gründungstipps haben mich auch interessiert. Weil ich einfach neugierig war, wie das Ding das jetzt alles kuratiert. Du, schauen wir mal. Und ansonsten habe ich das Gefühl, Fable 5 kommt und geht und kommt und geht und kommt und geht. Und irgendwie. Ja, weiß ich nicht, ob das jetzt kommt oder geht.
SPEAKER_03Und weiß ich nicht. Irgendwie.
DanielJa, was ist denn deine Einschätzung dazu? Ich habe da keine Meinung dazu bis jetzt, weil es einfach immer wieder aufgeschoben wird und jetzt ist es mir die FOMO auch schon wieder erledigt.
SPEAKER_01Naja.
MarkusIch glaube, dass das natürlich alles ein Konkurrenzkampf zwischen Anthropic und Chat-GPT. Weil ChatGPT hat ja ursprünglich den GPT 5.6 Launch auf den Tag gelegt, wo Fable nicht mehr verfügbar ist. Also ganz strategisch auch quasi so, wenn den Leuten das weggenommen wird, dann, also nicht mehr als Abo verfügbar ist, um das korrekt zu sagen. Also ganz klassisch, wenn das den Leuten weggenommen wird, da ist eure Alternative. Und darauf hat ein Schobik reagiert und gesagt, Fable ist doch länger verfügbar. Und dann ist es aber jetzt auch so gewesen, wenn ich das so richtig gelesen habe, dass ChatGPT deutlich effizienter arbeitet, also kostengünstiger als Fable. Das ist jetzt natürlich, es ist immer auch eine Geschmackssache, aber wenn man den üblichen Quellen glaube ich nicht ganz so gut ist wie Fable, besonders bei hochkomplexen Aufgaben Faible nochmal ein bisschen besser ist. Aber für, ich sage jetzt einmal, 95% der schon komplexen Aufgaben bietet GPT eigentlich ähnliche Performance bietet für die Hälfte bis ein Viertel des tatsächlichen Preises. Und das, glaube ich, bringt natürlich ein Jobig unter Druck, weil wenn Sie das jetzt aus dem ABA-Modell rausnehmen und nur mehr über die klassischen Direktverrechnungen anbieten, dann ist diese Preisdifferenz natürlich ein starkes Argument, seine Architektur vielleicht doch wieder in Richtung OpenAI zu orientieren. Das könnte ich mir vorstellen, ist ein Grund, warum er verlängert würde. Gleichzeitig sorgt dieses ständige Verlängern auch für zunehmend Probleme, beziehungsweise gibt es jetzt ein paar Storys, die herumschwirren, dass Leute durch diesen künstlichen Stress, dass Fable eben nur mehr so und so viele Tage verfügbar ist im ABA-Modell, dann bis zum Gate nicht mehr probieren, das auszunutzen. Also halt dann auch Nächte durchmachen, weil da halt dann auch Tokens verfügbar sind und die müssen ja genutzt werden. Gibt es jetzt schon die Fable-Burnouts bzw. die Fable Krankenhausbesuche, wo Leute einfach komplett am Rande ihrer physiologischen Fähigkeiten im Krankenhaus ankommen, weil sie die letzten Tage bzw. Wochen einfach durchgekottet haben, was ja auch irgendwie bezeichnend ist für den Zustand unserer Welt aktuell.
SPEAKER_03Ja, das sage ich. Ja. Es ist, es ist.
DanielIch kann es einfach so schwer gerade für mich greifen. Also ich bin, ich bin unendlich begeistert von all diesen Tools. Ich nutze diese Tools auch und ich weiß, wie ich mich geärgert habe, als Fable 5 abgedreht wurde und wie ich es liebe, Dinge zu tun damit, bla bla bla bla bla. Aber dieses mental überfordertsein damit, plus den Output, der dabei rauskommt, weiß ich nicht. Und ich habe halt das Gefühl, dass, glaube ich, nur die aller, aller, aller, aller, allerwenigsten es tatsächlich schaffen, irgendwas sehr Brauchbares damit zu erzeugen. Und es sich ein bisschen mich an Paint erinnert. Ganz frühen Windows 95, da hatten dann alle Paint und alle haben sie drauf losgeschmiert. Und ich glaube, kein Mensch hat Paint jedes für irgendwas benutzt, was sinnvoll war, außer ein bisschen rumschmieren und zeigen, was eine Maus kann. Ja, ja, ja. Und ich glaube, das Hauptproblem ist, dass zu viele Menschen noch immer sehr linear in ihrem Denken sind bei der Anwendung dieser Dinge. Und ich glaube, der Kniff muss sein zu verstehen, wie muss ich komplett anders prompten, komplett anders formulieren, komplett anders auch mit dem Output umgehen. I don't know. I'm super curious. Ich merke bei mir, wie ich viele Dinge bei beiden Tools parallel mache und immer das eine in das andere stopfe. Also ChatGPT und Claude. Einfach weil ich mit beiden Outputs nicht so ganz glücklich bin. Ist witzig. Aber trotzdem, mal schauen, am Ende des Tages ist ja immer so ein Rennen, ja auch so ein Verdrängungskampf, wo einfach nur Kampf um Monopol und Kampf um wer ist der, der als erster auf dem Berg ist und die Flagge setzt, weil das ist der Sieger und der andere hat verloren. Und bis dahin wird halt alles verbrannt, was hinten nachliegt, auf Teufel komm raus. Wenn man sich natürlich anschaut, wie viele Milliarden da reingebuttert werden, ist es faszinierend. Und am Ende des Tages wirst du halt deinen Return brauchen. Was ich aber schräg finde, nein, schräg ist das falsche Wort, was aber so arg ist, sind immer wieder diese Videos, die mal im Feed aufpoppen von irgendwelchen Personen, die manuelle Arbeit leisten und dann eine Kamera auf dem Schädel haben und irgendwelche Sensoren an den Händen, um eine KI zu trainieren, um sie redundant zu machen. Und das ist natürlich dann schon bei all der Diskussion einfach, was so offensichtlich ist, dass es kommt. Und wir schauen uns quasi nur die, ich sag mir die Formel 1 an, wenn ich mal so sagen möchte, was jetzt Fable 5 kann und GPT 5, 6 und hab weiß der Teufel was. Aber sowas so an der Basis passiert, das wird eigentlich gar nicht so sehr beobachtet. Das finde ich schon zutiefst interessant. Wir sehen aber auch natürlich, ich weiß, genug Leute werden wieder zurückgeheiert, es gibt Proteste und und und. Aber es ist schon.
MarkusAlso bis jetzt meine Erfahrung ist tatsächlich eher, dass durch KI mehr Arbeit entsteht und dadurch auch mehr menschliche Arbeit gebraucht wird. Jetzt kam die Frage, ist das ein Zwischenstand? Und werden wir irgendwann das Endresultat erreichen, wo alles, was von Menschen gemacht wird, sogar Entscheidungen, sogar Geschmack, sogar Agency, dass das alles eine KI besser kann. Ich bin mir nicht sicher. Ich bin mir nicht sicher, ob wir da tatsächlich hinkommen werden. Und ich glaube, wenn das nicht der Fall ist, dann glaube ich tatsächlich, auch wenn du das extrapolierst, wird das effektiv dafür sorgen, dass du weiterhin ähnlich oder mehr menschliche Arbeit brauchst. Die Frage ist halt trotzdem natürlich, es wird andere Arbeit sein und in meiner Wahrnehmung wird es auch anspruchsvollere Arbeit sein. Also das ist auch hier wieder unterschiedliche Trends. Es ist ja einerseits auch Blue Collar-Arbeit, besonders handwerkliche Blue Collar-Arbeit, ist das, wo aktuell KI noch sehr wenig machen kann und wo eigentlich aktuell viel zu wenig Fachkräfte vorhanden sind, um das darzustellen. Aber auch das ist Ausgebildete. Also es ist schon, ich glaube, so ganz ohne Ausbildung wird der einzige Weg sein, wie man competen kann. Als Mensch, dass man billiger ist als die KI oder die Robotik an irgendeiner Punkt. Und da bin ich mir unsicher, ob das realistisch ist, dass es dann eine Energiefrage ist wie wir Energieproduktion skalieren können. Weil der Mensch ist ja auch ein Organismus, wo du Essen reinwirfst. Und das ist jetzt hart gesagt, aber de facto verbrennen wir ja auch etwas, um dann energetisch etwas zu tun. Und da, glaube ich, spricht für mich vieles, dass Qualifizierung ein sehr wichtiger Bestandteil der Zukunft sein wird, wenn man etwas schaffen will in dieser Welt.
DanielAlso du weißt ja, dass ja meine Grundthese ist ja immer, wenn man KI betrachtet, und das mache ich immer gerne in jeder einzelnen Keynote, ist immer wieder sich daran zu erinnern, was KI ist und wie KI funktioniert. Und KI ist Mustererkennung. Und dadurch bist du natürlich sehr stark auf die Daten, die da sind, eingeschränkt. Und das ist für mich eigentlich auch schon genug, um zu verstehen, wo meines Erachtens die Limitation von KI bleibt, äh. Ich glaube, KI ist sensationell, was eine Industrialisierung betrifft, sensationell, was alles, was da ist zu optimieren, aufs Perverseste, also wirklich auf Ultraperfektion, das ist schon sehr geil. Und dass du von einer Version 1.0, die Schrott ist, auf eine Version, die sensationell gut ist, wahrscheinlich unendlich schneller kommst, als man es früher gemacht hätte. Mit früher meine ich vor fünf Jahren, vor zehn Jahren, vor 50 Jahren. Das ist das Interessante an KI, also dass du ganz schnell ganz perfekte Produkte bauen kannst, wenn du ganz schnell iterieren kannst und ganz schnell auch fast keinen Kosten und fast keinen Mitteleinsatz hast in dieser Iteration. Ich glaube aber nach wie vor, dass dieses Null auf 1 etwas ist, also wenn du wirklich was Neues schaffst, was wir Menschen noch lange besser können werden. Aber, und das ist der Punkt, es wird wahnsinnig wenig Menschen bedürfen und geben, die in dieser Position sind, das zu können. Und meine weitere These ist, wenn du quasi, je stärker du im formalisierten, nach Mustern suchenden Denken bist, desto leichter bist du ersetzbar. So, was heißt das? Das heißt für mich, wenn du, das meine ich mit größter Liebe, ich liebe euch alle, aber zum Beispiel, wenn du ein Steuerberater bist, der quasi gelernt hat aufgrund von Regeln und sehr klar, das wird dann relativ schnell, relativ hart. Stell dir vor, du bist jemand, der, ich habe keine Ahnung, ich mache mich immer lustig über Kunstgeschichte, aber jemand, der, der in diesem Bereich, in diesem sehr kreativen Denken, in dem Bereich, vielleicht auch in verschiedensten Kulturen, kulturellen Mustern denkend selber viel Zeit verbringst, wirst du Dinge schaffen können und Dinge kreieren können, die so eine KI wahrscheinlich gar nicht so kann. Und eigentlich, wenn du überlegst, es klingt wie irgendein Typ, der sich irgendwann auf einer Straße festkleben will, aber das meine ich nicht. Aber eigentlich, wenn du denkst, ist es so von der Denkweise, von der Kultur, von der Art, wie wir operieren, ist es extrem stark westlich geprägt, extrem stark amerikanisch geprägt von dieser Mustererkennung. Und das ist weder gut noch schlecht, aber das ist definitiv ein Blind Spot. Und ich glaube da, wenn man es schafft, sein Denken auf eine sehr abstrakte Weise zu erweitern und das auszudrücken, wirst du in der KI immer voraus sein.
SPEAKER_03Also es bedeutet, wir sollen Yoga-Lehrer werden, oder was?
DanielJa, also ja, unbedingt. Werd Yoga-Lehrer. Das ist ja nichts Schlechtes, aber ich habe mal was ganz Faszinierendes gesehen. Das ist viele Jahre her. Und meine Frau ist ja aus Kolumbien und hat dann in Kolumbien News studiert, ist dann hierher gekommen und da war es mit Youth natürlich relativ schwierig, wenn du auch tatsächlich von null an Deutsch lernen musst. Und sie hat unter anderem Kultur, also sie hat Kultur und Sozialanthropologie am Ende des Tages studiert. Und ich kam mich ein und wie ich einige Texte gelesen habe, die sie lesen musste. Und die waren immer so ein bisschen mh, aber es war so an und es war über ein, zwei Vorgänge, die ich aus meinem Wirtschaftsstudium kannte, und die Art und Weise, wie das betrachtet wurde, war völlig anders von der Denkweise als das, was ich je kennengelernt habe. Und ich wurde als Betriebswirt quasi auf Null an eins, schwarz und weiß, an und aus getrimmt und da war plötzlich ganz viele Facetten und ganz viele, ganz viele Grautöne. Und die Erkenntnis, dass wahrscheinlich ein Aborigine die Welt anders betrachtet und bewertet, als es ein Westeuropäer macht. Dass wahrscheinlich jemand, der aus einem ganz abstrakt gesprochen, aus einem uncontacted tribe, die gibt es ja noch immer, wahrscheinlich die Welt auch ganz anders betrachtet und deswegen auch zu ganz anderen Erkenntnissen kommt. Und da ist viel Raum drin, glaube ich wirklich. Ich glaube, es ist ganz viel Raum drin. Und, und das ist noch mein Thema, da hat der Andi Klinger in einem Posting gesagt, das sage ich nutzigerweise auch immer wieder bei meinen Keynotes, ist, du musst halt auch, dir Vorstellung musst völlig mutig sein in den Prompts, die du machst. Und völlig überbohrt sein, dass das die eigentliche Einschränkung ist, die wir haben, dass man sich nicht traut, verrückte Dinge zu tun. Sondern dass du quasi trotzdem noch immer in deinen Mustern bleibst.
SPEAKER_03Und da musst du, da muss da rauskommen. That's the thing. Weißt du? Definitiv.
MarkusDu bringst auf den Punkt. Am Ende die Mustererkennung, die natürlich auch das menschliche Gehirn treibt und ein ganz essentieller Teil auch von unserer Intelligenz ist, das ist der Teil, der gut ersetzbar ist durch KI. Aber da gehört natürlich noch viele andere Sachen dazu. Und das zu stärken, das zu trainieren, das auch besser zu fassen, was das bedeutet, das wird ganz entscheidend sein, auch gesellschaftlich.
DanielIch meine, stell dir vor, du bist umgeben von den begabtesten, intelligentesten Menschen der Welt, die dich alle anschauen und du musst ihnen jetzt sagen, was sie tun sollen. Das ist ja eigentlich wie der Umgang mit KI ist. Und wenn du, wenn du, sagen wir mal, selber nicht unbedingt eine Leuchte bist und selber dich nie beschäftigt hast mit den verschiedenen Fähigkeiten und du musst plötzlich einem Neurologen, einer, einer, einer Theologin, einem abstrakten Künstler allen etwas vermitteln, was sie tun sollen, mach das doch mal. Also die meisten werden das gar nicht können, werden gar nicht wissen, was diese Leute machen können. Und das ist die wahre Kunst. Weil das Ding wird ja nie von alleine was machen. Und du weißt, was ich meine, wenn du dem begnadetsten Kunstschnitzer sagst, ja, weiß ich nicht, mach mir mal so ein Vogelhaus, dann sagt er, okay, ich mach dir ein Vogelhaus. Aber stell dir vor, du wüsstest, ich habe keine Ahnung von Kunstschnitzerei, dass es da irgendein Muster gibt, das nur drei Leute jemals auf der Welt konnten und du sagst, mach mir das, aber bitte geh da ans Limit, das ist ein Ja, keine Ahnung, weiß ich doch nicht. Und diese Tools so zu fordern und dann aber noch zu vernetzen, then we're talking. Und noch eine Sache als Food for Thought. Ich weiß, in unserer letzten Wohnung waren wir drin und auch in unserer jetzigen Sohne. Du kennst doch diese typischen Wiener Altbautenbauten, die gibt das so in den Zwischentüren, also von einem Raum in den anderen immer so Holzsegmente, die oft links und rechts sind, die so ein bisschen verschnitzt sind, also geschnitzt sind. Weißt du, ich meine, von einem Raum in den anderen, diese 30, 40, 50 Zentimeter. Und da hatten wir einen Tischler, der etwas bei uns repariert hat und plötzlich sagt er, oh, sie haben das und das. Und sage ich, ja, weiß ich nicht. Und dann sagt er, das ist eine Technik, die ist im Ersten Weltkrieg ausgestorben. Weil alle, die das konnten, sind im Ersten Weltkrieg gefallen und wir haben das nie wieder so reproduzieren können. Das weiß ich doch nicht. Das sehe ich doch gar nicht. Wow, aber der sieht das und der kann das. Also er kann das erkennen. Kann ich nicht. Und jetzt muss man sich überlegen, wo kriege ich denn das wildeste, abstrakteste, in Anführungszeichen unnötigste Wissen her, um das auszudrücken? Und wo habe ich die Zeit, mich damit zu beschäftigen? Weißt du, was ich meine, wo du nicht instant den Return kriegst, wo du nicht instant im Hamsterrad bist, wo du nicht permanent Rechnung bezahlen musst. Schau uns zwei an. Wir plaudern da Mittwoch, Vormittag über Gott und die Welt. Das ist schon sehr privilegiert. Und das heißt, da sind wir natürlich schon eher in einer besseren Position als sehr vielen. Und spektakulär.
MarkusJa, sorgt natürlich auch, also um jetzt die Brücke zurück zu unseren Themen aufzubauen. Wenn man nach San Francisco schaut, gibt es dort mittlerweile auch massive Proteste gegen AI. Was gab ja schon vor einigen Jahren, auch von den Drehbuchautoren, aber jetzt auch ganz spezifisch in der Breite die Forderung, dass es einen Stopp geben soll mit der KI-Entwicklung, weil eben die Auswirkungen auf die Menschheit, je nach Auslegung, entweder negativ oder zumindest unklar sind. Und da gab es auch Angriffe auf Sam Altmans Wohnhaus. Es gibt in Amerika unglaublich viel Widerstand gegen Data Center-Neukonstruktionen. Also es ist viel Energie auch, dass man verhindert, dass die gebaut werden. Also es muss man schon sagen, es ist ein politisch sehr aufgeheiztes Klima auch mittlerweile. Und das ist etwas, was glaube ich nur mehr werden wird in den nächsten Monaten und Jahren. Wenn man es eben nicht schafft, diese Transformation auch im Individuellen, in den persönlichen Schicksalen, in den persönlichen Karrierewegen, wenn man die nicht aufzeigt, wie die passieren kann. Weil wie gesagt, ich glaube noch einmal, meine Überzeugung ist, dass AI auch sehr viel neue menschliche Arbeit schaffen wird. Aber die muss den Weg dahin muss man erstmal finden, den Weg dahin muss auch mal individuell machen, was du auch vorher angesprochen hast. Und ich glaube, der ist für viele nicht nahelegend und für viele fühlt es sich so an, als würde halt jetzt einfach technologisch ihre Lebensgrundlage wegfallen.
DanielUnd das kann man nicht wegwischen. Ja, und hier ist das schlimmste Thema, wenn du überlegst, dass du eine Generation hast, die seit Jahren darauf, wir sind ja genauso, aber trotzdem darauf getrimmt wurde, möglichst kürzeste Inhalte möglichst oberflächlich anzusehen und mit möglichst wenig Konzentration zum nächsten Punkt zu gehen. Zeitgleich, die es jetzt in den letzten Jahren immer mehr verknappt sind in ihrem Weltbild. Du bist für mich oder gegen mich, du bist dies, du bist das, immer alle dies, immer alle das, die immer tiefer von Algorithmen kontrolliert werden. Da ist es schon sehr schwer, dass du da rauskommst, als kreativ denkender Freigeist, nicht eingeschränkt durch Ideologien, nicht eingeschränkt durch grausamstes ADHS. Das heißt, in Wahrheit hatten jetzt die letzten Jahre eine Generation herangezüchtet, wofür die auch gar nichts können, die natürlich so schlecht wie möglich auf das vorbereitet sind, was man eigentlich bräuchte, um sich mit KI durchzusetzen. Das wäre daraus resultierend meine These, die unendlichen Druck haben, die es nicht einfach haben und dann kommt da so ein Ding daher, das ist schon, das ist schon sehr schwierig. Und ich glaube, was da auch passieren wird, ist, dass wahrscheinlich eine Menge Leute, die vielleicht die letzten Jahre gar nicht mehr so sehr vom Arbeitssystem benötigt wurden, plötzlich ganz schnell, ganz stark benötigt werden, weil sie noch immer aus einem Ausbildungsgrad kommen, die das vielleicht doch wieder besser können oder nicht. Und ich meine, auch da, ich meine, wir haben schon ein paar Mal drüber gesprochen. Man sagt, die Kinder, die Kinder, die Jugendlichen jetzt wissen alle, sind, sind, sind, sind, sind, sind, sind mobile first, bla bla bla. Nein, nein, nein, sie sind auf den Screen tappen first, aber was hinter dem Tab passiert, haben die Nüsse Ahnung. Das ist einfach so. Ich glaube, die DOS-Generation wusste, was da passiert. Man muss es verallgemeinern, um über die Masse zu sprechen, nicht über die, die man kennt. Weißt du? Ich habe jemanden sehr nah an meiner Familie, der ist 15, was wünscht, er sich zum Geburtstag ein Raspberry PI Zero, weil er damit irgendein Smartphone nachbauen will. Geiler Typ, der geht sein Weg. Weißt du, was ich meine? Also da braucht man nicht drüber diskutieren, aber der ist nicht die Norm. Richtig. Also bei dem mache ich mir gar keinen Gedanken. Und das wird dann natürlich zu einem zu einer Situation führen, die vielleicht unangenehm wird. Ja. Und man lagert auch sein Denken aus, man lagert sein komplexes Denken aus. Und auch das ist.
MarkusDas ist die wirkliche Gefahr, weil natürlich genau dieses komplexe Denken meines Erachtens ja dafür notwendig ist, um dann eben halt instinktiv durch Erfahrung mit Taste eine Entscheidung zu treffen, die auch in Zukunft getroffen werden muss mit KI. Und genau das geht aber verloren, wenn man gewöhnt ist, man lasst alles von der Maschine machen.
DanielHier ist noch etwas, und auch das sage ich gerne in meinen Keynotes, und das ist jetzt gar nicht werblich gemeint, sondern eher etwas, um es zu reflektieren. Denk mal dran, wo wir bei Austrian Startups, als ich noch Teil da war, ich nehme alles nach wie vor so, aber wo hatten wir die tiefsten, besten Gedanken? Was haben wir bei unseren Board-Retreats gemacht? Bademantel. Im Bademantel bei der Sauna zusammengesetzt und haben Pizza gegessen und haben wir eine Gesprächstiefe bekommen, weil wir plötzlich nicht mehr, wie sonst all die Monate, jeder hier zwischen Tür und Angel und dann mal ein Meeting, eine Stunde, jeder ist zu spät, zack, bumm, chakalaka, jeder hat 17.000 Sachen, sondern nein, das sind wir gesessen in Bademänteln, haben Pizza gegessen und sind auf eine Gesprächstiefe und Gedankentiefe gekommen, die nur so darstellbar ist. Und eigentlich ist, wenn man sagt, was möchte man mit KI machen, bau dir ein Umfeld, wo du mit solchen Menschen so eine Gesprächstiefe haben kannst, indem du a, das, was aus deiner KI rauskommst, verarbeiten kannst und b, überlegen kannst, was sagen wir dem Ding jetzt als nächstes. Und dann kommt was raus und dann trägst du das wieder schwanger und diskutierst das mit möglichst diversen Menschen. Und ich meine jetzt nicht divers, ob die jetzt alle rot, grün oder blau sind. Das meine ich nicht dran, gedanklich divers. Puh. Puh, das ist spannend. Das ist sehr, sehr, sehr, sehr spannend. Und da wären wahrscheinlich die mit den spannendsten Gedanken stellt. Für das ist eine Person, die im besten Fall 90 ist und vielleicht nur vier Jahre Schule hatte. Das sage ich bewusst zu extrem. Es ist spannend zu hören, was die denken und nicht vier Leute, die 24 sind, die alle irgendwie Super Whiskids sind und gleich quasi gebildet wurden. Nee, nee, nee, solche Leute brauchst du auch dabei. Und da brauchst du aber auch einen Sechsjährigen, die sich das anschauen und sagen, mein Fünfjähriger löst manchmal Dinge auf eine Art und Weise, wo ich mir denke, how the fuck did you do that? Wäre ich nie drauf gekommen.
SPEAKER_03Sowas machst du. Und dann bist du halt auch einen anderen Schritt voraus. Du bist gemutet schon wieder. Irgendwo musst du einen magischen Knopf haben dafür.
DanielWahnsinn. Es ist so 2020. Zu Retro.
MarkusDiese Zeit da.
DanielEs ist einfach so, die war einfach scheiße.
MarkusUnd das Interessante an der Diskussion ist ja auch, dass uns Amerika gefühlt halt ein paar Jahre voraus ist. Irgendwo zwischen 5 und 10 wahrscheinlich. Amerika. Und dort halt die Reichenzentren schon stehen und auch mal in einer ganz anderen Skadierung gebaut werden. Und aber auch der Protest schon viel mehr auf der Straße ist, während da bei uns eher im politischen Dialog geführt wird. Also das ist dann mit AI-Act und so weiter auf einer sehr anderen Flughöhe. Aber natürlich auch hier eigentlich die Notwendigkeit da ist, dass man diese Data Center baut, dass man die Energieinfrastruktur baut und wir schon auch eine sehr starke Nimbi-Kultur haben. Also ich gehe davon aus, dass wir in naher Zukunft ähnliche Themen hier haben werden. Und es wird sehr spannend, wie sich da auch die politischen Fronten abbilden werden, weil da wird öffentlicher Druck entstehen und gleichzeitig sind, glaube ich, so gewisse alte Paradigmen dann auch gar nicht mehr anwendbar, weil natürlich auch irgendwie alle abhängig davon sind, dass es Wirtschaftswachstum gibt, dass die Wirtschaft nicht transformieren muss. Also da hast du schon auf wieder ein bisschen eine neue Dynamik drin.
DanielIch schmeiße noch was rein, was nochmal schwieriger ist. Ich glaube, die letzten zehn Jahre haben wir uns auch wahnsinnig, insbesondere in Europa, damit beschäftigt, dass wir niemanden auf die Füße treten, wenn wir Dinge sagen, dass wir bewusst Sachen so formulieren, dass man jeden inkludiert, dass man bewusst alles so sagt, dass sich niemand auf dem Schlips getreten fühlt, dass man bewusst Sachen sagt, dass man da vielleicht auch nirgendwo aneckt, dass man alle mitnimmt. Und das ist ja grundsätzlich gar nicht schlecht. Das ist auch nicht gut. Das ist einfach so, wie wir es die letzten 10, vielleicht sogar 15 Jahre gelernt haben. Damit bist du aber richtig schlecht vorbereitet, absolut cutting edge mit KI zu sein. Weil du musst eben, du musst alles irgendwie in Frage stellen. Du musst den Mut haben, Sachen kaputt zu machen. Und du musst aber auch den Mut haben, Sachen auszusprechen, frei von Ideologie und frei von Implikationen und frei von der Sorge, dass da, und am Ende des Tages, wenn du eine KI hast, die total ideologiefrei und nicht wertend ist, dann werden öfter Ergebnisse rauskommen, die dir, wenn dir ideologisch aufgeladen bist, vielleicht gar nicht so gefallen. Und auch das macht es wahnsinnig schwierig.
MarkusWeißt du, was ich weiß. Vor allem die Ideologiefreiheit von KI natürlich auch etwas ist, was logisch heißt diskutiert wird. Das weiß ich. Weil wie du richtig gesagt hast, die Datenbasis entscheidet da schon. Und da ist es nicht so.
DanielGenau, klar, dass Trump da 5% will und dass es dann sowieso hässlich ist und mir ist klar, das ist eine KI aus China auch, aber trotzdem, um es auf der Flughöhe weiter zu bearbeiten. Stell dir vor, du machst irgendwas, was aber anderen und wir wissen schon, Peter heißt, du musst Sachen zerstören. Das ist und das soll es jetzt nicht so klingen, dass ich sage, du sollst irgendwas bewusst kaputt machen, aber wenn du Dinge neu machst, machst du vielleicht andere Dinge auch kaputt. So. Worauf ich sagen will, ist ich glaube, das größte Problem ist, dass wir einfach geistig nicht auf das vorbereitet sind, was eigentlich gefordert wäre und dass die, die das könnten, vielleicht gar nicht wissen, dass sie das könnten.
SPEAKER_01Ich verstehe, was du meinst da.
MarkusWeil halt auch die bestehenden Infrastrukturen und Institutionen nicht in all dem, wie sie aufgebaut sind und wie auch die eigenen Kaderschmieden und Strukturen aufgesetzt sind, nicht darauf ausgelegt sind, mit den aktuellen Rahmenbedingungen zu gestalten.
DanielGar nicht. Und ich gebe dir noch ein Beispiel, auch das ist jetzt wieder aus so einer, ja, kann man auch wieder diskutieren. Aber erinnerst du dich, als diese Open Claw-Meetings waren vor ein paar Monaten, da waren Fotos davon. Und wenn du dir die Fotos anschaust, dann siehst du, dass da eine bestimmte Demografie da ist. Das sind gefüllte 97% junge Burschen, wahrscheinlich mit einem technischen Hintergrund. Ist das gut? Nein, ist das schlecht? Nein. Aber das sind wiederum die, die sozusagen das Thema vorantreiben. Und ja, eigentlich sollte da eben auch genau der eine Langzeitkunstgeschichte Studentin sitzen, die das anhört und plötzlich da was anwenden kann. Aber die sind Jahre davon entfernt, dass sie jemals damit Touchpoints haben und dadurch sind sie auch sofort wieder weg von dem Thema und dann kommt später, ja, wir wurden ausgegrenzt. Nein, bullshit, du warst nicht da, weil es dich nicht interessiert hat, weil du davon gar nichts hörst in deiner Bubble. Und in der Sekunde, das ist der Genesis-Moment, wo du eigentlich die Grundlage legst für Sachen, die in drei Jahren, in fünf Jahren, in zehn Jahren dann wieder sich manifestieren. Und auch das ist weder gut noch schlecht, nur es ist so ein Open-Claw-Bild, als der Peter da war und du siehst das Publikum, dann weißt du, da sind bestimmt zehn Leute drin, die was Geiles bauen. 50 Leute, die inspiriert rausgehen, die 500 anderen davon was erzählen. Und das ist einfach rein so, wie das funktioniert, innerhalb einer bestimmten Bubble. Und das ist schade, dass andere Bobbles nicht frühzeitig Touchpoints damit haben. Und ich merke, wie sehr ich in meiner Bubble bin, wenn ich dann manchmal mit anderen Personen außerhalb meiner Bobble rede und sage, ja, bla bla bla, ich habe es mit Claude gemacht, sagen Leute, Claude? Was ist denn das? Sag ich, aber was meinst du denn? Hab ich noch nie von gehört. Das sind aber Leute, mit denen ich teilweise studiert habe, die aber einfach ein bisschen außerhalb meiner verrückten Bobble sind.
SPEAKER_03Und ja, that's the challenge. That's the challenge.
DanielA big challenge. Hilf mir ganz kurz, wie heißt denn da eine verrückte Armi mit den ganz wunderbaren langen Haaren? Da gibt es ein Video von ihm, das so viral ist, er ist ein Kreativdenker, lange Haare, langer Bart, schaut es wieder aus.
MarkusIch weiß nicht, wie er heißt, aber ich weiß, wen du meinst, der so ein Aussteiger ist.
DanielUnd er sagt, er kann weder programmieren noch irgendwas, aber wird bezahlt dafür, verrückte Ideen zu haben. Geiler Typ. Ich weiß jetzt seinen Namen nicht, aber solche musst du halt finden und solche musst du da vorsetzen. Die Weisheit.
MarkusGut, lass uns ein bisschen wieder auf den Boden zurückkommen. Stimmt. Weil wir schon sehr, sehr weit oben unterwegs. Bitte? Es ist ja die Idee von unserem Podcast. Lass uns überhaupt schon drauf und runter fliegen, oder? Ja, ja. Da gibt es News, nämlich hat Hofer jetzt auch seinen Lieferdienst eingestellt. Das reiht sich ein. Eigentlich alle bekannten Marken, also alle bekannten alten Lebensmittelhändler, die quasi in erster Linie physisch agieren, haben den Online-Betrieb wieder eingestellt. Also Sparbiler und jetzt auch Hofer. Was ich schon spannend finde, weil sie den Markt natürlich dadurch voll überlassen, den rein auf Online-Infrastruktur spezialisierten Händler, das ist in Österreich in erster Linie Alfis und Gurkol. Und eigentlich, also ich glaube, Bila macht noch quasi Kick and Collect, also du kannst dir zu Hause den Warenkorb zusammenstellen und dann das einfach vor Ort schon eingepackt abholen. Aber sonst geben sie da eigentlich ein Segment auf, was zum Beispiel in meiner Wahrnehmung, da bin ich halt auch biased, weil ich selbst nur online quasi Lebensmittel einkaufe. Aber schon für mich in einer jüngeren Generation, denke ich mir, wahrscheinlich für viele Leute trotzdem eine logische Wahl ist und dadurch auch ein Wachstumsmarkt wäre. Ich bin nicht zu Hause im Lebensmittelmarkt, sie werden ihre Gründe haben. Wahrscheinlich sind einfach die Zahlen Daten, die es dazu gibt, nicht stark genug, dass es sich auszahlt, für die beiden Schienen zu fahren. Aber ja, ich finde es schon wirklich interessant.
DanielAlso ich finde es auch erstmal einfach lustigerweise, ich wusste gar nicht, dass Hofer liefert, muss ich dazu sagen. Hab aber früher oft genug erwähnt, Villa und Spar wie Weltmeister. Ja, jetzt Gurk halt immer noch mal ganz gerne. Aber es ist, wie du sagst, es ist in Wahrheit wahnsinnig kurzfristig. Und dann werden sie alle heulen in fünf Jahren, warum sie dann weggeballert wurden, weil eine andere Demografie, die gerade jetzt noch nicht so dominant ist, plötzlich etwas erlernt hat und sagt, ja, das brauchen wir auch nicht. Und es ist so, es ist so vorprogrammiert. Weißt du was ich meine? Es ist so offensichtlich, dass das so passieren wird. Und ja, stimmt. Wahrscheinlich jetzt gerade nicht jeder, aber komm.
MarkusWeil das Gegenstück ist ja wirklich Kurkel, insofern, dass die haben einen MCP-Server, mit dem du mit deinem KI-Agenten dort einkaufen kannst. Also das ist okay, ist wahrscheinlich immer noch eine sehr kleine Zielgruppe. Und wie relevant das aktuell ist, lasse ich mal dahingestellt. Aber ich glaube, das kann sich schon sehr schnell drehen und dass man da jetzt etwas ausgebaut hat über die letzten Jahre, durch eben natürlich auch bedingt durch Corona, wo man dann sicher auch investiert hat, dass das auf ein gewisses Level kommt, mit dem man auch größere Mengen abliefern kann, dass man das jetzt wieder einstellt, finde ich wirklich bemerkenswert.
DanielMich gibt dir ein interessantes Beispiel. Ich glaube, es wird einfach auch davon von den diversen Verbänden eine sehr offensichtliche Wahrheit wahnsinnig stark ideologisch abgelehnt. Das sind Öffnungszeiten, das sind solche Themen, dass einfach bestimmte Konsumenten und Konsumenten genau das wollen. Es ist so lustig. Und ich wohne so in der Nähe von dem Julius Tandler-Platz, wo einer von den drei Bilder da ist, die jeden Tag aufhaben. Geh mal am Sonntagnachmittag dorthin. Da ist Mord und Totschlag. Warum? Weil der Demand da ist. Die Leute von überall herkommen, um genau dort einzukaufen. Ja, und wenn du denkst, du hast archaische Eröffnungszeiten, ja, ich habe es ausgesprochen, du hast archaische Eröffnungszeiten und dann stellst du noch dazu, noch dazu die Möglichkeit, die zu umgehen ein. Geil, das ist wie wenn du jetzt sagst, du machst definitiv nichts mit KI und ans Internet glaubst du auch nicht. Und das wird sicher noch ein paar Jahre gut gehen, dass plötzlich ratzifatz deine Kerngruppe weggestorben ist und dann bist du zerschossen. Weil es dauert einfach ein paar Jahre. Und wenn du sagst, Google hat einen MCP-Server, geil. Wie viele Leute nutzen das? Keine Ahnung. Wie viele Leute werden das nutzen in fünf Jahren? Eine Menge. Wie viele Leute werden das in zehn Jahren nutzen? Richtig viele. Wenn ich in fünf Jahren anfange, mich damit zu beschäftigen, wie das wahrscheinlich die Großeingesessenen machen, dann geht das nicht sehr weit. Und das ist so ein Autounfall in Zeitlupe, den du eigentlich siehst. Und es ist bestimmt wieder der eine Verband, der dem anderen erklärt, das braucht man nicht und hier und da oder irgendwelche Margen. Und heute ist der Umsatz nicht so hoch wie, ja klar, aber wenn du Version 1.0 als für immer Zustand betrachtest, dann wirst du auch nie dich durchsetzen können.
MarkusUnd es ist schon, finde ich, für dich sehr spannende Case-Study, weil du hattest hier eigentlich diesen Brandbeschleuniger, die Notwendigkeit, sich mit einem Zukunftsgeschäftsmodell zu beschäftigen durch externe Gegebenheiten, damals Corona. Und trotz diesem Brandbeschleuniger ist es den großen Konzernen nicht gelungen, das Bestehende mit dem Neuen unter einen Hut zu bringen. Weil wahrscheinlich, genau wie du gesagt hast, aktuell das Neue einfach nicht besonders profitabel ist. Es kann schon sein, dass das halt einfach für sie aktuell, bottom line, wenn du da rein jetzt mit der CFO-Brille drauf schaust, ja, ist es eine Distraction. Es ist nicht relevant im Großen und Ganzen. Aber es ist bezeichnend eben für europäische Industrie, dass uns das wahrscheinlich früher oder später auf den Kopf fällt, ohne ein Experte im Lebensmittelbereich zu sein. Aber es wird sicher eine Entwicklung in diese Richtung geben, mit einfach einer jüngeren Generation, und sie überlassen damit jetzt das Feld den Playern, die wirklich darauf spezialisiert sind, was total legitim ist und es gibt ja immerhin Gott sei Dank diese Player, teilweise nicht, also Kurkal ist ja eigentlich eine tschechische Gruppe, aber immerhin europäisch. Also ich glaube, ist ja für die ist das wahrscheinlich meines Erachtens gut, weil sie damit den Markt halt nochmal stärker auch aktivieren können. Aber ja, ich finde es wieder ernüchternd, was das ganze Thema Entrepreneurship und ein Startup innerhalb von Konzerngründen ist echt tricky. Hier, dass du nicht irgendwann in dieses Liniendenken kommst.
DanielHier fun fuck kommt noch eine These dazu. Wahrscheinlich einer von denen, die in diesem Unternehmen den Lied dafür hatten, haben sich wahrscheinlich entschieden, okay, fuck it, ich gehe und ich baue das, was ich gelernt habe, selber auf. Und das passiert irgendwo im Stealth-Modus gerade und zack, bum-bang wird der eigene Nachwuchs, den man sich herangezüchtet hat, knattert einen selber weg. Das ist genau, wie es funktioniert. Ich habe so oft Leute gesehen, die irgendwelche Entrepreneurship-Units angeführt haben und dann irgendwann nach ein paar Jahren keinen Bock mehr haben, rausgehen, mit all dem Know-how, all dem Netzwerk und auch der Kohle, die sie gesammelt haben, die Jahre davor, selber was bauen. Ja, totally gonna happen. Und aus Gurkals Sicht, die werden wahrscheinlich den News nicht glauben können. Sagen, was haben die gemacht? Was? Die überlassen uns den Markt? Ernsthaft? Nein. Bist du sicher? Ja. Okay. Okay. Okay. Dann werden wir bald mal ein bisschen wieder anheben, oder? Wahnsinn. Das ist. Und das ist halt dieses Denken, dass alles so bleibt, wie es ist. Und dass alles immer noch safe ist. Und das, weil es heute so ist, ja. Super, super brandgefährliche Sichtweise. Brandgefährliche Sichtweise. Und ich weiß, die Leute werden auf den Panels sitzen, sich gegenseitig beglückwünschen, sich gegenseitig erzählen, wie gut sie das gemacht haben. Und das ist so eine bestimmte Demografie, so Mitte 50, die der Meinung ist, sie wissen alles. Och, Kinder. Ach, Kinder, ihr verkackt uns da wirklich alles. Aber gut.
MarkusTja, ich glaube, gleichzeitig muss man natürlich sagen. Online-Lebensmittelhandel ist unfassbar schwierig. Das ist logistisch eine extreme Herausforderung. Daran ist auch Amazon schon bis zu einem gewissen Grad gescheitert. Also es ist nicht trivial. Es erfordert viel Effort und vielleicht ist es deshalb halt auch einfach besser bei einem Startup, dass ich voll darauf fokussieren kann und das nicht irgendwie unter einem Dach vereinen muss. Das ist grundsätzlich meine Überzeugung, dass das meistens besser funktioniert. Wir müssen halt dann auch die schöpferische Zerstörung zulassen, die damit einhergeht. Also dann nicht wieder mit der Regulierung daherkommen, die es für neue Player unmöglich macht, an einen Marktfuß zu fassen. Das ist am Ende, finde ich, dann auch fair. Und dann sollen sich die Zitrone halt jetzt auch noch eigentlich auspressen und das ist ja voll okay. Aber dann nicht jammern, wenn eben jemand daherkommt und ein neues Geschäftsmodell für neue Zielgruppen baut, das ihnen nach und nach einen Marktanteil abfrisst.
DanielDas passiert wahrscheinlich, bis auf in wenigen Fällen sind das dann immer nicht österreichische oder nicht-europäische Unternehmen, wo die Wertschöpfung mit außerhalb von Europa funktioniert. Und wir erst recht uns die Frage stellen müssen, wie können wir unseren Sozialstatum beibehalten? Und die Antwort ist, ja, gar nicht. Das ist einfach nur eine Frage. TikTok, TikTok, TikTok. Und das ist scheiße. Aber es ist so offensichtlich. Und das meine ich mit dem Denken, frei von Ideologien und frei von allen Dingen. Das ist halt einfach so. Schade. Aber ja. Schön, haben wir uns ja eigentlich wieder gegenseitig so eine Runde deprimiert. Wollen wir nochmal etwas Positivem abschließen?
MarkusJa, was Positives. Ich meine, ich glaube, Schweden ist ganz grundsätzlich ein positives Beispiel, wie man einen Wirtschaftsstandort positiv in die Zukunft bringen kann. Die haben das tatsächlich, also es ist auch Pensionssystem und etc., also generell The Nordics bei vielen Dingen ein Beispiel. Aber ein Faktor, den ich letzte Woche gelernt habe und vielleicht, was man auch diskutieren kann, weil wir ja oft auch schon über potenzielle Möglichkeiten geredet haben, wie man Österreich unternehmerischer machen kann, wie man es einfacher machen kann, dass Leute auch mal ins unternehmerische Risiko gehen. Wir haben ja da schon öfter vorgeschlagen, weil es gab eine Zeit lang eine Bildungskarenz in Österreich, die unter Anführungszeichen missbraucht wurde, um zu gründen, weil damals halt man auch Kurse machen konnte, die nicht besonders aufwendig sind und dann nebenbei halt ein Start-up aufbauen. Aber in Schweden gibt es tatsächlich eine Gründungskarenz. Wichtig ist unbezahlt, also das ist schon etwas, was man, finde ich, auch jetzt ohne Budget Relevanz umsetzen könnte. Allerdings bekommen da Leute eben für einige Monate, das ist konkret sechs Monate, die Möglichkeit, etwas eigenes zu starten. Und wenn man nach sechs Monaten entscheidet, dass man das nicht weitermachen will, dann muss einen der Arbeitgeber zurücknehmen. Also ein bisschen ein De-risking von einer unternehmerischen Aktivität. Es gibt gewisse Einschränkungen, es darf nicht eine Konkurrenz, es darf nicht Konkurrenz sein zu dem Unternehmen, wo man herkommt. Aber grundsätzlich ist das, Schweden ist das einzige Land, wo das ein verankertes Recht ist. Und es gibt keine klare Kausalität, dass das damit zusammenhängt, aber Schweden ist halt auch eines der absoluten Best-Practice-Beispiele, wenn es um erfolgreiche unternehmerische Ökosysteme in Europa geht. Also vielleicht ist das etwas, was man sich auch in Österreich anschauen könnte.
SPEAKER_01Hätte, wie gesagt, zumindest auf Budget-Ebene keine Auswirkungen. Ja, ich meine, ich finde das gut und schlecht.
DanielIch finde aber die Risken immer so ein bisschen so ein Thema, weil es, wie sage ich, ich finde halt beim Unternehmerischen ist einfach ein großer Teil dessen das Risiko, dass du nehmen musst. Und das Risiko ist ein essentieller Teil der Risk-Reward-Matrix, wenn ich das mal so nennen möchte. Und ich glaube, je höher das Risiko, desto höher die Rewards. Und das ist einfach das, was du tragen musst. Und das ist etwas, was, glaube ich, einen breiten Teilen der europäischen Bevölkerung nach wie vor nicht verstanden wird, wenn es ums Unternehmerische geht, dass da Leute wirklich Eier in die Hand nehmen und Risiko auf sich nehmen und deswegen irgendwann einen Reward haben.
MarkusIch glaube, die Leute verstehen das schon, wenn es um ihre eigene unternehmerische Aktivität geht. Also ich glaube, dass die Risikommission der Europäer ein sehr großer Grund ist, warum wenig gegründet wird. Aber ich verstehe, was du meinst. Du bist damit d'accord mit Elon, der auch, glaube ich, gesagt ist, wenn du jemanden überzeugen musst, ein Unternehmen zu gründen, dann zeigt das schon, dass es kein guter Unternehmer ist. Ich glaube schon, dass ein gewisses D-Risking hilfreich ist, weil natürlich, du hast recht, irgendwann musst du das Risiko ändern, weil irgendwann sind ja auch diese sechs Monate vorbei. Aber es gibt dir halt die Möglichkeit, um ein bisschen mehr Headspace. Genau das, was du angesprochen hast auch am Anfang der Sendung, wir haben das Privileg, dass wir hier sitzen können und uns mit Zukunftsthemen beschäftigen können. Viele Menschen haben das nicht. Die sitzen im Hamsterrad fest und haben einfach, das bedeutet, wenn sie unternehmerisch was verfolgen wollen, dann haben sie, müssen sie vielleicht deine Familie annähern, müssten in irgendeiner Form ihre Rechnungen zahlen. Du bist eigentlich, es gibt viele Menschen, die sich ein bisschen gefangen fühlen, auch in diesem Hamsterrad. Und das ist für mich ein Weg, wie du ausbrechen kannst, ohne dein gesamtes Leben, bevor du irgendwelche Beweise haben kannst, auf eine Karte zu setzen. Und ich glaube, das fände ich schon einen spannenden Punkt. Natürlich aus Unternehmensperspektive kann das sehr anstrengend sein, wenn die Leute dann nach einem halben Jahr beschließen, ja, sie wollen jetzt doch wieder, also es gibt immer eine andere Seite bei sowas, aber einfach jetzt volkswirtschaftlich blicken mit dem Problem, was wir haben, dass zu wenig gegründet wird, dass zu wenig unternehmerische Intention und Aktivität vorhanden ist, fände ich das eigentlich ein entspannendes Beispiel.
DanielIch meine, ja, aber nur eine Sache, um es aufzugreifen, und für die, die jetzt zuhören, das sind unsere treuen Fans. Warum sitze ich denn hier und mache den Podcast? Ganz harte, ganz harte Aussage, weil ich es mir verdient habe, dass ich hier sitzen darf. Weißt du, was ich meine, das hat mir niemand gegeben. Das habe ich mir erarbeitet und das ist ein Ergebnis von ganz, ganz, ganz vielen Entscheidungen und ganz vielen Momenten, wo es einen leichteren Ausweg gegeben hätte und wo es andere Prioritäten gegeben hätte und wo ich mich bewusst immer entschieden habe, in eine andere Richtung zu gehen. Und das seit 16 Jahren so macht. Das hat mir halt keiner präsentiert. Die auch nicht. Und das ist das eine.
MarkusAber deswegen sind wir auch sehr wenige.
DanielDeswegen sind wir sehr wenige. Und das ist aber das eine, was man nicht sagen darf. Ich merke es immer wieder bei Leuten bei mir, die sagen zum Beispiel, wenn es um das Speaker-Thema geht, wie bist denn du Speaker geworden? Sag ich, du, also die ehrliche Variante ist, ich habe zuerst während meines Studiums eine Schauspielausbildung gemacht, die habe ich komplett selber finanziert. Ich wusste ich auch nicht warum. Ja, und dann habe ich drei Jahre, vier Jahre immer mal wieder was moderiert aus Spaß, ohne je daran zu denken, dass ich was verdiene. Und dann habe ich angefangen, Vorträge zu halten, nochmal zwei Jahre aus Spaß, ohne daran zu denken, dass ich je was verdiene. Und dann habe ich Fernsehen gemacht. Und dann bin ich mit dem letzten Geld zu einer Agentur gefahren, die mich aber gar nicht wollten. Und dann hatte ich noch ein halbes Jahr Zeitfenster, in dem ich pro Bono weitergearbeitet habe, bis dann mal jemand angefangen hat, mir ein bisschen Geld dafür zu geben. Was ich sagen will ist, das sind sicher so sechs Jahre, in denen alles dagegen gesprochen hat, das zu tun. Und das ist vielleicht auch manchmal Teil des Weges, den man gehen muss. Man muss aber Leuten immer wieder aufzeigen, dass es diesen Weg gibt. Aber man muss sagen, der Weg dorthin ist halt kein leichter. Und man muss den Leuten einfach sagen, okay, du bist da, weil du das so willst. Und das ist bei jedem anderen auch so. Warum bist du als Sportler oder Sportlerin erfolgreich, weil du eben all diese Wege so gehst und das ist nicht so, weil du angebracht hast. Genau. Und ich sage nicht, dass jetzt jeder leiden muss und da, und aber was ich sagen will, ist, man muss halt schon Leuten erzählen, was dafür notwendig ist, um es auch weiterhin betreiben zu können. Und das ist, glaube ich, das Wichtige, wenn ich daran denke, wie oft, weißt du, was ich meine, wie oft ich Sachen gemacht habe, die richtig riskant waren oder richtig brutal waren oder 20 Stundentage reingeballert habe. Das würde ich sofort wieder tun. Mach ich ja noch immer, finde ich ja noch immer geil. Aber das ist ein wichtiger Teil des Narrativs, den man nicht auslassen muss.
MarkusJa, nein, hast du vollkommen recht. Ich glaube, man darf es nicht mit der rosa-roten Brille verkaufen und den Leuten erzählen, es ist alles einfach. Ich glaube, wir wissen alle sehr gut, dass es sehr, sehr hart ist und viele Opfer erfordert, wenn man unternehmerisch tätig werden will. Aber ein bisschen diesen Schritt, diesen ersten Schritt zu enablen, glaube ich, würde nicht schaden.
DanielJa klar, klar. Mit der Erkenntnis dieses Risikos. Und das muss, glaube ich, am Anfang auch ganz bewusst ausgewählt werden. Dass du jedem sagst, du weißt, dass es jetzt hochrisiko, was kommt. Und wenn die Leute sagen, ja, ja, ich weiß, dann bitte, bitte, be my guest. Aber das muss man überbetonen, finde ich. Also, ja. Markus, das hat wieder Spaß gemacht. Muss ich ja schon. Dankeschön. Pleasure Zone. In dem Sinne, take care, stay safe. Und wir hören und sehen uns das nächste Mal. Dankeschön und bye bye.