Future Weekly

#18 - Technologische Souveränität, Wahnsinn an den Börsen, Apple X Google

Daniel Cronin & Markus Raunig von Austrian Startups Episode 18

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Markus Raunig und Daniel Cronin diskutieren diese Woche folgende Themen:

1. News der Woche: 

  • 1 Monat Quarantäne - ein Statusbericht, 
  • Apple & Google Kooperation bei Contract Tracing, 
  • Verrückte Börsen,  

2. Deep Dive: Technologische Souveränität,
3. Rockstar der Woche: Jack Dorsey,
4. Moonshots & Predictions: Jetzt oder nie für Europa, Gewinner & Verlierer der Krise

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Weiterlesen:
Contact Tracing by Google & Apple: https://t1p.de/k5t3
Staatliches Veto bei internationalen Investments: https://t1p.de/8ae2
Technologische Souveränität und die EU: https://t1p.de/dc1e

Production: Hanna Moser

Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com

Daniel

Einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag oder auch guten Abend und herzlich willkommen zum Future Weekly Team Startup Podcast. Ich bin wie immer gut gelaunt, bärtig und mein Name ist Daniel. Und auf der anderen Seite ebenfalls gut gelaunt, nicht ganz so bärtig oder doch, wer weiß es? Damit ist es. Hallo lieber Markus. Wir haben uns mittlerweile seit fast einem Monat nicht gesehen, außer täglich bei Zoom-Calls. Aber anyway, geht's dir gut da drüben? So weit, so gut. Wie geht's dir? Mir geht's ebenfalls richtig gut. Ich freue mich wieder mit dir ein bisschen in die Zukunft, in die Gegenwart und auch mal in die Vergangenheit zu schauen. Diesmal auch richtig weit in die Vergangenheit. Denn ich werde möglicherweise mal irgendwann Kathago erwähnen. Was ich mir eigentlich auch nie hätte vorstellen können. Wir blicken diesmal so weit zurück in die Vergangenheit, dass ich sogar Latein rede. Du schaust dir ein bisschen europäische Dinge an. Das mache ich natürlich auch immer wieder sehr, sehr gerne. Wir werden natürlich auch wie immer unseren Rockstar der Woche kühren. Wir haben ein Deep Dive, wo es um technologische Souveränität geht. Warum das gut ist, warum das schlecht ist und warum wir eigentlich ohnehin nur entweder aufgeben oder volle Attacke reiten können. Selbstverständlich werden wir aber auch über ganz tagesaktuelle Dinge sprechen. Vielleicht ein bisschen über Apple, vielleicht ein bisschen über Google, vielleicht auch ein bisschen über die Börse, wer weiß. Und selbstverständlich werden wir auch ein bisschen und ganz freundlich unterhalten. In dem Sinne, anschnallen, lächeln, einatmen, ausatmen. Los geht's. Ja und komme zu den News. Und ja, wie immer eigentlich viel. Aber eigentlich News, es geht seit Wochen um Corona. Eigentlich ist es ja so The New Normal. Wie lange sind wir jetzt in der Isolation? Vier Wochen?

Markus

Ich glaube, es wird ein Monat sein mittlerweile, ja. Wahnsinn. Wie geht's dir denn da? Gut, alles in allem. Ich bin etwas übermüdet und spüre schon. Also ich finde einfach Anrufe bzw. diese Videocalls die ganze Zeit, ich finde das ziemlich anstrengend, kognitiv. Aber sonst geht es mir jetzt nicht schlecht. Also es ist alles in allem viel Arbeit, anstrengende Arbeit. Ich fühle mich ein bisschen geschlaucht, aber insgesamt komme ich mit der Situation ganz gut zurecht.

Daniel

Trägst du noch Hosen?

Markus

Ja, aber schon Jogginghosen.

Daniel

Wirklich? Und isst du dein Essen mit Messer und Gabel? Oder ich habe unlängst gelernt, das Besteck für Jogginghosenträger, dem Löffel.

Markus

Nein, ich esse noch ganz normal.

Daniel

Weil ich habe gehört, die einfach wirklich drauf scheißen sind, die die Jogginghose tragen und alles noch mit dem Löffel essen. Quasi dem Löffel, der Jogginghose, der Kulinarik. Das fand ich einfach Weltklasse.

Markus

Na, so weit ist noch nicht gekommen.

Daniel

Das ist dann nächste Woche. Und übernächste Woche lutscht du dann den Suppenwürfel, was dir einfach echt wirklich egal gibt.

Markus

Das ist jetzt aber Suppenwürfel lautschen.

SPEAKER_00

Ich glaube, du wirst Loch nicht passieren.

Daniel

Du wirst lachen, aber es gibt wirklich Leute, die das machen.

SPEAKER_00

Warum?

Daniel

Also ich gehe mal davon aus, dass es sowas gibt. Das Lustige ist, ich habe über die Jahre gelernt, je bescheuerter die Idee ist, die ich habe, desto wahrscheinlicher ist es, dass das schon mal jemand gemacht hat. Er hat nein. Und dann habe ich irgendwann die Darwin Awards entdeckt und mir gedacht, okay, verstanden. Egal wie dämlich, das gab's schon. Und ja, Suppenlöffel lutschen ist, Suppenwürfel Lutschen ist für absolute Gewinner unter euch dort draußen. Bitte nicht nachmachen und auch nicht dran ersticken, das wäre geil.

SPEAKER_00

Wird deine neue RTL 2-Show. Suppenwürfellutscher.

Daniel

Du, wer weiß, vielleicht ist das dann schneller auf ATV als du denkst. Weil ja, ich denke, mir Teenager werden müssen dann auch irgendwann pivotieren und dann sind das die Suppenwürfellutscher.

Markus

Cha, sa. Schon haben wir eine Fernsehserie kreiert.

Daniel

Ich denke mir auch, die könnten auch in einem ein oder anderen Format auftreten und statt Sweat Equity einfach Arbeitskraft anbieten. Mit ihren 14 Kindern oder sowas. Aber jetzt wird es wieder untergriffig, das möchte ich doch in keinster Weise tun. Aber das Lustige ist, es gibt irgendwie, wenn ich so ein bisschen reflektiere, die letzten Wochen so ganz am Anfang dessen war viel Unsicherheit, viel, viel, viel, viel Unruhe. Und wenn ich so zurückdenke, mittlerweile hat sich bei mir zum Beispiel auch relativ viel eingependelt. Das ist wirklich ganz interessant. Und natürlich so der Tagesablauf sowieso und das ist ganz fein. Ich meine, bei mir war es natürlich auch immer so, ich habe einfach mein Büro in der Wohnung, was sehr angenehm ist. Trotzdem ist ja klar, ich meine, wie der eine oder andere interessierte Zuhörer und die Zuhörerinnen wissen, ich bin natürlich auch Keynote-Speaker und Moderator und das ist natürlich etwas, da hat sich vieles verändert. Mittlerweile ist es aber so, ich habe meine ersten Keynotes in Form von Webinaren gehalten. Das hat echt gut funktioniert. Es bedarf natürlich ein bisschen an Improvisation, aber es funktioniert. Ich habe meine ersten Uni-Vorlesungen gehalten. Mittlerweile, auch das war erstaunlich gut, da muss ich einfach sagen, ein Riesenlob an die Studentinnen und Studenten. Und jetzt kommt das Härteste. Das waren Blogveranstaltungen. Und es ließ sich nicht mehr verändern. Das heißt, ich habe letzten Freitag vier Stunden am Stück unterrichtet. Und gestern, nein, vorgestern, acht Stunden. Und das ist richtig heavy, wenn du es Face-to-Face machst. Das ist aber richtig, richtig, richtig heavy, wenn du es Distance Learning machst. Allerdings, was so für die Keynotes haben wir Zoom verwendet, das hat sehr, sehr gut funktioniert. Hierfür jetzt Microsoft Teams. Das ist ein bisschen überladen, weil es einfach so viele Optionen gibt. Aber das Spannende war, ich habe dann relativ schnell den Studenten ausgemacht, weil ich bin ja so ein Typ, ich liebe ja ein Publikum, ich möchte deren Reaktionen lesen und was sie sagen und was sie tun. Und haben uns einfach ausgemacht, dass sie regelmäßig über die Chat-Funktion auch Fragen von mir mit Y oder N antworten, ja, nein und auch Fragen stellen können. Das Coole ist, nach dem ersten Tag, nach den ersten vier Stunden, nach Pausen bereinigt, keine Ahnung, drei Stunden 30 oder drei Stunden 15, hatten wir 796 Chat-Interaktionen von in Summe zehn Studentinnen und Studenten. Das war richtig gut. Das war richtig, richtig cool. Und die waren überrascht, ich war überrascht und ich habe einfach für mich gesehen, Moment, das geht ja richtig gut. Das geht richtig gut. Und das war schön. Und es pendelt sich ein.

Markus

Aber das bemerkenswert hätte ich nicht für möglich gehalten. Besonders acht Stunden hätte ich dich für verrückt erklärt und das mir als Plan vor deinem Workshop erzählt hätte.

Daniel

Das Lustige ist für mich tatsächlich, ist das Amüsante. Ich mache viele Dinge. Ich habe, das ist, das war an der FH Hagenberg und da unterrichte ich, ich bilde mir einen seit 2013. Und ich habe dann wieder gemerkt, fast dieselbe Aufregung wie das erste Mal, weil ich habe echt schlecht geschlafen vorher, weil ich mir auch gedacht habe, meine Güte, wie soll das funktionieren? Und die Art, wie ich bin und wie ich unterrichte, ist ganz stark auf Diskussion, Interaktion und bla bla bla ausgerichtet. Ich war wirklich unsicher, wie das klappen soll. Und danach, ich war so glücklich und so erlöst zu sehen, okay, das funktioniert und habe mir auch gedacht, wenn das so gut funktioniert, dann kann man alle anderen Formate auch so hinkriegen. Und es bedarf ein bisschen Fantasie und auch auf der anderen Seite. Und das war aber cool. Und also riesen, riesen, riesen Komplimente auch an meine Studentinnen und Studenten, die sich da auch drauf eingelassen haben. Die waren selber überrascht danach. Boah, das war eigentlich ganz cool. Und das Schöne ist, viele Dinge, die man oft gemacht hat, plötzlich wieder neu zu machen und dadurch werden sie wieder auf eine andere Art und Weise aufregend. Lustig war auch, es war anstrengender, aber normalerweise wäre dann mein Tag so, dass ich morgens aufstehe, um ich habe keine Ahnung wann, um sechs Uhr morgens losfahre, um um 8.50 Uhr dort zu sein, dann unterrichten würde acht Stunden und dann wieder zurückfahre, knapp drei Stunden. Das ist natürlich auch ein spezieller Tag und so ist meine Anreise, naja, ist eine Minute, 30 Sekunden. Ist auch schön. Das gefällt mir.

Markus

Ist spannend auch, wie sich das langfristig dann auswirken wird, ob mehr Remote-Sachen bleiben, einfach weil die Leute sehen, okay, es funktioniert doch auch so. Und wir sparen uns halt die Reisezeit und den ganzen Aufwand.

Daniel

Richtig. Ich meine, was ein bisschen komisch ist, ist zurzeit auch bei den Keynotes, aber auch bei vielen Meetings zurzeit, es hat für mich ein bisschen das Gefühl, es ist wie für mich, wenn ich Moderieren auf einer Bühne vergleiche mit Moderieren im Fernsehen oder Moderieren für irgendein YouTube-Format. Was dir halt oft fehlt, und das ist etwas, das kriegen wir aber hin, was dir halt oft fehlt, ist so dieses Instant Feedback. Weil wenn ich vor Studenten, du kennst es auch, du sagst irgendwas und die schauen dich an und du weißt, uh, das ist jetzt daneben gegangen, jetzt muss ich nachfassen oder die lachen sofort. Und was auch spannend ist, du musst halt irgendwie jeden einzeln greifen. Während wenn du einen Witz auf einer Bühne machst, die erste Person lacht, dann lachen einfach mal alle mit. Das ist einfach so ein Gruppenphänomen. Das hast du so nicht.

SPEAKER_00

Wenn alle gemürtet sind, dann sicher nicht.

Daniel

Richtig, naja, und das ist aber genau das Thema. Und das heißt, es ist eine Veränderung dessen. Und für mich ist das so, es gibt sicherlich viele Vortragende und Vortragende, die einfach, die machen ihr Ding und die lesen vor und denen ist das egal. Und für mich ist es aber, ich will, dass die Leute mit mir interagieren. Das ist für mich mein Ziel. Und das ist etwas, was für mich aber auch unglaublich viel Reward, Belohnung gibt, wenn ich das Gefühl habe, da packe ich Leute, die normal die Inhalte nicht so gut finden würden und dann plötzlich, Moment, der hat ja recht, das ist ja ganz cool und dann ihre eigenen Dinge machen. Das ist schon schwieriger, das ist auch didaktisch schwieriger. Ich finde das aber cool. Was aber eine Herausforderung ist, muss ich natürlich noch ganz klar sagen, klar, als Moderator, als Speaker, die Business Models haben sich noch nicht angepasst. Da probiert man so ein bisschen. Das wird glaube ich noch ein bisschen dauern, aber die letzten paar Wochen haben wir gezeigt, das ist alles, das ist alles machbar und ich finde das ganz fein. Ich habe vorhin ja auch mit dir einen Call gehabt und dann habe ich, ich habe dein Pokerface bewundert. Du hast eine Keynote gegeben oder bist du einen Vortrag gehalten über die Starter-Perspektive und was ist da im Hintergrund passiert?

SPEAKER_00

Ja, ich habe meine Lebensmittellieferung bekommen. Du hast nicht mit dem Gesicht gezuckt. Ja, Gott sei Dank hat die Wiki, also meine Freundin, hat diese Lebensmittellieferung dann entgegengenommen.

Daniel

Und du hattest mich vorgewarnt, deswegen wusste ich was. Und ich habe letzte Woche zwei bekommen und ich habe das Gerascheln und die Geräusche erkannt. Ach, meine Güte, der ist so cool, der hält da den Vortrag weiter, während fünf Meter daneben gerade altmögliches Chaos ausbricht.

SPEAKER_00

Ja, nein, nein. Ich habe da voll das Vertrauen gehabt, dass diese Lieferung gut übernommen wird.

Daniel

Aber es ist schon ein lustiges New Normal quasi. Man sitzt in seinem Wohnzimmer, hält gerade ganz seelenruhig einen Vortrag. Und was Leute aber nicht wissen, ist, was daneben passiert und dass daneben einfach mal eben eine Lebensmittellieferung kommt, was aber auch vor drei, vier Wochen schlichtweg undenkbar gewesen wäre. Das ist auch so ein New Normal, wo man sagt, ja gut, das ist halt so.

Markus

Du siehst halt nur einen Ausschnitt aus dieser Realität, die das Gegenüber gerade um sich hat. Oder es ist halt nur dieser Bridge im Ausschnitt. Und dann kannst du natürlich muten oder keine Ahnung, und dann währenddessen mit anderen Leuten sprechen, etc. Also es ist schon eine ganz spezifische Beziehung, die entsteht durch so eine virtuelle Welt, finde ich.

Daniel

Hier kommt meine erste Prediction. YouTube wird bald voll sein von Videos von Leuten, die nicht gemutet hatten, die nicht die Kamera abgedreht hatten. Wir wissen beide, das Internet wird voll sein davon. Von Leuten, die aufstehen und keine Hose anhaben. Oder die einfach irgendwas essen oder weiß der Teufel was machen. Dann war die Kamera doch an.

Markus

Dann weiß sie doch an. Nein, aber das ist schon die, da gibt es meines Erachtens einige Punkte, wo sich jetzt halt auch zeigt, was gut funktioniert und was nicht so gut funktioniert. Ich habe diese letzte Woche auch für meine Großmutter ein Medikament aus der Apotheke geholt und die hat da auch das Rezept bei Anruf bekommen und bei der Apotheke bin ich mit ihrer Versicherungsnummer hingegangen und habe ohne Probleme dieses verschreibungspflichtige Ding bekommen. Also das ist schon. Jetzt gehen plötzlich Dinge, die früher nicht möglich waren. Und das kann man jetzt darüber diskutieren, ob das alles gut ist und so weiter, aber einfach so eine Krise macht halt auch eine gewisse, macht Dinge möglich, die vor sich lange halt auch Leute dagegen gesträubt haben.

Daniel

Richtig, und ich finde, wir als Gesellschaft, muss man einfach so sagen, wir als Gesellschaft in Österreich, wir sind dann schon ziemlich gut dabei. Ja. Und weißt du, während ich mein Podcast ist ja auch so quasi live. Und jetzt muss ich ganz kurz quasi aufstehen von unserem Podcast, zu meiner Tür gehen, denn was du vielleicht nicht hören kannst und ihr auch nicht da draußen, ich höre, dass mein Hund unter der Tür, die geschlossen, die ganze Zeit durchschnauft, weil er nicht versteht, dass sein Mensch in diesem Raum ist, wo auch eins seiner Betten ist. Mein Hund hat zwei Betten, also unser Hund. Eins in meinem Büro und eins in unserem Schlafzimmer. Und er hört mich und er möchte zu mir. Das heißt, ich werde ihn jetzt mal kurz zu mir bitten. Das heißt, Markus, du musst jetzt fünf Sekunden das Mikro übernehmen und erzählst mir mal ein bisschen auch, wie sich deine Lebensmittellieferung jetzt anfühlt.

SPEAKER_00

Die Kühlsachen sind mittlerweile verstaut.

Markus

Die fühlen sich kalt an, der Rest fühlt sich wartend an. Aber ich meine immerhin, die Lebensmittellieferung hat funktioniert. Ich habe gestern auch einen Call mit Freunden gehabt, wo wir darüber gesprochen haben, warum das jetzt wirklich notwendig ist, dass alle zu den Baumärkten laufen und dort sich in der Idee langen Schlangen einstellen. Und dann hat eine Freundin gesagt, dass sie probiert hat, vom Baumarkt was zu bestellen. Und das ist dann, hat unglaublich viel gekostet, die Lieferung, das hat extrem lang gedauert und die Hälfte war kaputt. Also das heißt, da sieht man halt dann scheinbar auch, dass es dann doch Teile der österreichischen Wirtschaft gibt, die es nicht schaffen, Frontline umzustellen und dementsprechend auch dazu beitragen, dass sich die Leute jetzt in langen Schlangen einstellen, um doch wieder physisch einzukaufen.

Daniel

Also die Baumärkte waren für mich so, wie sage ich das politisch korrekt? Eine, es sah aus wie eine Wahlkampfveranstaltung. Nein, ich sag's nicht. Es wirkt ein bisschen minderbemittelt, dass so viele Menschen an Tag 1 dort alle sich anstellen, um irgendwas zu kaufen. Wenn das ein Haufen professionelle Handwerker gewesen wären, die Dinge brauchen, cool. Da waren schon noch dabei. Ein paar, natürlich. Aber da waren so viele Menschen auf diesen Videos dabei, die einfach Tag 1 in den Baumarkt gehen, um irgendein Mist zu kaufen. Meine Fresse. Das war so.

Markus

Das kann ich sein, was die es könnte. Also ich habe, davor habe ich auch ziemlich gehättet und habe gesagt, es gibt es doch nicht. Aber es kann natürlich sein, keine Ahnung, die haben gerade ein Badezimmer, das gerade renoviert wurde und dann kam Corona und seitdem ist das eine Baustelle und sie können nicht duschen. Und dann haben sie probiert online zu bestellen, das hat aber nicht funktioniert oder hätte 800 Euro Versandkosten gezahlt. Also mir fehlt ein bisschen das komplette Bild, ob halt dann Leute wirklich keine Chance hatten, online irgendwas zu kaufen. Oder ob halt tatsächlich sie halt ein bisschen länger hätten suchen müssen.

Daniel

Weißt du, was ich an dir so mag? Du siehst auch immer das Gute in den Menschen. Ich finde deine Perspektive fantastisch. Meine Perspektive ist, das waren 90% Trottel. Möchte ich einfach mal so völlig wertfrei, nein, völlig wertend sagen. Ich glaube, ob man dann nun gleich an Tag 1 raus muss und einen Pinsel kaufen. Schau, die, die seit vier Wochen in Eimer machen, verstehe ich, dass die da was brauchen. Aber die anderen, hey, da kann man auch mal einen Moment warten. Aber anyway, ich möchte nicht zu sehr über die, nein, ich möchte nicht schon wieder was Gemeines sagen, aber über die Leute werten. Trotzdem. Es ist schön, dass Österreich auch ein Stück zur Normalität zurückkehrt. Wir sehen es und wir müssen natürlich, um jetzt den Bogen zu spannen, vom Haten auf die Baumarktleute, es kommt wieder richtig, ach, die Wirtschaft kurbelt an und der lästert nur drüber. Nee, nee, nee, ich finde das super, aber dass man gleich einen Tag 1 loslaufen muss, kann man auch mal einen Tag warten, dass die da alle in der Schlange stehen. Was soll's? Es ist eigentlich grundsätzlich schön, dass alles ganz gut anzulaufen scheint. Ich glaube, dass Österreich sich mittlerweile, zumindest wenn man den Zahlen glauben darf, und es schaut ja so aus, durchaus beispielhaft verhalten hat die letzten Wochen. Und das deswegen dazu geführt hat, dass wir jetzt ziemlich vorne mit dabei sind. Als Best Case.

Markus

Ja, jetzt muss man schauen, wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt. Aber es ist, wie wir schon gesagt haben, das Ganze ist sicher eine absolute Chance, die man jetzt nutzen muss und halt gemeinsam auch als Gesellschaft. Also da jetzt gut messen, gut monitoren, gut sich anschauen, welche Dinge funktionieren, welche nicht und darauf dann halt auch wieder sehr agil und schnell reagieren.

Daniel

Richtig, und ich bin natürlich auch gespannt, ob jetzt diese ersten Öffnungen dazu führt, dass es dann wieder ansteigt in ein, zwei Wochen oder eben weiterhin sinkt. Und das wäre natürlich sehr, sehr schön, sehr positiv. Ja, das ist recht wünschenswert, dass es da immer weiter zur Normalität zurückkommt. Logisch, es wird nicht die alte Normalität sein, sondern eine neue, aber das ist ja auch, das ist halt einfach so. Und ja, zeitgleich sehen wir natürlich auch, dass es nicht nur auf individueller Ebene ein Kampf ist, den wir da führen, sondern dass da auch der eine oder andere Tech-Gigant gesagt hat, so mein Freund Corona. Jetzt geht es dir an den Kragen. Man hätte es, das ist so eine der Überschriften, die man eigentlich kaum erfinden kann. Vor ein paar Jahren hätte die Überschrift richtig lustig ausgesehen. Apple und Google team up to fight Corona. Apple und Google zusammen im Kampf gegen Corona. Meine Güte. Was ist denn da? Ich meine, einerseits natürlich, alle mit den Tin Fall Hertz sitzen da jetzt natürlich im Bunker und sagen, um Gottes Willen. Warum ist das trotzdem eine gar nicht mal so schlechte Entwicklung?

Markus

Also ich finde es aus einer strategischen Perspektive sehr spannend, weil das schon auch zwei diametral andersdenkende Unternehmen war. Also ich glaube, Apple hat sich schon sehr stark auch als Privacy Company positioniert. Die haben de facto gesagt, hey, ich charge dir jetzt das Doppelte von dem, was du sonst am Markt bekommst. Und das mag vielleicht einem Jahreseinkommen von diversen Entwicklungsländern entsprechen, so einem iPhone. Dafür kommt aber halt nur 100 Datenpunkte, die wir uns täglich von deinem Phone runterladen. Und Google hat halt gesagt, okay, kostet alles nur halb so viel und ist für viele Menschen zugänglich. Dafür holen wir uns halt 5000 Datenpunkte pro Tag. Keine Ahnung. Ist jetzt Hausnummer. Ich weiß nicht, wie tatsächlich das mit den Zahlen übereinstimmt, aber in die Richtung ging das bisher ganz stark. Und dass die jetzt gemeinsame Sachen machen, ist es besonders aus der Apple-Perspektive natürlich spannend. Vielleicht sehen die halt jetzt auch die Krise als Chance, hier ein bisschen mehr aktiv zu werden und ein bisschen mehr halt auch Erfahrungen zu sammeln im Umgang mit solchen Datenressourcen. Gleichzeitig glaube ich, kann sowas natürlich auch ein entscheidender Faktor sein beim Umgang mit der Krise. Also ich glaube, dass das durchaus auch aus intrinsischen Motiven gestärkt wird und ich glaube, dass es Optionen kreiert für die Gesellschaften da draußen, weil das muss dann wahrscheinlich auch jedes Land selbst entscheiden, ob es sowas anwenden will. Ich glaube, es gab ja dabei technische Probleme, auch mit wie halt die beiden Bluetooth-Systeme miteinander agiert haben. Also dass sie das gemeinsam machen, ist, glaube ich, ganz sinnvoll. Ob das Ganze dann wirklich der große Wurf ist, generell das Contact Tracing, das glaube ich, weiß noch niemand so richtig. Es hat schon auch gesehen in Singapur, wo das auch freiwillig war, haben es nur 10 bis 15 Prozent der Menschen genutzt und es hat am Ende nicht so viel geholfen. Und ich glaube, alles andere als freiwillig wird für Österreich nicht funktionieren. Und deshalb muss man sich anschauen. Es kann, glaube ich, ein Element sein. Gleichzeitig darf man sich jetzt davon auch nicht die Welt erwarten.

Daniel

Das ist eine gute Einschätzung, denke ich mir. Ich finde es spannend, ich bin neugierig, was passiert. Wenn es etwas hilft, dann ist es gut. Wem es übrigens hilft, das ist ein ganz spannender Artikel, den ich letzte Woche gesehen habe. Scheinbar vibriert die Welt zurzeit weniger. Und zwar, weil wir uns weniger bewegen, gibt es weniger Vibrationen, die tatsächlich messbar sind. Und das ist die ganz große Stunde. Der Geowissenschaftler, die plötzlich kleinere Erdbeben, seismische Bewegungen und so weiter und so fort auf einer ganz anderen Granularität messen können, was vorher gar nicht möglich war, weil vor lauter menschlich geschaffenen Vibration so viel überdeckt wurde. Das ist ja auch spannend. Die Welt steht still und deswegen kommen plötzlich Dinge zutage, die wir vorher gar nicht wahrnehmen konnten, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin sehr gespannt, was für Entwicklungen aus der Krise hervorgehen, an die wir gar nicht gedacht haben. Ich meine, Apple und Google ist natürlich das eine Thema. Wer weiß, was da für Bewegungsmuster, für Interaktionsmuster herbei hervorkommen. Das andere ist natürlich genau das mit den Vibrationen, von denen ich gerade gesprochen habe, sehr, sehr, sehr spannend. Ja, wie ich so gerne immer sage, man darf wirklich gespannt sein. Worauf man natürlich auch sehr gespannt sein kann und was man auch mit sehr viel Spannung verfolgen kann, ist natürlich auch, wie sich die Stockmarkets entwickeln, die Börse. Börder geht es auch richtig ab, muss ich da mal so sagen. Und vor allen Dingen ist das Spannende, es gibt unglaublich viele clevere Menschen, die sagen, so, das war's, ab jetzt geht's aufwärts und andere sagen, nee, nee, nee, das war nochmal so ein Aufbuckeln und jetzt geht's so richtig runter. Ja, ja. Also keine Ahnung, weiß ich.

Markus

Ich finde es weird, dass in einer Woche, wo mehr Arbeitslose gemeldet wurden als jemals zuvor in der Geschichte, der Doge Jones in Amerika seine beste Woche seit 1938 hat. Also irgendwie fühle ich da auch eine gewisse Entkoppelung der Aktienmärkte von der Realwirtschaft. Ich kann natürlich sagen, Starter Aktienmärkte, da geht es um Erwartungen, es geht um die Zukunft und nicht um das, was jetzt ist. Aber finde ich schon komisch.

Daniel

Ich meine, ich glaube, das liegt natürlich an einer Reihe von Faktoren. Erstmal, ich habe keine Ahnung und wahrscheinlich hört uns irgendein Aktienprofi zu und lacht sich tot. Dennoch ist so meine mehr als amateurhafte Einschätzung, dass es natürlich einerseits daran liegt, dass gerade die Amis, ich weiß nicht, was es waren, drei oder acht Trillionen Dollar an Hilfszahlungen in die Wirtschaft gepumpt haben oder pumpen werden. Das ist natürlich auch eine Ansage. Das ist so, okay, wir wollen euch grundsätzlich mal retten. Dass die Ansage von Donald kommt, ist natürlich auch wieder so ein Ding. Und andererseits natürlich ganz spannender sind das ein Artikel, den wir beide gesehen haben, dass man natürlich auch sagt, in diesen Zeiten der Krise überlegt man sich, wo man sein Geld investiert. Und da ist natürlich die Börse durchaus mal ein sicherer Weg als Risikoinvestments woanders. Dass man da durchaus mal sagt, na gut, dann stecken wir das halt irgendwo rein in irgendwas ganz Sicheres. Das heißt, es ist natürlich ein sehr schwieriges Abbild. Zeitgleich haben wir natürlich auch diese interessante These oder Feststellung gesehen, dass es natürlich jetzt auch nicht gerade die Zeit der IPOs ist. Das heißt, das Angebot an Börsen ist ohnehin dann etwas weniger, als es sonst wäre. Zeitgleich mehr Geld. Richtig, richtig. Plus natürlich viele Leute, die sagen, hey Mr, das ist jetzt so krachen gegangen, jetzt hat sich das so ein bisschen stabilisiert. Naja, es ist eh gerade niedrig. Früher oder später wird es doch auch mal wieder steigen. Dann kaufe ich mich da jetzt mal ein. Und das ist, was passiert. Für mich ist natürlich der spannende Moment. The Donald sagt, nächste Woche soll das wieder alles normal werden in Amerika. Sollen die Geschäfte wieder öffnen, da ist viel Erwartung dahinter. Sollte das nicht so sein, dann glaube ich, geht das nochmal richtig runter. Aber das sind meine mehr als amateurhafte Einschätzung.

Markus

Ich glaube halt auch, dass selbst wenn The Donald halt dann, ich meine, da gab es ja auch die Konflikte, dass halt dann einige Bundesstaaten gesagt haben, die machen erst auf, wenn sie glauben, dass es richtig ist. Also es ist die Frage, ob das überhaupt zentralisiert funktioniert. Aber ich glaube, selbst wenn es dazu kommt und ich sage jetzt mal wirklich wieder geöffnet wird, ich glaube schon, dass sich die Auswirkungen dieser Krise noch länger zeigen. Also da ist jetzt schon allein die Arbeitslosigkeit, die da entstanden ist. Der amerikanischen Jobmarkt ist viel agiler als ein europäischer, das muss man auch sagen. Also Leute können viel schneller auch wieder Jobs finden normalerweise. Aber das ist trotzdem, da ist so viel Vertrauen auch verloren gegangen, da sind so viele unterschiedliche Aspekte, so viel Kaufkraft auch auf der Nachfrageseite ist verloren gegangen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jetzt schon in dieses Hoch der Aktienmärkte derzeit eingepreist ist. Es ist eigentlich straightforward, also muss es in irgendeiner Form eingepreist sein. Aber am Ende bin ich mir nicht sicher, ob da nicht am Ende irgendetwas derzeit schiefläuft, auch bezüglich vielleicht, dass halt automatisiert Algorithmen derzeit in irgendeiner Form Dinge sehen, die wir nicht rational verstehen können oder ähnliches. Es wirkt einfach auf mich so, als werden die logischen Prinzipien, die dahinter stehen, derzeit ein bisschen außer Kraft gesetzt. Und du hast vollkommen recht, natürlich hängt das stark damit zusammen, dass halt jetzt die Wirtschaft künstlich durch stark, durch Gelddruck am Ende eigentlich so halt aufgepumpt wird. Aber auch das vergrößert am Ende ja auch die Blase und ich bin gespannt, wo das hinführt.

Daniel

Ja, ich meine, es gibt so ein paar Dinge, wenn ich mir die Amis immer anschaue, die mir einfach Sorgen machen. Jetzt sehe ich gerade hier eine schöne neue Schlagzeile. Ist Coronavirus, die USA stoppen, WHO-Beitragszahlung. Donald Trump hat einen vorläufigen Stopp der Beitragszahlung für die Welt. Er kritisiert die WHO scharf für ihr Vorgehen in der Corona-Krise. Trump macht die WHO für die vielen Toten durch die Pandemie mitverantwortlich. Ja, gut. Ja, wow. Sind wir jetzt in Jahr drei oder Jahr vier von Donald? Ich weiß es gar nicht. Es gibt Schlagzeilen, wo man sich nur denkt, meine Fresse.

Markus

Ich meine, wir haben ja eine sehr ähnliche Meinung zum Donald. Gleichzeitig finde ich, dass er in dem Punkt sogar auch gewisse valide Seiten hat. Also ich glaube tatsächlich, dass die WOHO am Ende, wenn man sich das anschaut, nicht gut aus der ganzen Corona-Krise rauskommen wird. Das kann man jetzt über vielen Menschen sagen, weil de facto, vielleicht machen wir dazu auch nochmal ein Deep Dive. Einfach rein logisch betrachtet. Wenn man sich anschaut, was in China passiert ist, warum haben wir uns in der Zeit nicht vorbereitet? Und das liegt einfach daran, also den Vorwurf können wir genauso auch uns machen. Also auch für uns, weil wir haben beide Twitter-Bubbles, wo das Thema schon lange sehr aktiv ist, und trotzdem haben wir jetzt eher wenig, also wir haben es zum Beispiel im Podcast erst im März oder so aufgegriffen. Also das ist, glaube ich, ein generelles, aber dass eine Weltgesundheitsorganisation es auch nicht schafft, so etwas zu erkennen, ist bedenklich. Und es ist halt auch die Nähe zu China, ist, glaube ich, auch ein Thema, was man sich anschauen muss. Also ich habe da ein Video gesehen bezüglich Taiwan und das hat wirklich crazy ausgeschaut. Da eine Journalistin hat ihn gefragt, ob die WHO, es war ein WHO-Vertreter und eine Journalistin hat gefragt, ob die Position, dass Taiwan kein Mitglied der WHO sein darf, ob das überdacht werden könnte. Ich höre die Frage nicht. Genau. Und da habe ich mir schon gedacht, boah, also das bei einer internationalen Organisation ist eigentlich ein Wahnsinn.

Daniel

Nein, vollkommen. Also ich glaube, die Vorgehensweise der WHO ist sicherlich nicht perfekt. Generell ist es aber für mich, du hast durchaus recht, dass man das auch differenziert sehen muss. Für mich ist natürlich aber nur Donald Trumps Vorgehen einfach so groß, grandios fragwürdig, dass jeder schuld hat, nur er nicht. Dass auch das wieder wie ein irrer Schritt auswirkt, über viel hinweg zu spielen. So ist es. Und keine Ownership zu haben. Und was mir ein bisschen, was mir einfach unfassbar Sorgen macht, in Amerika ist natürlich die unfassbare Anzahl von Schusswaffen, die die in den letzten Wochen gekauft haben, zusätzlich zu all den anderen, gepaart mit unfassbar hohen Arbeitslosenzahlen, mit einem nicht existenten Gesundheitssystem und erste Bundesstaaten, die sagen, ja, was der Donald will, das will ich nicht. Das ist, das ist so ein gefährliches Setting. Und das ist, ähm, ohne jetzt zu sehr die Panik verursachen zu wollen. Aber meine Güte, da sind schon so viele soziale Unruhen ohne all diese ganzen Themen. Wenn man das jetzt alles zusammenrührt, dann hat man ein sehr, sehr, sehr gefährliches Setting. Mit ganz oben jemandem, der einfach noch weiter die Angst und noch mehr die Unsicherheit und noch mehr die Trennung schürt. Ob die sich so schnell wieder erholen kann, weiß ich nicht, weil als Gesellschaft sind die Amis nicht sehr resilient, habe ich das Gefühl. Und von einer Kultur ist es natürlich auch so, dass ich das Gefühl, dass Asiaten eher ihrer Regierung glauben und auf Anordnung reagieren, wir Europäer auch durchaus. Und die Amis auch grundsätzlich eher mal nicht so. Puh. Es ist ein sehr trauriges, man darf gespannt sein, was da kommt. Ja.

Markus

Gefährlicher Cocktail.

Daniel

Ja, und der Punkt ist, der natürlich wird das dann auch irgendwann in den Börsen sich widerspiegeln. Ja, man muss sehen, was da passiert. Man muss sehen, was da passiert. Das hat keinen, man darf gespannt sein verdient. Ja. Let's see. Erfreulich ist natürlich für mich aus europäischer Sicht, dass wir mittlerweile in Österreich und einigen anderen Ländern in Europa einfach sehen, dass die Anzahl der Infizierten weniger wird. Und dass wir in Österreich tatsächlich mittlerweile auch tagtäglich mehr gesundete Menschen haben als Neuinfizierte. Das ist wirklich schön. Und das kriegen wir hin. Es ist aber interessant zu sehen, was das eben auch geopolitisch bedeutet. Wenn bestimmte Länder schnell wieder hochfahren können und andere nicht. Und ich glaube, es gibt ein paar, die es in ein paar Monaten überstanden haben und ein paar, die es viel länger haben werden. Let's see.

Markus

Das schafft auch eine gute Überleitung dann zu unserem Deep Dive, weil natürlich sind die, die das dann halt auch besser durchstehen und vielleicht in einer etwas stärkeren Position sind, dann auch wirtschaftlich so, dass sie das vielleicht ausnützen könnten, die Schwächen anderer Länder. Und da geht es sehr stark dann auch um das Thema Souveränität. Und das wollen wir ja heute besonders im technologischen Feld beleuchten.

Daniel

Genau, richtig. Wollen wir dann mal zum Deep Dive übergehen?

Deep Dive: Technologische Souveränität

Markus

Jawohl, machen wir das.

Daniel

Ja, und wie eben angekündigt, kommen wir zu unserem Deep Dive. Und der Deep Dive ist, ja, wir haben es eh schon so quasi, es war eigentlich schon eine sehr klare Vorlage, worum es geht. Wir wollen ein bisschen über technologische Souveränität sprechen. Wir wollen darüber sprechen, wie sich dieses Ganze auf Supply Chains auswirkt. Ja, und ein bisschen auch wieder die geopolitischen Implikationen von dem Ganzen. Erzähl mal, was sind da so unsere Gedanken? Was tut sich denn da?

Markus

Ja, viel. Ich meine, ich glaube, ich habe eh schon ein paar Mal erwähnt, unsere treuen Hörer werden sich erinnern, dass das ein Thema ist, was uns noch lange beschäftigen wird. War der von oberster Ebene auf der europäischen Seite mehrmals schon als großes Ziel ausgesprochen. Also sowohl von der Leyen als auch Macron haben das zu einem ganz zentralen Thema gemacht und gesagt, okay, Europa muss technologisch souveräner werden, weniger abhängig von externen Technologien und externen Investments. Wenn man sich halt anschaut, derzeit ist die Ausgangslage auf der Ebene halt relativ schlecht. Wir haben das eh auch schon mal beleuchtet. Es ist einfach, das Internet spielt sich in erster Linie in Amerika und in Asien ab. Also die großen Tech-Giganten sind alle dort, Europa spielt da fast keine Rolle. Wir sehen, ich glaube, von den hundert meistbesuchten Domains sind nur zwei in der EU registriert. Wir sehen, es ist einfach so, dass halt auch bei den Investments in europäische Start-ups die Anzahl an ausländischen Investments immer stärker auch steigt. Also das ist nichts, was sich bessert in den letzten Jahren. Und da war lange ganz stark einfach nur die USA und dann hat sich halt in den letzten Jahren bzw. schon bald Jahrzehnten China sehr stark auch eingebracht. Und dann kommt halt mal länger nichts. Und das ist prinzipiell eine Gefahr. Das braucht man auch jetzt nicht lange darüber diskutieren, weil dadurch sind wir halt komplett abhängig von anderen Ländern, von anderen Kontinenten, die teilweise dann halt auch eigentlich nur ihre eigenen Interessen verfolgen. Es ist besonders jetzt in Amerika halt sichtbar auf US-Ebene, dass da der Weg ist, dass man sich eher aus dieser Rolle da ein bisschen Weltpolizei und wir kümmern uns darum, dass halt unser Gesellschaftsmodell in möglichst vielen Ländern auch umgesetzt wird, dass das mehr und mehr in den Hintergrund gerät und die sich jetzt einfach halt nicht mehr drum scheren. Und ja, gleichzeitig kommt jetzt besonders durch die Krise es halt auch dazu, dass viele Companies verwundbar sind. Also da Oliver Ole hat ja zum Beispiel gesagt, in so einer Krise gibt es halt immer die Verlierer und die Gewinner und am Ende oft passiert es halt dann, dass die Gewinner die Verlierer kaufen und so halt auch Kontrolle über wieder bestimmte Bereiche gewinnen. Und was glaube ich jetzt halt ein großes Ziel auch europäischer Politiker ist, ist, dass man verhindert, dass jetzt angeschlagene europäische Unternehmen von chinesischen oder amerikanischen Companies aufgekauft werden und so das Know-how, so die Technologie wieder aus Europa abfließt. Deswegen gab es auch letzte Woche ein bisschen Wind um eine Initiative, die derzeit besprochen wird, also ein neues Außenwirtschaftsgesetz, wo es darum ginge, dass man für ausländische Investments in Schlüsselindustrien eine Genehmigung braucht. Also immer wenn man mehr als 10% des Unternehmens für ein gewisses ausländischen Investor hergibt und das betrifft in dem Sinne auch viele klassische Startup-Investments, dann braucht man eine Genehmigung. Und das, wie gesagt, ich glaube, der Grund dafür ist durchaus nachvollziehbar. Gleichzeitig betrifft das halt, so wie es derzeit geframt ist, fast sehr, sehr viele Startup-Projekte von DeepTech, alles in Richtung künstliche Intelligenz, Robotik etc. über Batterietechnologie, Smart Grid, über Fintech, über Drohnen, über autonomes Fahren, über Online-Handel mit Lebensmitteln etc. Also alles, was halt irgendwie Touchpoint mit Schlüsselindustrien hat, und das sind sehr viele Bereiche am Ende, wäre davon betroffen und das ist sicher aus einer Startup-Perspektive gefährlich, weil das vielen Startups halt auch mögliche Optionen nimmt, wie man wachsen kann. Weil derzeit gibt es einfach in Europa zu wenig Kapital, um wirklich wettbewerbsfähig zu sein. Das ist der Grund, warum viele auch ein internationales Investment suchen. Und so eine Berechtigung braucht dann halt wahrscheinlich auch ein, zwei Monate. Und das ist dann halt wieder ein Grund, warum so ein Deal nicht zustande kommen kann. Deswegen muss man da, glaube ich, sehr, sehr vorsichtig sein und sich überlegen, was sind, und wir sind noch in der Phase des Überlegens, was sind Wege, wie man dieses Problem angehen kann. Was sind Wege, wie man in Europa wettbewerbsfähig werden kann und halt auch wirklich in der Weltklasse mitspielt. Und wie kann man das umsetzen, sodass halt möglichst wenig Kollateralschaden dadurch entsteht.

Daniel

Boah, das ist immer wieder eine ganz einfache Thematik, die wir da gewählt haben, oder? Das macht es ja mal einfach. Und ich glaube, boah, da sind so viele Themen dabei. Ich meine, zunächst einmal finde ich ja das Spannende, wenn wir uns das Thema ansehen, dass eigentlich Woche für Woche sich generell die Spielregeln verändern. Und ich finde diesen Satz so interessant, den du ganz am Anfang gesagt hast. Das Internet ist eigentlich nicht Europa, richtig? Das ist ein Thema. Zeitgleich ist es eigentlich so, dass wir möglicherweise beobachten können, dass wir in Europa vielleicht schneller aus dieser ganzen Krise hervorgehen können, als möglicherweise die Amerikaner.

Markus

Aber wahrscheinlich doch langsamer als die Chinesen.

Daniel

Richtig. Und auch das ist ganz, ganz, ganz wichtig, wenn man es ganz langsam und simpel aufdröselt. Wir werden langsamer als die Chinesen sein und schneller als die Amerikaner. Gut, was heißt das? Das heißt natürlich ganz einfach, chinesische Investments werden natürlich ganz gerne und ganz glücklich nach Europa kommen. Und dass man sagt, da muss man natürlich ein bisschen sagen, Moment, stopp, wollen wir nicht. Dann nur zu einem bestimmten Rahmen, das finde ich gut und nachvollziehbar. Zeitgleich, wenn das Ergebnis allerdings, und das ist immer das Thema, wenn das Ergebnis ist, dass es aber auch die trifft, die schnell Geld brauchen und die schnell reagieren müssen, damit es ein bisschen schwieriger. Und da muss man natürlich überlegen, was kann man denn komplett neu denken? Und wie können solche Sachen denn komplett neu vergeben werden, wie können solche Prozesse komplett neu gehandhabt werden? Und das ist, glaube ich, so ein bisschen so das Thema. Intention gut. Ausführung mit alten Tools und alten Mitteln und mit einer alten Denkweise. Da müsste man eigentlich ganz hart sagen, okay, sämtliche Prozesse müssen innerhalb von Hausnummer einer Woche passieren. Wenn überhaupt. Und vor allen Dingen, wer sind denn die, die die Entscheidung treffen?

Markus

Ich weiß auch gar nicht, ob das jetzt schon feststellen würde. Ich schätze, würde es dann halt eine Behörde geben, vielleicht eine bestehende Behörde, die in einem ähnlichen Bereich schon aktiv ist. Ich glaube halt auch, oft ist die Thematik so komplex, dass eine Woche vielleicht einfach sehr schwierig möglich ist. Weil vielleicht kann man es ja zum Beispiel umdrehen und sagen, okay, es gibt keine Vorabprüfung, aber es gibt eine Anmeldepflicht und eine Brückabwicklungsmöglichkeit, wenn halt ganz klar argumentiert werden kann, warum das ein zentrales staatliches Interesse betrifft. Es ist natürlich dann eine Unsicherheit, die wiederum negativ ist und vielleicht dazu führt, dass das auch wieder nicht stattfindet. Aber jetzt einfach einmal frei gedacht, das ist diese Komplexität, die dieses Thema hat, ist natürlich eine mega Herausforderung.

Daniel

Ja, ich meine, das ist schon extrem spannend, weil ich meine, ganz ehrlich, ganz klar, ich meine, um es nochmal zu sagen, für die, die vielleicht zum ersten Mal zuhören, ich habe ja per se, es ist mir egal, wo Leute herkommen, ist mir völlig egal, mir geht es aber um Kultur und mir geht es ein bisschen auch um Business-Ethik und so weiter, die man ein bisschen vermeiden muss. Und da ist für mich ganz klar der chinesische Zugang nicht ganz so wünschenswert wie andere. Und da ist für mich immer das oberste Gut, eben den europäischen Sozialstaat Gedanken zu fördern und auch nachhaltig schaffbar und machbar zu gestalten. So Punkt. Das ist die Intention. Zeitgleich ist es natürlich so, wenn ein Land, wie zum Beispiel Österreich, sagen würde, wir das nehmen wir nicht, andere schon, dann ist es ein extremer Ökosystemnachteil. Das ist auch klar. Wir kennen das alte Prinzip, wo früher Investoren gesagt haben, GmbH kenne ich nicht, investiere ich nicht. Man darf das natürlich auch nicht machen. Und da bedarf es dann einfach ganz unkomplizierter Lösungsansätze, die vielleicht nicht perfekt sind, allerdings funktionieren. Denn eins ist klar, wenn wir sagen, wir haben die Opportunity, vielleicht jetzt Unternehmungen zu bauen, die ein bisschen größer gedacht sind, weil natürlich viel in Amerika nicht so schnell wieder laufen wird, dann brauchen wir natürlich auch das Kapital. Und das eine geht mit dem anderen nicht. Geht ohne das andere nicht. Das heißt, dann wäre eigentlich eine sehr, sehr simple Rechnung, die wir dort schon aufstellen können. Wenn wir das eine verhindern aufgrund von Schutzmaßnahmen, dann brauchen wir es ohnehin nicht, weil wir nicht wettbewerbsfähig sein werden. Zeitgleich aber, wenn wir uns von innen aushöhlen lassen und Unternehmungen bauen, die nicht unserem Zeitgeist entsprechen, nicht unseren Werten, dann brauchen wir es auch nicht tun.

Markus

Ich glaube, das ist ein sehr wichtiger Punkt. Weil das Problem ist halt auch derzeit, wir sind derzeit nicht wettbewerbsfähig. Der Grund, warum wir so abhängig sind, auch von internationalen Technologien und Investments, ist, dass wir halt den Zug, und das muss man ganz ehrlich sagen, in den letzten Jahrzehnten etwas verschlafen haben. Und das Problem ist, wenn wir uns jetzt abschoten und wenn wir jetzt in Richtung Protektionismus wandern, und das kann man ja durchaus argumentieren, dass das andere auch tun. Das macht der Amerika genauso, das macht die China genauso. Aber trotzdem, die sind halt auf einem deutlich weiteren Niveau schon. Und ich glaube, wir sind derzeit nicht fähig, wenn wir uns abschoten, dass wir in diesem Setting genauso schnell und genauso erfolgreich. Uns weiterentwickeln wie die anderen. Es ist halt, glaube ich, wirklich das Risiko. Wir müssen zuerst einmal schaffen, dass wir hier technologisch wettbewerbsfähig werden. Also einerseits sage ich jetzt mal, wenn es tatsächlich um die Investments geht, muss man halt ganz klare Incentive setzen, dass europäisches Wagniskapital massiv verstärkt wird, dass wir halt einfach hier ähnlich schnell wachsen können, wie das halt in Amerika oder in China passiert, dass wir hier halt auch wirklich globale Champions schaffen. Und ich glaube, man muss sich auch überlegen, was gibt es für Exit-Möglichkeiten für die Startups, die halt dann diesen klassischen Startup-Weg wählen und eher auf VC-Modelle etc. Dass man halt auf der Ebene auch schaut, dass nicht immer nur dann amerikanische Companies oder ähnliches diese Unternehmen kaufen, sondern dass das halt auch erst recht wieder in Europa und vielleicht auch mal in Österreich passiert. Das sind halt auch die klassischen österreichischen Exits waren auch alles internationale Verkäufe. Ich glaube, gleichzeitig muss man sich halt überlegen, was upseits dieses classical VCs-Modells. Wie schaut realistischerweise ein Familienunternehmen des 21. Jahrhunderts aus? Das war die Stärke unseres Wirtschaftssystems für lange Zeit, and die sind aber schon sehr stark auch unter Druck geraten durch. Wie kann man die fördern? Wie kann man sagen, okay, das ist wieder ein Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Da halt sollten das trotzdem Hidden Champions sein, oder vielleicht auch nicht Hidden, aber Champions. Und mit der Ambition, halt auch wirklich in ihrem technologischen Bereich wirklich Weltklasse zu sein. Und das wird nur funktionieren, wenn man, und das ist eh, und das predigen wir ja schon seit Langem, es muss viel mehr Unternehmerkultur sein. Es muss viel mehr die Leute wollen, hier etwas bewegen, Leute wollen am Zahn der Zeit sein, Leute wollen Innovationen schaffen und das selbst anpacken. Und wahrscheinlich halt auch die besten Köpfe mit viel Geld quasi nach Europa holen, locken und schauen, dass man sich halt wirklich hier klar identifiziert, wer sind die Top-Forscher, wer sind die Top-Entrepreneure, wer sind die Besten und sagen, hey, wir wollen, dass ihr eure Sache in Europa macht. Und ich glaube, dieser Wettbewerb um die klügsten Köpfe, den sehen wir derzeit noch viel zu wenig. Und dieser Aspekt auch von Standardmarketing, der geht unter. Und ich glaube, nur dann, wenn wir da mitspielen, wenn wir da Gas geben, dann können wir darüber reden, wie können wir auch unsere Wirtschaft schützen vor einer gewissen Abhängigkeit, wobei dieses Problem auch automatisch viel kleiner wird, wenn das passiert. Also das ist halt, da ist Amerika in einer viel stärkeren Position, weil sie sagen können, ja, okay, wir haben schon Google und Android und deswegen können wir uns überlegen, ob wir Huawei halt in irgendeiner Form insofern schmälern, dass die halt am amerikanischen Markt jetzt nicht Dinge aufkaufen können. Das geht aber nur, wenn man selbst stark ist.

Daniel

Das Interessante ist ja, wenn man sich das so anhört, dann klingt das ja ziemlich erfordernd. Das Lustige ist, aber das macht es auch ziemlich einfach. Weil für mich ist, glaube ich, die wichtigste Erkenntnis, wer auch immer sich dieses Themas annimmt, zu verstehen, es geht nicht darum, aus einer Perspektive dieses Thema zu beleuchten, um zum Beispiel aus Investorensicht etwas zu schaffen oder aus protektionistischer Sicht etwas zu schaffen oder aus österreichischer Sicht etwas zu schaffen, sondern dass es ein Thema ist, das sehr, sehr, sehr viele Faktoren hat, mit einer Kernaufgabe. Und das ist, glaube ich, das ganz, ganz, ganz Wichtige, wer auch immer hier die Rahmenbedingungen schafft, zu verstehen, dass es ein Rahmen bedarf, der ein Ökosystem handlungsfähig lässt. Und nicht eben nur darum geht, zum Beispiel darauf aufzupassen, dass nur so und so viel Prozent in einem Unternehmen gekauft werden können oder wie auch immer, sondern die Implikationen sind wichtig. Und das ist eigentlich relativ einfach, wenn man diese Rahmen beobachtet. Es gibt ein Zitat, das klingt jetzt ein bisschen weit hergeholt, aber daran musste ich gerade denken, als ich dir zugehört habe. Das Zitat ist, ich glaube, von 1950 oder 51 von einem General namens Chestipulla. Und der ist der Stoff der Legenden. Und es gab den Ort, das hieß das Chosen Reservoir, wo ich glaube, Marines eingeschlossen waren. Und er hat gesagt, Alright, the on our left, the on our right, they're in front of us, they're behind us, they can't get away this time. Und mir gefällt dieses Zitat aus dem Grund sehr, sehr, sehr gut, weil klar kann man sagen, Holy shit, das ist richtig, richtig kompliziert, oh Gott, oh Gott, was tun wir? Oder einfach sagen, wow, es gibt so viele Faktoren, wir müssen tun. Weil wenn wir nicht tun, haben wir ein richtiges Problem. Und das Gute ist, sobald man das einfach akzeptiert und sagt, okay, wir müssen handlungsfähig sein, denn wenn nicht, dann können wir sowieso nicht mehr mitmachen. Wir müssen akzeptieren, dass wir trotzdem ausländisches Geld brauchen und Kapital brauchen, denn wir müssen verstehen, die erholen sich schneller und die erholen sich schneller und blablabla. Wer es schafft, eine holistische Lösung zu fahren, die einfach funktioniert, easy. Wer allerdings nur aus einer Seite ein hochgradig komplexes etwas bastelt, der haben wir gleich verloren. Und das macht es ganz einfach, finde ich.

Markus

Und ich glaube, was wir halt schon auch in Corona gesehen haben, ist, dass, und vielleicht braucht es da auch ein bisschen mehr Awareness auf der Seite von Forschern und Gründern, natürlich auch die Entscheidung der handelnden Akteure, ob sie so ein Investment dann überhaupt annehmen oder nicht. Es gab ja jetzt diese Geschichte mit der Impfung oder der Impffforschung oder ähnliches, wo dann halt die Amerikaner probiert haben, diesen europäischen Forschungskonsortium abzuziehen und die für Amerika arbeiten zu lassen. Und da haben dann Gott sei Dank halt auch die handelnden Akteure gesagt, nein, das wollen wir nicht, wir wollen das für alle machen. Also ich glaube, da braucht es auch eine Verantwortung auf der individuellen Seite und da braucht es Awareness. Und natürlich dann in irgendeiner Form auch vielleicht eine Handhabe, die aber möglichst halt wenig Kollateralschaden auslöst, um das in irgendeiner Form auch zu verhindern, dass hier halt die einzelnen staatlichen Interessen ausgehöhlt werden und dann so im Vordergrund stehen, dass dann durchaus ungute und sicher auch für gewisse Länder wirklich problematische Thematiken entstehen. Man hat ja auch gesehen, dieses ganze Thema mit Masken und Medikamenten, wo es dann einen riesen Wettbewerb drum gibt. Ich glaube schon auch, dass insofern ein Welthandel und ein offener Zugang wichtig ist, weil das auch ein bisschen ein Friedensgarant ist. Wenn wir jetzt wirklich in eine Zeit zurückgehen, wo jeder halt in seinem eigenen Süppchen nur ist und nicht mehr in irgendeiner Form diese klare, starke Verbindung und auch gegenseitige Vernetzung da ist, dann macht es das halt viel wahrscheinlicher, dass wir irgendwann wieder in viel größere Konflikte ausarten, die irgendwann potenziell auch militärisch werden können. Also ich glaube, dass der Welthandel auch ein echter Friedensgarant ist.

Daniel

Weißt du was, das macht meine Rechnung, die ich vorhin aufgestellt habe, ja noch einfacher. Das heißt, man sagt, okay, schau, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann können wir auch einen Weltfrieden garantieren. Also es geht ja nur um Weltfrieden. Und das ist ein ganz einfacher Purpose. Nein, es klingt jetzt total dämlich, aber das Lustige ist, wenn man da so zuhört, dann könnte man denken, es geht darum, einfach noch ein weiteres Gesetz, das ein paar VCs oder wen auch immer betrifft, darüber diskutiert. Aber in Wahrheit, wenn man, wenn man das mal acht Schritte nach hinten denkt, dann geht es eigentlich darum, einen klaren Purpose zu schaffen. Wo wollen wir denn hin? Wer ist denn wir? Und wen betrifft das? Und dann haben wir wieder das alte Thema, dass uns eigentlich, du hast es so schön gesagt, ein klares Standortmarketing fehlt, aber Standortmarketing macht nur Sinn, wenn man eigentlich einen klaren Purpose hat und eigentlich eine Fantasie, wo die Sachen hingehen kann. Und dann eine Roadmap und dann natürlich auch einfach Menschen die Werkzeuge zur Seite stellt, die man braucht, um es zu erreichen und ein bisschen auch den Rahmen. Und wer auch immer diese Kleinigkeiten jetzt zu bedenken hat, muss verstehen, es ist Teil eines viel, viel, viel, viel, viel größeren Pictures. Und die Antwort darf eben nicht sein, sich sinnlos abzuschotten, sondern eben zu verstehen, was muss man machen, wettbewerbsfähig zu bleiben in unserem Stil und unserem Rahmen. Und dann ist das denkbar einfach. Ja. Nein, aber du weißt genau, glaube ich, was ich damit meine. Sondern einfach, es geht nicht darum, jetzt sich von der Komplexität erschlagen zu lassen, sondern es ist ein ganz einfaches, wir kriegen das hin und alles wird gut oder wir kriegen das nicht hin und es wird richtig nicht gut. Das macht es entwaffnet einfach. Und deswegen ist auch so klar, warum es ein ganz, ganz, ganz, ganz, ganz wichtiges Thema ist, das nicht von irgendjemandem ganz hinten links oder hinten rechts bearbeitet werden muss, sondern das muss absolute Chefsache sein. Und alles andere ist ja fragwürdig.

Markus

Nein, das glaube ich, ist auch das Verständnis, glaube ich, ist ganz oben angekommen. Dass das ein Thema ist, was uns sehr stark beschäftigen wird, dass ein Eckpfeiler da auch von Europa ist, ist, glaube ich, da. Das ist Chefsache. Das ist jetzt halt nur wirklich und das, glaube ich, wird uns einige Monate wahrscheinlich auch jetzt durchaus begleiten. Die Frage, wie geht man das an? Und wie schafft man es, dass Europa technologisch souverän wird? Welche Werkzeuge verwendet man hier und wie kann man die so einsetzen, dass möglichst hohe Erfolgschancen bestehen.

Daniel

Das heißt, eigentlich sind wir wieder bei unserem alten Thema. Wir müssen Europa besser erklären. Und das ist Europas großer Moment. Und dass wir es nur gemeinsam als Europa lösen können. Das ist doch eigentlich richtig schön, dass wir jetzt so mit dem Rücken an der Wand stehen, dass wir jetzt machen müssen. Weil das Schöne ist ja, unter Druck entstehen Diamanten. Jetzt haben wir es. Und jetzt haben wir eigentlich auch den Moment, wo wir ein bisschen auch für unsere Kinder und die Kinder unserer Kinder ein bisschen in den Rahmen setzen. Und der kann sehr schön sein und sehr nicht so schön.

Markus

Ja, wir hoffen auf einen schönen Diamanten.

Daniel

Deswegen sind wir ja da und reden drüber. Weil wenn nicht, dann werden uns diese Worte in 47 Jahren einholen, wenn unsere Enkel studieren wollen. Die sagen du. Weißt du schon, deine Großväter haben da mal was komisches gesagt. Also nicht Großväter, wir beide so in einer Kuschelbeziehung, sondern jeweils. Ich meine, finde ich auch cool, aber. Ich bin ja dann doch glücklich verheiratet. Humor darf ja auch nicht zu kurz kommen. Aber du weißt, was ich meine. Es ist, wie es ist. Das ist schon gut, wenn wir auch weiterhin sagen können, was wir denken.

Markus

Ja, das ist so hoffe ich doch, dass uns das erhalten bleibt. Und wir trotzdem noch nicht hinterm Mond leben. Also ich glaube, diese Brücke müssen wir schaffen, aber ich bin guter Dinge.

Daniel

Schön in dem Sinne. Und wieder ein schöner Deep Dive. So, und weiter geht's munter in unserer dieswöchigen Podcast-Tombola. Bitte frag mich nicht, wie ich da drauf gekommen bin, das passiert manchmal. Mein Gehirn ist ein lustiger Ort. Und wir wollen diesmal wieder einmal über den Rockstar der Woche sprechen. Und es gibt in den letzten Tagen und Wochen individuelle Personen, High-Net-Individuals, die ziemlich viel Geld gespendet haben. Da gibt es zum Beispiel Mark Zuckerberg, der rund 25 Millionen, das ist, muss man mal sagen, 25 Millionen gespendet hat für Covid-19-Forschung, was im Übrigen 0,04% seines Networth ist. Michael Bloomberg mit 40 Millionen, Jeff Bezos 100 Millionen, Bill Gates auch 100 Millionen, was genau 0,1% seines Networth ist. Aber es gibt da eine Person, ich möchte nicht falsch verstehen, das ist alles richtig gut und richtig cool, aber es gibt da eine Person, die alle anderen in den Schatten stellt mit seiner persönlichen Donation. Wer ist das?

Markus

Ob das jetzt alle sind, ist natürlich die Frage, aber ich glaube, einer ist schon in der letzten Woche besonders ausgestochen und zwar das der Jack Dorsey, den wir ja schon kennen, weil wir über die Zukunft von Twitter gesprochen haben. Das ist der CEO von Twitter derzeit. Und der hat eine Milliarde, also eine Non-Profit-Organisation aufgestellt, die er mit einer Milliarde ausgestattet hat, um eben in erster Linie mal Covid-19 in irgendeiner Form Projekten zu unterstützen, die das möglichst hier Probleme lösen. Und diese eine Milliarde ist 28% von seinem Network. Also ziemlich gewaltig. Wenn man sich anschaut, bei Mark Zuckerberg oder Jeff Bezos ist das halt wahrscheinlich so, wenn die 0,04 Net Worths hergeben, dann ist das so, als würde man vielleicht einer von uns 100 Euro irgendwo spenden. Aber 28%, mehr als ein Viertel von dem, was man am Sparbuch oder in sonstigen Assets rumliegen hat, ist ziemlich gewaltig.

Daniel

Das ist schon richtig fett. Richtig, richtig, richtig krass.

Markus

Spürt er, glaube ich, auch, und das ist ein ziemliches Statement. Man muss dazu sagen, natürlich muss er damit halt auch erst einmal das Gescheit aufsetzen und dann halt auch wirklich seine Versprechen wahr machen. Also auch sowas darf man nicht unterschätzen. Oftmals gibt es da ja auch durchaus Versprechen, die nicht eingehalten werden. Aber wenn er da ein Follow-up hat und auch wirklich transparent ist, was mit dem Geld passiert, dann ist das schon eine sehr respektable und wirklich bemerkenswerte Aktion.

Daniel

Ganz klarer Rockstar der Woche. Mehr als verdient. Und ich glaube, das Wichtige ist nicht nur die absolute Zahl, sondern die relative Zahl zu seinem zu seinem Vermögen. Das ist schon richtig, richtig, richtig beeindruckend. 28% vom Net Worth herzugeben für so einen Kurs. Toll. Ganz, ganz, ganz feiner Rockstar der Woche. Jack Dochsi. Und weiter geht's mit unseren Moonshots und Predictions dieser Woche. Auf los geht's los, Markus. Was hast du denn diese Woche im Angebot?

Markus

Also ich habe eine Prediction diese Woche. Ich glaube nämlich, dass wir jetzt dann auf die Krise zurückblicken in ein paar Jahren, dass wir auf diese Monate jetzt blicken werden, also April und Mai, und sagen, da haben sich jetzt die Gewinner und die Verlierer dieser Krise herauskristallisiert. Und zwar wird das ganz stark, glaube ich, dann davon abhängig gemacht oder auch ganz stark drauf aufgehängt, wer jetzt, weil die vergangenen Wochen, das war ganz klar, jeder hat einmal überlegt, also jedes Unternehmen hat sich einmal überlegt, wie können wir überleben, was bedeutet diese Krise von uns, wie können wir möglichst resilient werden, wie können wir unsere Ressourcen in irgendeiner Form so gestalten, dass wir jetzt auch, wenn es zu einem echten Downturn kommt, dass wir da möglichst gut vorbereitet sind. Und ich glaube, dieser Survival-Mode, der ist notwendig. Gleichzeitig glaube ich, ist jetzt aber auch die Zeit, dass man aufhört, sich zu fragen, how do we get through this? Und die Frage ein bisschen reframed in die Richtung, how do we change to adapt the new world? Also sich zu überlegen, wie kann ich das jetzt nutzen? Wie analysieren, was ändert sich für mich und was muss ich tun, was muss ich ändern, um mit dieser neuen Welt auch umgehen zu können. Wie muss ich mein Unternehmen auch ändern? Und ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man in diesen Re-Invention-Mode kommt und jetzt einfach ganz klar sagt, selbst wenn diese Krise nur ein paar Monate dauert, was ein schöner Case wäre, was sind Veränderungen, die bleiben werden und was bedeutet das für mich und was für Chancen ergeben sich dadurch? Und ich glaube, die, die das erkennen und in diesen Re-Invention-Mode kommen, das werden die sein, die am Ende auch als Gewinner aus der Krise rausgehen, die jetzt ganz klar relevant sind und gleichzeitig aber auch resilient. Und diese Kombination wird entscheidend sein.

Daniel

Sehr schön. Das gefällt mir gut. Jetzt komme ich zu meinem Moonshot. Und innerlich lache ich, ja, ein bisschen. Ich werde gleich erklären, warum. Aber zuerst mein Moonshot. Cetarum censeo Carthaginem esse de Länder. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss. Zwei Dinge. Das hat Kato der Ältere gesagt. Erstens, dass ich mal Latein zitiere, ist lustig, weil ich der schlimmste Lateinschüler aller Zeiten war. Ich habe mir fast nichts gemerkt, aber ich habe mir gemerkt, dass Karthago zerstört werden muss. Dieser Ausspruch ist relativ interessant. Das war ein römischer Senator. Und dieser römische Senator hat jede seiner Reden, egal worüber er gesprochen hat, damit beendet, dass er gesagt hat: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss. Jede einzelne Rede. Und irgendwann, nach Jahren und Jahren und Jahren hat 150 vor Christus der Senat gesagt, okay, gut, machen wir die kaputt. Ende, halt den Mund. Und haben das gemacht. Beharrlichkeit ist alles. Und deswegen ist man Moonshott wieder und wieder und wieder, dass das der große Moment von Europa sein muss, wettbewerbsfähig zu sein. Sein muss, sich resilient aufzustellen und sein muss, die Weichen zu stellen, dass wir einfach auch für unsere Kinder und deren Kinder diesen wunderbaren Sozialstaat, den wir nun mal haben, diese offene Welt beibehalten können. Wenn wir den jetzigen Moment, wo die Karten neu gemischt werden und wie du so schön gesagt hast, wo die Gewinner und die Verlierer bereitgestellt werden, dargestellt werden, nicht nutzen, dann tut's mir leid. Und deswegen werde ich nicht müde, das immer und immer wieder zu erwähnen. Ceterum Censeo, Kathaginem, Este de Länder. Und mein Latein ist so wahnsinnig schlecht, dass ich nicht einmal wüsste, wie das auf Latein heißt. Das heißt, wenn jetzt noch jemand zuhört und das übersetzen kann, immer her damit. Ansonsten macht noch irgendjemand wirklich Karthago kaputt, was echt schade wäre. Ist aber schon passiert. In dem Sinne, ganz klare Ansagen von uns. In dem Sinne auch. Es sind spannende Zeiten, es sind fordernde Zeiten. Es sind Zeiten, die vorbeigehen werden und es sind Zeiten, wo man entweder schwach, müde, blass und mit einer riesigen Wampe raus hervorgeht. Oder fit, positiv und einer ganz klaren Action, die man treffen möchte. Wir sind Zweiteres. Und in dem Sinne.

Markus

Habe ich noch einen Call kurz ein zu wollen, die machen wir. Ja, ja, klar. Wenn man eben einer von diesen Menschen sein würde, die anpacken wollen, dann gibt es wieder eine Möglichkeit nach unserem Hector-Crisis. Gibt es nämlich jetzt eine europäische Variante, wo wir auch involviert sind. Das nennt sich EU vs. Virus. Und wird am 24., 25. und 26. April stattfinden, also das Wochenende in einer Woche, wenn man den Podcast pünktlich hört. Und da kann man sich jetzt noch diese Woche, also bis Sonntag, anmelden dafür. Und das sollte eine echt paneuropäische Geschichte werden. Wird von der EU-Kommission organisiert und hat das Ziel, da mehrere 10.000 Menschen zusammenzubringen, die tatsächlich ganz konkrete Challenges auf einer europäischen Ebene lösen. Und das passt dir auch ganz gut zu deiner Moonshot. Vielleicht kann das auch ein bisschen ein Sprungbrett sein, um hier ein bisschen Veränderung anzustoßen.

Daniel

Man darf drauf gespannt sein. Wir sind beide natürlich auch ein bisschen daran interessiert, könnte man schon so sagen.

Markus

Und involviert.

Daniel

Durchaus möglich. In dem Sinne, wascht euch die Hände, haltet Abstand, habt euch alle lieb. Liken, teilen, Sternchen geben. Wir freuen uns auf nächste Woche. Stay safe.