Future Weekly

#4 - Regierungsprogramm 2020, die Zukunft von Facebook und digitale Authentizität

Daniel Cronin & Markus Raunig von Austrian Startups Episode 4

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

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Markus Raunig und Daniel Cronin diskutieren diese Woche über die Chancen und Tücken des türkis-grünen Regierungsprogramm, Shopping abseits des Internets, Authentizität und Konformismus im digitalen Zeitalter und die Zukunft von Facebook. 


Production: Hanna Moser

Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com

Daniel

Starten wir mit unserem Morning Moonshot, dem Startup-Podcast, dem ersten für 2020. Guten Morgen, Markus. Guten Morgen, Daniel. Das klingt wunderbar. Und natürlich euch allen dort draußen auch ein wunderschönes 2020. Das Jahr beginnt mit großartigen Vorsätzen. Haben wir eigentlich mittlerweile ein Intro?

Markus

Nein, wir haben noch kein Intro. Wir arbeiten noch dran. Ja, und wir warten immer noch auf Empfehlungen von da draußen, ob es talentierte Soundtechniker gibt, die uns einen Schingeln machen wollen.

Daniel

Richtig, andererseits ist es natürlich vielleicht auch eine Tradition, genauso zu eröffnen und immer dann noch zu fragen, haben wir es schon? Nein, wir haben es nicht. Das ist auch ein guter Icebreaker. Ja, ist viel passiert. Vielleicht mal so die wichtigste Frage, wie war der Weihnachtsmann? Sehr brav.

Markus

Er ist angeflogen gekommen und hat besonders meinen Geschwistern viele Geschenke gebracht. Hattest du damit was zu tun? Durchaus auch, ja. Okay, okay. Hast du den Weihnachtsmann beraten? Ich war eine sehr gute Beziehung zum Weihnachtsmann, ja. Wirklich.

Daniel

Bei uns heißt es eigentlich Christkind. Ich weiß, ich auto mich da immer wieder als Migrant. Ja. Da kommt der Irre durch. Ja, der kommt immer da durch. Ich habe übrigens ein ganz, ganz, ganz wundervolles Geschenk von meiner Frau bekommen, die mich mit großartigem Whisky gesegnet hat. Das macht mich ja wirklich glücklich. Die hat sich dort selbst übertroffen. Wirklich beeindruckend, also von schottischen Whisky über japanischen Whisky. Ich bin noch immer zutiefst gerührt. Wirklich, wirklich, wirklich beeindruckend. Man sagt ja viel zu selten Danke, also danke für großartigen Whisky. Ansonsten, was ist noch passiert? Wir haben eine neue Bundesregierung. Ja. Ja, tatsächlich. Man kann es kaum glauben. Und ich möchte mal mit etwas beginnen und etwas vorlesen. Die Bundesregierung bekennt sich zu dem Ziel, Österreich zu einer der führenden digitalen Nationen innerhalb der Europäischen Union zu machen. Na boom. Boom, oder?

Markus

Das liest man denkt sich, ist geil, finde ich gut. Also ich denke mir, wir sind meilenweit davon entfernt und es ist sehr ambitioniert, aber es ist ja gut, man muss Visionen haben.

Daniel

Ich finde, du hast recht und ich meine Visionen, da gibt es ja auch österreichische Sportler, die darauf Bezug nehmen, machen wir an der Stelle nicht, aber eine der führenden Digitalnationen innerhalb der Europäischen Union zu werden. Wo sind wir jetzt?

Markus

Es gibt kein Ranking, das hier alles erklärt, aber wir sind meines Erachtens nicht in den Top Ten.

Daniel

Nicht in den Top Ten. Das heißt natürlich, wenn man nicht in den Top Ten ist, was du da sehr vorsichtig so sagst, noch sind wir, sind wir noch 28, ja? Wir sind noch 28, oder? Derzeit schon noch. Ja, wer weiß, was da noch so alles kommt, aber noch, noch, also nicht Top 10 von den 28, wenn man führen werden muss, muss man natürlich Dinge schneller, wilder und mutiger als alle anderen machen, um aufzuholen. Jetzt hat die neue Regierung das Regierungsprogramm veröffentlicht und dort drin haben wir gesehen, dass 19 von unseren 37 Empfehlungen der Austrian Startup-Agenda drin sind. Das ist schon mal ganz gut, oder?

Markus

Das ist wirklich bemerkenswert. Also es ist das bisher beste Regierungsprogramm aus Austrian-Startups-Sicht, zumindest seitdem ich dabei bin und ich glaube auch davor, seit es Austrian Startups gibt. Also mehr als die Hälfte unserer Empfehlungen haben sie ins Programm geschafft. Das ist echt cool. Und da sind auch wichtige Punkte dabei. Also sowohl wenn es um so etwas wie eine Modernisierung der Rot-Weiß-Rotkarte gibt, die wir schon sehr lange, sehr laut auch fordern und auch nicht alleine sind, was es darum geht, dass man die besten Mitarbeiter schnell und einfach nach Österreich holen kann. Was derzeit in Berlin fünf Tage dauert, um da eine Arbeitsgenehmigung zu bekommen. In Frankreich gibt es überhaupt Kontingente und in Österreich, das irgendwo zwischen drei und neun Monaten im Durchschnitt. Und das geht einfach nicht.

Daniel

Was in Startup-Terms natürlich ungefähr ein halbes Leben ist.

Markus

So ist es, da ist das Produkt schon viermal auf den Kopf gestellt worden. Und der initiale Grund, warum man jemanden anstellen wollte, den gibt es wahrscheinlich schon immer.

Daniel

Das Lustige ist, wenn man bei Startup-Veranstaltungen ist, mit erfahreneren Gründern und Gründerinnen und nichts zu reden hat. Normal hat man ja viel zu reden, kann man immer die Rot-Weiß-Rot-Karte ansprechen und sagen, und wie läuft es mit dir? Schon ausprobiert. Und dann geht es ab. Da gibt es immer viel zu reden. Wir sind jetzt eigentlich schon in Medias Race gesprungen und eigentlich wollten wir mit einem guten Vorsatz starten. Und das erste ist ja natürlich Nummer eins, wenn du da draußen zuhörst und du uns gut findest, dann tu uns einen riesigen Gefallen, denn du musst uns unbedingt abonnieren und ganz viel Sternchen geben, egal wo, egal wann. Das ist ganz wichtig, das ist unser Lebenselektsi, das ist unsere Luft zum Atmen, da lacht er. Ja, oder? Oder wir vergessen uns da teilweise echt zu vermarkten. Vielleicht auch noch einen kurzen Disclaimer, auch an der Stelle, wir sprechen natürlich nicht aus Austrian Startups Perspektive. Wir sprechen aus unserer ganz eigenen Perspektive. Das ist meine Meinung, ich, Daniel und du, Markus. Das heißt, natürlich sind viele, viele unserer Meinungen, die wir hier kundtun, in line mit dem, wofür Austrian Startups steht, aber nicht immer, sondern das sind nur wir zwei, die uns austauschen und über das reden, was uns so durch den Sinn kommt. Heißt natürlich auch, wir wollen unglaublich gerne von euch da draußen hören, was ihr über gewisse Dinge denkt. Wir sind ja auch gerade modern. Ich habe gerade eben auf Instagram ein Bild von uns gepostet, was wir bis jetzt auch noch nicht gemacht haben. Und auch gerade weil wir ja extrem innovativ sind, auch auf Instagram die Möglichkeit hinterlassen, Fragen zu stellen. Schauen wir mal, was da so kommt. Sollten wir auch öfter tun. Jetzt können wir wieder zurück ans Regierungsprogramm springen, aber wir sind da ja sehr dynamisch.

Markus

Kurzer Schwung in Startup Marketing.

Daniel

Ja, das muss so sein. 19 von 37 Punkten, du warst gerade dabei.

Markus

Gut, Rot-Wiss-Rot gerade ein wichtiger Punkt. Genauso freuen wir uns auch, dass unsere Vorschläge im Bereich Entrepreneurial Education übernommen worden sind. Wir sind überzeugt, wenn wir uns auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vorbereiten wollen. Dann müssen Kinder in Österreich daran glauben, dass sie Probleme selbstständig lösen können und auch die Tools mitbekommen, um das erfolgreich zu tun. Und das passiert derzeit nicht. Und da werden wir selbst auch was starten, was derzeit noch nicht publik ist, aber bald wird. Und das ist sehr gut, dass da quasi auch von der öffentlichen Seite ein Commitment ist, dass etwas passiert. Genauso steht da auch tatsächlich drin, es soll eine neue digitale Rechtsform für Start-ups und Wachstumsunternehmen geben sollen. Was ich auch für einen sehr wichtigen Schritt bin. Warum ist das gut? Naja, derzeit gibt es ja, die meisten Startups werden gegründet in einer GmbH und die hat im internationalen Wettbewerb leider einige Nachteile. Es ist erstens langsam. Das heißt, es ist sehr schwierig, zum Beispiel Gesellschafter zu ändern. Man braucht da immer einen Notariatsakt, besonders wenn man internationale Investoren hat, dann müssen die entweder mit Vollmachten arbeiten, mittlerweile geht es vielleicht schon schon mit Videokonferenz, aber es ist trotzdem einfach sehr träge.

Daniel

Darf ich kurz einhaken? Internationale Investoren kennen natürlich die österreichische GmbH sehr, sehr gut. Nein, sie haben keine Ahnung, was das ist. So ist es. Sie haben eigentlich keinen Bock, da rein zu investieren und sagen, nö, kenne ich nicht. Wenn du was hast, was ich kenne, komm wieder.

Markus

Oder? So ist es. Es ist auch der Grund, warum wir glauben, es macht Sinn, eine neue Rechtsform zu schaffen. Wir haben im allerersten Visionspapier von Austrian Startups empfohlen, passen wir die GmbH an und machen wir sie wettbewerbsfähiger. Und irgendwann haben wir dann sehr stark auch das Feedback bekommen, es will einfach kein internationaler Investor in eine GmbH investieren. Und deshalb wäre es sicher gut, wenn man das auch international brandet, also zum Beispiel eine Austrian Limited oder ähnliches macht. Und das, wo da auch viel, sag ich mal, wo da viel Potenzial auch steckt, ist, dass man halt da dann auch Mitarbeiterbeteiligung viel besser einbinden kann. Derzeit ist es sehr schwierig, die Mitarbeiter als Teilhaber am Unternehmenserfolg zu inkludieren.

Daniel

Darf ich da vielleicht kurz einhaken? Die große Herausforderung ist natürlich, wenn man Mitarbeiter beteiligt, nachdem gegründet wurde. Richtig? Das ist ja das Problem. Sagen wir, ich bin ein Jahr eins meines Unternehmens, mein wunderbares Startup ist mittlerweile, sagen wir mal, eine Million Euro wert. Ich habe einen neuen CTO an Bord und ich möchte ihr 10% des Unternehmens geben, dann müsste sie tatsächlich den richtigen Wert voll versteuern.

Markus

Voll versteuern und auch voll bezahlen. Also in dem Sinne, glaube ich, is auch für viele, die jetzt mit Startups nichts to doing, sind sie einfach nicht bewusst, wie wichtig this eigentlich is. Also besonders in der Free Phase and auch in der Wachstumsphase ist das ein Motor für Startups. Wenn man es schafft, die Mitarbeiter an dieser Upside, die es gibt, also an dem Potential der Startups zu beteiligen. Und da hat der österreichische Rechtsrahmen derzeit einfach kein gutes Konstrukt, muss man mit Lösungen arbeiten, die sehr komplex sind. Und da gibt es viel Potenzial meines Erachtens, dass man so auch ein bisschen beschleunigt, das Wachstum von Startups.

Daniel

Und ich meine vielleicht auch, um das mit der Beteiligung nochmal überdeutlich zu sagen, es geht ja darum, dass Leute ganz früh an Bord kommen und auf andere, sichere Jobs möglicherweise verzichten, an etwas glauben und man sagt, komm, sei Teil dessen. Und oft auch weniger Gehalt. Deutlich weniger. Richtig. Wie wir alle aus persönlichen Erfahrungen wissen. Und darum geht es eigentlich zu sagen, hier, schau, sei Teil dessen, aber lass dich nicht an einen finanziellen Ruinen stürzen. Wir wissen, es gibt natürlich die ganzen Phantom-Stock-Options und so weiter, aber es ist ja einmal charmant, ein bisschen ein grausliches Umfeld, wo wir gar nicht rein wollen, juristisch und steuerlich, dass nicht alles ganz klar ist. Was ist dir noch aufgefallen? Was findest du noch gut?

Markus

Ein großer Punkt, den ich sehr positiv sehe, ist, es steht tatsächlich drin, dass institutionelles Kapital, also zum Beispiel aus Pensionskassen, auch mehr in Innovation veranlagt werden soll und dementsprechend auch in Startups. Und das ist ein Riesenunterschied derzeit zwischen dem europäischen Raum und dem amerikanischen Raum. Das große Geld, das dort in Startups gesteckt werden, kommt hauptsächlich aus Pensionskassen, die nur einen ganz kleinen Teil ihres Portfolios in Startups stecken. Aber dieser ganz kleine Teil ist schon ein riesiger Faktor. Das ist einfach eine ganz andere Dimension. Und das kann Europa und in dem Fall auch Österreich wirklich helfen, da international im Wettbewerb zu bestehen. Und gleichzeitig bin ich auch persönlich der Meinung, dass das eine Möglichkeit ist, wie die breite Gesellschaft alle gemeinsam an der Digitalisierung profitieren können. Weil derzeit sind es halt in erster Linie die Kapitalhalter, also eher die reicheren Menschen, die an Startups verdienen, die an der Digitalisierung verdienen. Und das ist eine Möglichkeit, wie jeder da auch eingebunden werden kann. Und dementsprechend glaube ich auch aus der Perspektive sehr sinnvoll.

Daniel

Was ist dir noch so? Positiv aufgefallen. Reden wir mal über das Positive zuerst.

Markus

Dann über das Mäßige und dann über das Beschissene. Ein kurzer, schneller Punkt, das steht drin, dass der Faktor Arbeit entlastet werden soll. Also eine Lohnsteuersenkung, Einkommensteuersenkung, das macht sehr viel Sinn, weil es attraktiver macht, zu wachsen, attraktiver macht, Mitarbeiter einzustellen. Der Faktor Arbeit, also Mitarbeiter in Österreich so hoch besteuert sind, ist natürlich auch aus einer Arbeitslosigkeitsperspektive sehr, sehr dumm.

Daniel

Ja. Also das ist einfach extrem hoch. Und gerade wenn man sich Brutto Brutto anschaut, dann wird es richtig spannend. Ich glaube, man müsste es nur auf den Lohnzettel schreiben und dann würde sich, glaube ich, recht viel ändern. Was ich ganz interessant fand, war unter anderem auch so dieses Bekenntnis, dass man ein professionelles Standortmarketing starten möchte. Das hat mir grundsätzlich gut gefallen. Ich finde es sehr aufregend. Da gibt es ein paar Punkte, über die wir gleich sprechen können. Ich finde es positiv, dass man es mal so sieht, dass man den Standort betrachten möchte. Hier ist nur mein ganz großer Wunsch. Ich hoffe, es passiert mit den Akteuren, dass man da nicht irgendetwas aus dem Hut zaubert, womit wir uns alle nicht identifizieren können, etwas Künstliches herbeizaubert. Da gibt es ja auch aus jüngster Vergangenheit ein paar schöne Beispiele, die nicht so gut funktioniert haben. Man muss die Zielgruppen einbinden. Ich glaube, das ist ein sehr, sehr wichtiger Punkt. Richtig. Und wir haben ja auch schon gesehen, es gibt da gewisse Intention, einen möglichen Fokuspunkt zu setzen. Einerseits gab es da diesen Ausdruck des Green-Tech-Hubs, andererseits des Cold Tag-Hubs. Finde ich beide sehr, sehr, sehr spannend. Aus meiner Perspektive die richtigen Themen zur richtigen Zeit. Wie siehst du das?

Markus

Ja, ich glaube, da gibt es eine echte Chance. Also wir sollen das jetzt, wenn wir mal mit dem Green-Tech-Bereich anfangen, da haben wir schon einen erfolgreichen Cluster in der Steiermark, der da auch international wirklich mitspielt. Es haben auch schon ein wirklich beträchtlicher Anteil der österreichischen Start-ups in der letzten Austrian-Startup-Monitor-Umfrage gesagt, dass sie aktiv ökologische Ziele verfolgen. Das heißt, das ist auch schon ein Fokusthema für Start-ups in Österreich. Und es ist ein Bereich, wo einfach weltweit, wir sind auch sehr in der Frühphase. Das heißt, man kann sich noch positionieren und man kann da wirklich auch noch etwas bewegen. Umso mehr ist es jetzt aber wichtig, dass das jetzt passiert. Weil das denken sich jetzt natürlich alle. Die Klimakrise in aller Munde. Und das ist jetzt für viele ein Thema, wo man sich draufsetzen will. Österreich ist echt in einer Pole-Position, aber wenn man in der Champions League mitspielen will, dann muss man jetzt auch wirklich Geld in die Hand nehmen und Gas geben. Und das muss 2020 passieren.

Daniel

Und du sagst da zwei Dinge, die ich extrem spannend finde. Nummer eins ist, ja, wir können da ganz großartig tolle Regierungsprogramme schreiben. Es hat jemand so lustig kommentiert, du weißt, wer du bist. Ja, cool, jetzt kommen eine Menge Arbeitsgruppen. Das heißt, wir können wieder unglaublich lange über Sachen reden. Ich habe mir heute Morgen gedacht, 2020, mein Gott, das ist doch dieses mystische Jahr, von dem wir früher mal gesprochen haben. Bis 2020 wollen wir. Na scheiße, jetzt ist 2020 und das heißt, jetzt sind wir wirklich so, dass wir Dinge machen müssen. Und es geht genau um das, es geht darum, schaffen wir es die Sachen zu executen. It's about execution. Die schönsten Pläne sind großartig, wenn man die nicht macht. Und die ganz große Frage ist natürlich, ist man mutig und schnell genug es auf Schiene zu bringen? Denn, und wir haben vorhin nochmal kurz zur Sicherheit nachgeschaut, eine Regierung ist im Idealfall fünf Jahre im Amt. Wir gehen natürlich davon aus, dass diese Regierung hält. Das wäre jetzt auch echt blöd, wenn es wieder daneben geht. Aber Südwest.

Markus

Nein, das wäre auch insofern wirklich blöd, weil halt dann die großen Reformen ausbleiben.

Daniel

Richtig, und um es in Kontext zu setzen, das letzte Jahr ist nichts passiert, richtig? So ist es. Und das ist das Harte dran. Man muss ja sagen, natürlich ist es auch nach außen hin natürlich auch nicht schön, aber wenn man was verändern möchte, es geht nichts weiter, weil Kleinigkeiten funktionieren, aber man wird keinen großen Wurf landen. Aber nicht die groben Dinge. Das heißt, wir haben jetzt ein Zeitfenster von fünf Jahren. Realistisch, bis die ersten Dinge dann greifen, brauchen wir, sind wir ehrlich, es gibt natürlich Experten, die werden sagen, es ist anders, aber mal ein Ja. Dann haben wir, sagen wir mal, drei Jahre Zeit, in denen echt was passieren kann und dann ist wieder ein Ja-Wahlen. So überspitzt formuliert. Das heißt, wir müssen uns Dinge suchen, wenn man in drei Jahren machen kann.

Markus

Also, du in der Stadt. Traditionell gesehen hast du vollkommen recht. Das war immer so, das erste Jahr ist mal Einspielzeit und dann inhaltliche Arbeit und dann Wahlkampf. Die Zeit haben wir nicht. Also das erste Jahr, wir müssen jetzt Gas geben. Das ist genau der Punkt, wo wir einfach, wir verlieren den Anschluss und besonders wenn wir uns positionieren wollen in einem Bereich, eben jetzt zum Beispiel Green Tech, dann muss das noch in diesem Jahr passieren.

Daniel

Richtig, sehe ich ganz genauso. Und ich glaube, das Interessante ist ja, an der Welt, in der wir uns befinden, es geht ja immer alles schneller und schneller. Und keiner wartet. Und das Problem ist aber, dass wir noch immer Entscheidungskonstrukte haben, die so lange brauchen und so viele Sicherheitsmechanismen haben, zum Teil zu Recht, was uns aber gar nicht hilft, schnell und aggressiv zu reagieren. Und es gibt so einen Satz, den ich so unglaublich liebe. Perfection is a moving target. Und in dem Sinne ist es großartig, wenn wir jetzt Dinge entscheiden, die eh schon vor ein, zwei Jahren quasi gescribbelt wurden und dann werden die in fünf Jahren umgesetzt, dann ist das auf gut Deutsch scheißegal, richtig? Sondern es geht darum, Dinge jetzt zu machen. Und ich glaube, was man auch verstehen muss, ist, die Experten und Expertinnen, die dabei sind, das sind vielleicht Experten und Experten für ihre Themen jetzt, aber vielleicht nicht in drei Jahren oder in fünf Jahren. Und ich finde es wahnsinnig wichtig, dass man auch immer hinterfragt, wer ist da involviert, wer gibt dort Input dazu, wer sind die, die wissen, um was es wirklich geht? Wer kommuniziert? Und ich finde es auch so spannend, wenn wir über Standortmarketing sprechen. Ja gut, so klassisches Standortmarketing können wir alle, aber wie erreichen wir Zielgruppen, die wir noch gar nicht kennen? Welche Tools haben wir dafür? Und wen binden wir dort ein, die das jetzt schon verstehen? Mein Running Gag ist dort immer TikTok, aber ich bin 38, ich verstehe TikTok nicht. Haben wir denn einen TikTok-Experten oder Expertinnen, die wen auch immer das betreibt, beraten, wie man professionelles Standortmarketing für die, die vielleicht mal Studier wollen, betreibt? Weiß ich nicht. Ich finde das spannend und genauso ist es gemeint. Perfection is a moving target. Da muss man aber auch mutig genug sein, Leute zu involvieren, die vielleicht nicht einen Track-Record haben seit 20 Jahren und bei allen Big Forschern waren und acht Studien haben, sondern vielleicht jemand, der 17 ist oder 19, die genau das gestalten. Da gibt es ja einen großartigen Videografen, den wir beide kennen, zum Beispiel, einfach wahnsinnig tolle Dinge macht. Hat der einen großartigen Track-Record im letzten Jahr bestimmt, hatte all die Ausbildung, nein, macht der Kerl einfach holy shit, ja. Solche Leute brauchen wir.

Markus

Absolut. Das habe ich mir auch gedacht, weil in unserem Programm steht die Ahnung sich, es sollte in irgendeiner Form einen Start-up-Rat, einen Startup-Beirat geben, der schaut, was weitergeht, der die Regierung berät und ihn auch ein bisschen halt ja ein bisschen pushed. Und was jetzt im Regierungsprogramm drinsteht, ist ein Digitalrat, glaube ich. Und da habe ich mir dann halt wieder gedacht, okay, das ist jetzt ein galanter Weg, um halt die ganzen CDOs, die großen Corporates da zusammenzuholen und vielleicht halt ein paar Digitalexperten aus den 90er Jahren, also ist jetzt hart gesagt, ohne Frage. Und es macht auch Sinn, solche Leute dazu zu holen. Aber wie du richtig gesagt hast, dieses Gremium wird nur dann funktionieren, wenn man es auch schafft, die ganz junge Generation abzuholen. Und wie du richtig sagst, da ist auch mal ein 17-Jähriger sehr gut.

Daniel

Weißt du, was ich so lustig finde, es ist immer so aus eigener Erfahrung. Ich darf hier an ein paar Unis unterrichten. Ich weiß immer, wenn ich irgendeine Lehrveranstaltung beginne, und das sind immer so Startup- und Digitalthemen, ich frage immer am Anfang mal ab, zum Beispiel welche Social Media Tools die benutzen. Und es ist jedes Mal anders. Und ich frage aber auch, wofür? Was benutzt ihr, um mit euren Eltern zu kommunizieren? Was mit euren Freunden, was benutzt ihr im News zu konsumieren? Das ist jedes Mal anders. Jahr für Jahr ist das anders, das ist cool. Nur man stelle sich vor, ich würde da nicht jedes Jahr nachfragen oder mehrfach im Jahr. Und ich würde einfach mich auf Wissen berufen, dass ich vor zehn Jahren in einem Buch gelesen habe. Was da drin stehen würde. Ich habe lustigerweise vor ziemlich genau zehn Jahren meine Diplomarbeit geschrieben über Mobile Marketing. Und ich glaube, man könnte 90% von dem, wahrscheinlich 99% von dem Kram einfach gepflegt an die Wand donnern, was dort drin steht. Und ich habe das wenig auf Literatur basiert, weil es einfach so wenig gab. Aber trotzdem, in zehn Jahren passiert wahnsinnig viel. Und wenn wir Experten und Expertin aus der Zeit nochmal dazu holen, ist nicht cool. Kommen wir vielleicht nochmal auf das Thema Beirat zurück. Digital versus Startup-Beirat. Und lustigerweise, ich habe letzte Woche auf LinkedIn unseren letzten Podcast gepostet und da kam ein sehr guter Input, da hat jemand gesagt, warum braucht man einen eigenen Startup-Beirat? Man musste doch alles Unternehmerische genau gleich fördern. Ich habe argumentiert, ja klar, das wollen wir genauso fördern, aber ein Startup-Beirat ist ein ganz eigenes Piest. Weil Startup neue Dinge macht, anders Dinge macht, sehr schnell macht und wir sofort, so schnell wie möglich, mit den Entscheidungsträgern und Trägerinnen entscheiden müssen, was kann man denn realistisch tun. Wie siehst du das?

Markus

Ja, es hat sicher ein Startup eine ganz andere Realität als jetzt ein neu gegründeter Friseur oder eine Wüstelpude. Das sind halt unterschiedliche Dinge, die beide wichtig sind. Ich glaube aber, dass halt für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft in der Zukunft sehr wichtig sein wird, dass wir es auch schaffen, hier mehr erfolgreiche, gute Startups hervorzubringen aus Österreich. Und nachdem die eine ganz andere Realität haben. Das heißt, viel mehr Risiko auf sich nehmen müssen, weil es einfach unklar ist, wie sich das entwickelt, viel schneller auch Änderungen vornehmen, also einen iterativen Approach haben. Da geht man mit Hypothesen rein und schaut sich an, hey, ist das richtig? Funktioniert das? Wenn nicht, dann ändert man ein bisschen was. Also sie wird ständig adaptiert, während bei vielen bestehenden Unternehmen das halt sehr klar vorgegeben ist. Also da funktionieren halt auch so klassische Tools wie ein Businessplan viel besser. Und gleichzeitig kann man das genauso auch sehen, wenn man jetzt sagt, ja, auch die großen bestehenden Unternehmen digitalisieren, aber das ist ein ganz anderer Prozess, als wenn ein Startup eine Innovation hervorbringt.

Daniel

Sie digitalisieren bereits Bestehendes.

Markus

Richtig. Ein scheiß Prozess, den du digitalisierst, ist trotzdem ein scheiß Prozess. Das ist ein scheiß digitaler Prozess.

Daniel

Eins meiner Lieblingszitate. Ja, absolut richtig. Und das Wichtige ist aber eben, direkt mit denen, die das Ganze auch realisierbar machen können, also juristisch realisierbar machen können, mitzuentscheiden. Genauso ist es auch, wenn man noch auf das Standortmarketing zurückkommt. Man stelle sich vor, man hätte direkten Dialog und sagt: Zusammen, da passiert was, da kommt bald etwas, so und so müssen wir das ausprägen. Darum geht es und so schnell wie möglich agil zu reagieren und agil zu agieren. Denn das Thema ist natürlich, wenn man neue Dinge macht, dann sind die vielleicht noch gar nicht juristisch in irgendeiner Form festgehalten worden. Deswegen geht es darum zu sagen, schau, das machen wir. Wie können wir das irgendwo abbilden? Das ist das ganz Wichtige. Und dieser Startup-Beirat muss man, glaube ich, auch so sehen, perfection is a moving target. Das muss nicht irgendwo in Stein gegossen werden und dann sind die Leute für fünf Jahre dort drin. Das muss rolierend sein, da muss immer wieder neue Leute dazu geholt werden, die auch genau verstehen, was Sache ist. Und wir suchen einfach den Diskurs. Ich glaube, das Spannende ist, wir haben eine neue Bundesregierung, die natürlich auch sehr viel Diskurs erfordern wird. Wir haben ja im Vorfeld auch immer wieder spekuliert, kriegen die das denn hin, ja, die eben das hinbekommen. Die werden bei sehr vielen Themen sehr weit auseinander gewesen sein. Und ich finde ja das Schöne ist, wenn, ich finde, man lernt ja am meisten, wenn sehr unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen, weil man sehr viel lernen kann. Wenn man sehr homogene Menschen in einen Raum sperrt, na gut, da wird sich nicht viel ändern.

Markus

Ja, die Konformität ist der größte Feind der Innovation.

Daniel

Mein Gott, hast du das schön gesagt? Das könnte man abdrucken, ich bin beeindruckt. Richtig, und das finde ich sehr, sehr, sehr spannend. Die Zeit wird zeigen, wie wir damit umgehen. Aber wir leben in einer Zeit, wo Diskurs notwendiger ist denn je. Wir leben in einer Zeit, wo ich schwarz und weiß gar nicht so einfach mehr ist, zu trennen. Und das ist, glaube ich, das, was unsere neue Bundesregierung auch festgestellt haben wird und feststellen wird. Ja, spannende Themen. Ich habe es angeschnitten. Green-Tech-Hub einerseits und andererseits Cold Tech-Hub, was ich ganz spannend finde. Als ich den Begriff Cold Tech das erste Mal gehört habe, musste ich mir denken, was ist das denn schon wieder? Das ist kulturelle Technologie, wenn man es so übersetzen möchte. Das ist Technologie, die in irgendeiner Form mit Kultur zu tun hat. Nickst du da oder hörst du neugierig zu, wie ich das jetzt definiere?

Markus

So hätte ich das auch definiert, aber es gibt auch sicher da keine allgemeingültige Definition.

Daniel

Richtig, das heißt natürlich nicht, dass es darum geht, jetzt irgendein neues Keyboard notgedrungen zu entwickeln. Wer weiß. Nicht, dass jemand sagt, ach, höher doch auf, das haben wir doch schon lange. Nein, nein, es geht darum, tatsächlich auch zu überlegen, wie Kultur anders erlebt werden kann. Ich hatte letztes Jahr das große Glück, dort schon eine Veranstaltung in Richtung moderieren zu dürfen, habe mich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt. Und das Interessante ist, wenn man sich fragt, warum sollte Österreich Cult Tech Homebase werden oder Wien Cult Tech-Hauptstadt, dann kann man natürlich sagen, ist Wien eine Kulturhauptstadt? Gibt es unglaublich viel Leidenschaft für Musik, für Denken, für Kultur in Wien oder in Österreich? Ja, gibt es. Sucht Wien, sucht Österreich noch vielleicht nach einer Positionierung international? Ja. Haben wir vielleicht führende Denker und Denkerinnen für diese Thematik hier? Ja. Haben wir historisch auch eine Begründung dafür, das zu tun? Ich glaube auch irgendwo. Auf jeden Fall. Wie ist deine Einschätzung?

Markus

Also ich, das ist ja lustig, wir haben, wie wir damals gemeinsam überlegt haben, was soll die Vision von Austrian Startups sein, haben wir uns gedacht, okay, Entrepreneurship muss in Österreich etwas ganz Normales machen werden. Dafür müssen wir bekannt sein in der Welt. Und dann sind wir am Ende, haben wir die Entscheidung, nehmen wir Skifahren, das ist es am Ende geworden, oder eben Kultur, besonders in dem Fall haben wir speziell über klassische Musik gesprochen, weil halt da schon die großen Komponisten und auch ja, natürlich das Neujahrskonzert und so, das ist schon auch ein Aushängeschild für Österreich. Wir haben uns dann eher fürs Skifahren entschieden, weil ein bisschen weniger elitär vom Touch ist. Aber prinzipiell natürlich, da gibt es unglaublich viel Potenzial. Und da muss man jetzt noch halt auf eine Gänge kommen, weil natürlich passieren auch in dem Bereich Innovationen und wenn wir es schaffen, dass die in Österreich passieren, dann sind wir in einer großartigen Position.

Daniel

Das Spannende ist natürlich aber auch, einer meiner Lieblingsthemen ist ja Kultur per se. Und damit meine ich einfach, ich könnte mir vorstellen, dass die Kulturwelt nicht jede Art von Innovation mit offenen Armen empfängt. Und es wird wieder der Moment sein, wo eben verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. Wenn einer sagt, mein Gott, das machen wir seit 300 Jahren so, das wird auch weiter so funktionieren, versus, naja, wir machen es jetzt aber vielleicht mal anders. Ich bin sehr, sehr, sehr gespannt, wie sich das entwickeln wird. Heißt aber auch zeitgleich. Nur mal so zum Spaß. Ich würde unterstellen, dass ein Museumsbesuch sich in den letzten 200, 300 Jahren nicht viel geändert haben. Die Exponate vielleicht in irgendeiner Form oder dass ich irgendein Audio-Guide habe. Aber die Art und Weise, wie Dinge geplant werden, die Art und Dinge, wie vermarktet werden, wahrscheinlich relativ wenig. Bestimmt triggere ich gerade irgendjemanden da draußen, der sagt, aber im Grundlegenden ist es relativ ähnlich. Und ein Museum weiß auch nicht, wie viele Leute morgen kommen. Die werden historische Daten haben, aber dann gehe ich hin und löse mein Ticket, das ist wahrscheinlich aus Papieren meistens. Dann gehe ich fünf Meter weiter, dann stanzt das jemand ab und fertig. Lustigerweise war ich letztes Jahr in Berlin in einem Museum, ich glaube, im Deutschen Museum. Und dort war die Innovation, das war kein Papierticket, sondern ein Aufkleber. Den hat man sich auf die Brust geklebt, um sich das Museum anzusehen. Ich hatte 37 Minuten Zeit. Das Ganze dauert drei Stunden, also ich bin durchgelaufen. Und der Aufkleber war zu innovativ für mich. Und ich habe tatsächlich diesen Aufkleber bemerkt, als ich in Wien in meinem Fahrstuhl war und nach Hause gekommen bin. Und da habe ich mir gedacht, jetzt weiß ich, warum ich alle so komisch angeschaut haben. Ja, eine Innovation, die ich nicht mit offenen Armen empfange. Aber ein Umfeld, wo viel Raum ist. Ja, definitiv. Was finden wir ausbaufähig gut am neuen Regierungsprogramm?

Markus

Also für mich war ein Riesenschock, dass keine Erneuerung der Gewerbeordnung drinnen gestanden ist. Das ist in den letzten Regierungsprogrammen immer dabei gewesen und dann nie richtig umgesetzt worden, muss man auch sagen. Aber dass man es jetzt komplett unter den Tisch fallen lässt, ist schon überraschend. Also da hat scheinbar die bestehende Industrie sehr erfolgreich lobbyiert, um ihre Privilegien und Pfunde zu erhalten. Kurze Frage, warum sollte man das Gewerberecht erneuern? Ja, weil es halt aus dem 19. Jahrhundert stand.

Daniel

Okay, gibt es da irgendeinen Lieblingspunkt, der dir irgendwie dann immer wieder vor Augen flackert?

Markus

Ein paar Startups, die das wunderschön tragisch erleben mussten. Ein Fall, den wir kennen, ist der Travis von Tourrader oder auch Hockey, wo halt Tourrader jetzt zum Beispiel eine Plattform für Trips und Touren, wenn man verreist ist. Und die mussten halt, damit sie in Österreich gründen können, mussten sie hier eine Gewerbeprüfung ablegen. Und der Kurs dafür dauert mehrere Monate, ist nur auf Deutsch möglich abzuhalten. Und hat halt auch absolut gar nichts mit ihrem tatsächlichen Geschäft zu tun. Also da müssen sie jetzt eine Gewerbeberechtigung bekommen, in irgendeiner Form sich Kenntnisse abprüfen lassen, die nichts mit der Realität von innen zu tun haben. Und das ist natürlich lächerlich.

Daniel

Das ist ein schönes Beispiel. Also das muss passieren, das ist nicht passiert. Das heißt, das wird wahrscheinlich auch die nächsten fünf Jahre nicht passieren.

Markus

Ja, ich würde jetzt nicht vom Worst Case ausgehen, aber natürlich ist das nicht unbedingt förderlich, wenn es nicht im Regierungsprogramm drinsteht. Und auch schade. Dafür gibt es Sandboxes, die im Regierungsprogramm drinstehen, die innovativen Unternehmen ermöglichen sollen, wenn die Gewerbeordnung vielleicht nicht passend ist, hier in einem innovativen Setting zu arbeiten und außerhalb der Gewerbeordnung zu sein. Und müssen sich dementsprechend aber sehr transparent verhalten, was durchaus Sinn machen kann. Aber ob man das so breit aufbauen kann, dass das halt wirklich die Probleme der Gewerbeordnung löst, ist fraglich. Und generell ist auch fraglich, ob es sinnvoll ist, dieses Konstrukt zu erhalten und jetzt Sonderregelungen rundherum zu bauen. Es ist halt leider einfach sehr viel darauf aufgebaut mit den ganzen Kollektivverträgen. Es haben sehr viele Leute etwas zu verlieren, wenn sich die Gewerbeordnung verändert. Und deswegen ist es eine Riesenherausforderung.

Daniel

Und vielleicht, um es überdeutlich zu sagen, wir wollen niemanden etwas wegnehmen. Wir wollen nur Dinge anpassen. Das ist notwendig. Es wäre wie wenn man seit 20 Jahren keinen neuen Fernseher hat. Kann man mal so machen, aber wahrscheinlich läuft Netflix nicht drauf. Manchmal das so überdeutlich formulieren. Nein, du darfst gerne deinen alten Fernseher behalten. Alles cool, wir wollen dir nichts wegnehmen. Aber wenn man einen neuen Fernseher hinstellt, hast du vielleicht neue Möglichkeiten. Oder? Aber klar kannst du mit ORF1 und ORF2 ganz wunderbar überleben. Ich hatte unlängst so eine interessante Diskussion, das, vielleicht um es ein bisschen weiterzuführen, diesen Loop. Da habe ich mich darüber echauffiert, dass es Geschäfte gibt, in denen man ausschließlich Bar zahlen kann. Und ich habe da so dieses Bild gezeichnet und meinte, das nächste Mal, wenn ich da auf so ein Geschäft treffe, würde ich sehr gerne einen Cent-Münzen bezahlen. Ich finde das ist ja legitim, weil das ist ja auch Geld und die wollen Bargeld haben und ich stehe ja nicht drin, wir wollen nur Bargeld ab 5 Euro, sondern ein Stück Bargeld und das ist ja auch Bargeld. Interessanterweise habe ich dann eine ziemlich interessante Diskussion losgelöst, wo dann ein paar gleich über ihre Freiheiten gesprochen haben und ich finde es interessant. Ich sage ja nicht ausschließlich Kartenzahlung, sondern sowohl als auch, weil das ja doch eine recht moderne Sache ist, so mit dem Plastikgeld. Wie siehst du dieses Thema?

Markus

Spannend. Also ich hatte erst letztens selbst im Offline-Geschäft. Benennt man das jetzt so offline, das ist eine gute Frage. Also ich habe selbst meine Erfahrung gemacht, da komme ich nachher noch kurz dazu, aber jetzt wirklich auf das Thema Bezahlung, um darauf einzugehen. Ich glaube, es wäre spannend, sich mal ökonomisch anzuschauen, ob es vielleicht Sinn machen würde, wie viel Geld einem entgeht, wenn man das nicht macht. Und ob es schon allein deswegen einfach notwendig sein wird. Natürlich, mit Kartenzahlungen kommen Gebühren. Gleichzeitig braucht man sich nichts vormachen, auch Paarzahlungen hat, wenn man es im Ganzen sieht, Gebühren, weil das ist entweder die Gefahr, dass man halt ausgeraubt wird oder die Versicherung dafür, also das trägt auch Kosten. Und wie du richtig sagst, am Ende muss das jedes Geschäft selbst entscheiden, aber es wird sich sicher negativ auswirken, wenn sie da nicht mit der Zeit gehen.

Daniel

Und ich bin ja der Meinung noch immer, der Kunde ist König und ich finde, ein Kunde sollte entscheiden können. Ausschließlich, ja, ich weiß nicht. Aber ich finde ausschließlich Kartenzahlung ist vielleicht ein bisschen früh. Das ist vielleicht ein bisschen zu viel des Guten. Aber Convenience. Wir reden so oft über dieses Thema. Ich möchte die Möglichkeit haben zu entscheiden, möchte ich so oder so bezahlen. Ich möchte die Transparenz haben und ich verstehe auch, dass Transparenz für den einen oder anderen vielleicht bedeutet, gut, das ist das Typische, wenn man natürlich in der Gastronomie öfter mal Sachen bestellt und sich die Rechnung ein bisschen näher ansieht. Achtung, Disclaimer, nicht alle, ganz wenige, habe ich mal gesehen. Nein, ich nenne keine Beispiele, aber das kommt ja mal vor, sicher.

Markus

Und also, da ist natürlich jegliche Transparenz, die durch reine Kartenzahlungen entstehen etc., ein negativer Punkt. Aber um auf deinen Punkt zurückzukommen, der Kunde ist König und Convenience is King. Also ich hatte letztens den Fall, dass ich online bestellt habe. Und habe Handschuhe bestellt für meine Freundin zu Weihnachten. Und hatte dann ein sehr konkretes Bild, was sie gerne hätte. Und leider sind dann die falschen Handschuhe gekommen. Also hat das schon mal nicht gut funktioniert. Und ich habe mir gedacht, okay, Zeit ist knapp und jetzt unterstützen wir auch, sag ich mal, den lokalen Handel hier. Ich kaufe das jetzt offline und bin in die Stadt gefahren und habe insgesamt waren das über zehn Geschäfte abgeklappert, wo ich jedes Mal mit einem Bild gekommen bin, habt ihr einen Handschuh, der dem hier ähnlich ist, oder natürlich dasselbe Modell. Hat den niemand. Okay, happens. Ist natürlich schwierig, wenn man einen begrenzten Lagerraum hat, um hier auch alles zu haben. Aber die Art und Weise, wie diese Erfahrung abgelaufen ist, war so, dass ich mir gedacht habe, nie wieder kurz. Also es war erstens absolut keine Hilfsbereitschaft da. Also, ich bin da reingekommen mit dem Handybild, habe gesagt, habt ihr irgendetwas sowas? Nein. Dann habe ich gefragt, okay, wenn Sie sich das anschauen, was könnten Sie mir vielleicht alternativ vorschlagen? Haben Sie mir irgendwas gegeben, was Gelinde gesagt recht weit entfernt war? Da habe ich gesagt, darf ich das fotografieren und das vielleicht so einfach mal so abchecken lassen, ob das vielleicht interessant ist.

Daniel

Das ist nicht die Antwort.

Markus

Nein, bei uns darf man nichts fotografieren. Haben Sie vielleicht ein anderes Geschäft im Hinterkopf, das das vielleicht in Wien hätte? Nein. Ja, also ich bin dann, ich habe im zwölften Geschäft gefunden, alleine ohne Hilfe. Zwölf Geschäfte. Zwölf Geschäfte, ja. Von ganz groß, also von den großen Kaufhäusern, Pekko Kloppenburg und so weiter, bis hin zu Spezialisierten. Es gibt im ersten Bezirk drei spezialisierte Handschuhgeschäfte. Und ja, das war meine Customer Experience und ich prophezeie, dass das nicht lange gut gehen wird.

Daniel

Oh, das ist schwer. Ich meine, man muss natürlich immer dazu sagen, es gibt auch immer großartige andere Beispiele. Aber ja, ich meine, Customer Experience ist genau der Grund, warum Leute dann manchmal dann doch wieder online lieber kaufen. Es geht um Convenience. Das ist einfach etwas, woran man sich gewöhnt, was man haben möchte. Und wenn das dann wieder fehlt, ist es schade. Und ich finde, Kundenerfahrung ist so unendlich wichtig. Und es gibt so viele positive Beispiele, die ich so sehr liebe. Und dann geht man auch lieber in ein gutes Geschäft und ich zahle gerne mehr in einem Geschäft, wo ich gut beraten werde. Und das mache ich immer wieder. Es gibt ein lustiges Beispiel. Es gibt ein Blumengeschäft, da gehe ich jedes Mal gerne hin. Und ja, da bezahle ich im Übrigen Bar, weil das ist halt bei diesem kleinen Geschäft so. Ich glaube, die haben ja auch Kartenzahlungen, ich weiß es nicht. Da zahle ich aber ganz gerne. Bar ist auch ein kleiner Betrag. Und falls sich jetzt jemand sagt, du widersprichst dir, hey, die Welt ist nicht weiß und nicht schwarz, es ist einfach so. Und ansonsten können wir gerne mal in Ruhe reden. Für einen Diskurs. Aber das Interessante ist tatsächlich, die sind einfach unglaublich nett immer. Unglaublich nett. Und nett heißt für mich, dass sie einfach einen begrüßen. Und wenn ich nach etwas frage und es gibt es nicht, dann sagen sie, hey, es tut uns leid, es ist nicht da. Und ich sage, hey, kein Problem, ich komme nächste Woche wieder. Und das mache ich jetzt seit Jahren und ich freue mich sehr drüber. Das ist genau das, was ich möchte. Und das ist, glaube ich, auch gar nicht so viel verlangt. Im Umkehrschluss, wenn dem nicht so ist. Customer Experience heißt natürlich, wenn ich das online mache, treffe ich dann nicht auf Menschen. Wenn eine schlechte Customer Experience allerdings online passiert, mache ich es auch nie wieder. Das ist dasselbe Thema. Das gilt für alle. Richtig, wir wissen, dass Amazon seit Jahren einfach immer Custom Experience ganz nach oben stellt. Das ist halt einfach so.

Markus

Nicht nur Amazon, ich glaube, jegliches wirklich erfolgreiche Unternehmen, das in den letzten Jahren aufgebaut wurde, stellt das in den Vordergrund. Das ist so essentiell, weil wir halt auch in einer Welt leben, die viel transparenter ist. Das heißt, wenn man mit schlechten Erfahrungen konfrontiert ist, dann kann man viel schneller reagieren und andere Möglichkeiten suchen. In der Vergangenheit hätte ich wahrscheinlich keine Möglichkeit gehabt, weil dann wäre ich auch beim nächsten Mal wieder in den ersten Bezirk gegangen und hätte die Handschuhgeschäfte abgeklappert. Diesmal weiß ich, okay, Handschuhe kaufe ich sicher nicht mehr im ersten Bezirk.

Daniel

Richtig. Nein, ich meine, es ist, wie gesagt, auch da, es werden bestimmt der eine oder andere sagen, hey, bei mir war das aber anders. Das sind unsere persönlichen Erfahrungen, über die wir plaudern. Das ist ja genau die Intention von diesem Podcast, dass man ein bisschen die Zeit hat zum plaudern. Es sind viele Dinge passiert in der letzten Woche oder so. Du hast auch über Customer Experience gesprochen. Das Lustige ist immer, wenn ich mit dir rede, du bist ja ein sehr ausgeglichenes Kerlchen, wenn ich das mal so sagen darf. Völlig wertfrei. Aber wenn ich das Thema Facebook erwähne, da kriegst du immer so ein bisschen eine andere Gesichtsfarbe, dass du immer sagst, diese. Und du sagst immer in aller Vehemenz, diese Plattform ist kaputt. Ja. Was ist da kaputt? Jetzt lacht du das nicht so gut.

Markus

Man muss dazu sagen, wir arbeiten ja recht viel mit Austrian-Startups. Wir haben ja da über 20.000 Fans und sehen das schon als wichtigen Kanal auch für uns, deswegen habe ich auch persönlich viel damit zu tun. Aber kann halt wirklich auch die Erfahrung teilen, dass das über die letzten Jahre kontinuierlich schlechter geworden ist. Ich kann mich erinnern, ich habe ja auch einen Fußballverein, den wir damals ganz stark auf Facebook aufgebaut haben. Und da habe ich mir damals wirklich gedacht, wie hätten wir das organisiert ohne Facebook? Also wir haben über die Facebook-Gruppen die gesamte Organisation gemacht. Wir haben über, wann früh hatten wir eine Fanpage, um diese Fanpage haben wir es geschafft, zum beliebtesten Amateurverein Österreichs gewählt zu werden. Wirklich, das war ein geiler. Also war eine super coole Story. Als Preis durften wir nach London fliegen und dort in einem Stadion, ein Match im Stadion von Chelsea bestreiten. Also es war einfach cool und da war jedes Mal Facebook ein wichtiges Element und eine sehr positive Erfahrung für mich. Und heutzutage is kein Tag in which irgendetwas passiert auf Facebook, wo ich mir denke, this is doch not. Wie kann das so sein, dass so ein wichtiges, riesiges Produkt einfach so von vorne bis hinten nicht mehr funktioniert? Zum Beispiel. Jetzt zum Beispiel, when we have a post machen for this podcast auf unserer Austrian-Startup-Seite, würde ich gerne dich und mich taggen, damit auch unsere Freunde davon mitbekommen, dass es das gibt. Das geht nicht mehr. Das ist so, ja, das weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, warum ich gewisse Leute taggen kann, gewisse nicht. Und jetzt sagen natürlich die Leute, ja, musst du bei deinen Privacy-Einstellungen schauen und musst erlauben, dass dich Leute taggen können. Na sicher habe ich das gemacht. Das geht nur trotzdem nicht. Und das ist bei uns beiden so.

Daniel

Ich kann mich erinnern, ja, wir haben darüber gesprochen eine ganze Weile.

Markus

Und also geht einfach. Auch gibt es keine Documentation dazu. Ich kriege jeden Tag unfassbar viele Notifications. Jedes Mal aktiviere ich diese Notifications, will ich nicht mehr sehen in dieser Art. Trotzdem, es kommt immer wieder, es funktioniert nicht das Deaktivieren von gewissen Notifications. For two months on Facebook 82 Mal the gleiche Nachricht bekommen in unserem Austrian Startups Postfach, wo gestanden ist, wir deaktivieren jetzt den grauen Checkmark, weil das ist verwirrend für User. Und diese Nachricht habe ich 82 Mal bekommen. Hast du sie gelesen? Ich habe sie einmal gelesen. Und die anderen Male habe ich dann ignoriert und ich habe auch immer noch 82, kann diese Notifications auch, also es stehen immer noch 82 Notifications-Dings bei uns drin, werde ich nicht los. Es ist auch so, dass heutzutage, wenn man Anzeigen schaltet, habe ich das Gefühl, es ist weit weniger effektiv als noch vor zwei Jahren. Also es ist tausend zu eins. Und jeden Tag kriege ich drei bis vier Fake-Profilanfragen, wo ich natürlich eh schon weiß, am Profilbild, okay, das ist sicher keine echte Person. Auch das ist einfach so, wo ich mir schon denke, okay, wie viele Profile, die eigentlich aktiv sind und die auch auf diese Anzeigen einzeilen, wie viele sind eigentlich fake? Weil wir sehen einfach auch da viel weniger Resultate. Das ganze Tool ist unglaublich langsam. Ich, und das ist meine Prediction für heute, ich glaube echt, so wie sich das jetzt gestaltet von einer User Experience Perspektive, ist es eine Katastrophe. Und ich glaube, dass in der westlichen entwickelten Welt, also jetzt sage ich mal Europa und Amerika, wer meint, im nächsten Jahr geht die Anzahl an aktiven Usern auf Facebook im zweistelligen Bereich zurück.

Daniel

Boah, das ist eine Ansage. Aber es stimmt, ich meine, Leute sagen immer, too big to fail, bla bla bla. Aber in Wahrheit ist das genau das, wo man vorhersagt, dass etwas in die Knie gehen wird. Das finde ich so interessant. Ich glaube, Facebook ist mittlerweile einfach ein schwieriges Produkt geworden. Ist eine schwierige Plattform geworden für viele. Was ich interessant finde, ist natürlich auch, wenn man ein Instagram öffnet oder ein WhatsApp, mittlerweile steht da drin bei Facebook.

Markus

Na, als Company geht es ihnen super. Also das darf man jetzt auch nicht verwechseln. Ich glaube, der Aktienkurs, wenn nicht zu großen regulatorischen Änderungen kommt, wird sich der gut entwickeln, weil Instagram immer sich noch sehr gut entwickelt, weil über WhatsApp das allergrößte Netzwerk überhaupt und auch spannende andere Produkte. Also jetzt mit Libra zum Beispiel, wo das Crypto-Thema aufgegriffen wird, da gibt es schon viel Potenzial. Also Company passt das, aber das Produkt, Facebook, ist meines Erachtens.

Daniel

Wobei ich bin halt gespannt, wie Libra und Co. weitergeht oder Libre oder wie auch immer das Ding heißt. Ich finde, Facebook sollte das nicht machen. Ich finde, Facebook sollte nicht irgendeine Frage. Das ist der falsche Player. Jemand hat die so schön unseren digitalen Overlord genannt. Ich bin ja nun nicht wirklich der Typ, der da mit seiner Tin voll hat in der Ecke sitzt. Aber so ein bisschen finde ich das immer sehr komisch, was da so alles passiert. Langsam merke ich in mir drin, und ich bin definitiv kein Indikator, ich hätte so gern eine Plattform, wo sehr klar ist, dass dort nichts beschönigt wurde. Wo sehr klar ist, dass da nicht 48 Filter für was verwendet wurden, wo Leute etwas optimieren. Ich könnte ja kotzen, wenn ich Influencer sehe, mittlerweile auf Instagram. Entschuldigung, die sehen alle gleich aus, die reden alle denselben Scheiß. Es gibt immer Ausnahmen, ganz klar. Aber holy shit, sehen die alle gleich aus. Sind die langweilig, diese Leute? Was ist das für eine Plastikwelt, die die da verkaufen? Ich hätte gern irgendwie so einen kleinen Stempel drunter, aber drin steht, ja, das Foto wurde gemacht. Das wurde nicht verändert. Ja, das ist echt. Und die Personen sind da auch wirklich für eine Millisekunde geworden. Meistens siehst du diese wunderbaren Bilder von irgendwelchen Wasserfehlen, wo dann irgendjemand sich drin ahlt. Wer ist ein 360-Grad-Foto, stehen dahinter 49 andere, die auf diese drei Sekunden warten? Mein Gott, geht mir das richtig am Arsch. Das muss man so in aller Härte sagen. Und du weißt, was ich meine. Konsumiere ich so ein Content? Nein. Aber mich nervt, dass das Leute glauben, das ist die Realität.

Markus

Also ich glaube, du bist da nicht alleine. Ich glaube, dass Authentizität ein sehr wichtiger Faktor in der nächsten Decade werden wird, also im nächsten Jahrzehnt, dass da viel sich drum drehen wird. Gleichzeitig ist halt ein Faktor, der da man halt in irgendeiner Form lösen muss. Du postest halt viel lieber Dinge, wo Dinge schön ausschauen, wo Dinge gut ausschauen. Das ist halt, ich glaube, aus einer Konsumentenperspektive von dem Content, glaube ich, ist die Mehrheit auf deiner Seite. Auf der Produzentenperspektive, da muss man in irgendeiner Form, glaube ich, nachhelfen, dass trotzdem.

Daniel

Nein, du hast völlig recht. Und du hast zwei Sachen, die ich dich dort aufgreifen möchte. Nummer eins, ich möchte natürlich kein depressives Network, wo alle Leute sagen, oh, mir geht's so schlecht. Aber ich würde schon finden, schön finden, ein authentisches Netzwerk. Ein authentischeres Netzwerk, wo ich nicht das Gefühl habe, und das mache ich manchmal ganz gerne, dass ich gewisse Dinge irgendwo like und mir denke, ich bin gespannt, wann das wieder aufschlägt und dann nur dieser Content mir reproduziert wird und ich all die Dinge verpasse, die dort nicht drin sind. Genau wie ich gewisse andere Dinge mir ansehe und denke, meine Güte, ist es gestellt. Und ich finde das so ein bisschen schade. Ist man dessen selber schuldig? Natürlich. Das macht man ja selber auch immer mal wieder. Das heißt nicht, dass ich jetzt irgendwelche Sachen fake, aber klar macht man irgendwo mal gerne ein schönes Foto. Natürlich freut man sich darüber. Natürlich macht man das glücklich. Aber ich habe das Gefühl, wenn etwas ausschließlich darauf basiert mittlerweile, ist das schade. Und wenn man das noch ein bisschen weiterführt, wir haben von über Amazon gesprochen, das rede ich schon wieder über mein neues Bett, das übrigens großartig ist. Ich finde es auch immer schwierig, wenn man dann Reviews liest. Und man merkt auf Amazon, wie viele von den Reviews. Ich weiß nicht, ob die echt sind. Und das Problem ist, sobald ich an irgendetwas ranstoße, wo ich die Authentizität von etwas bezweifle, merke ich, dass ganz, ganz schnell nicht mein Interesse, aber mein Glauben an etwas verloren geht. Natürlich darf man etwas blind nicht glauben, aber wenn so viele Reviews sich wirklich komisch lesen, dann ist man irgendwann so, hey, komm, gibt es da nicht irgendwo so einen digitalen Stempel, der sagt, die sind echt, mehr möchte ich nicht.

Markus

Das wäre ein Moonshot.

Daniel

Das wäre ein echter Moonshot, nämlich. Und genauso wie natürlich lächel bitte weiterhin auf deinem Foto, mach dein Foto schön. Ja, benutzt ein bisschen einen Filter, aber bitte, bitte, bitte, hab nicht irgendwelche Leute, denen 100 Millionen andere kleine Kiddies hinterherlaufen mit Realitäten, die nicht so stimmen, die ein Bild von einer Scheinglücklichkeit hinterherjagen, die es so nicht gibt. Und das ist dann irgendwann falsch. Das ist dann irgendwann richtig falsch. Und dann entsteht auch richtiger Schaden. Und das finde ich so ein bisschen schade. Also ein authentisches Netzwerk würde mir gefallen.

Markus

Oder ein Plugin, das authentischen Content aus der Masse des Contents da draußen rausfiltert und dir zur Verfügung stellt.

Daniel

Richtig, das wäre natürlich auch ganz schön und sagt, hey, das und das ist ein bisschen Bullshit, bla bla bla. Nochmal, ich finde es völlig in Ordnung, wenn man Sachen gut macht. Wenn man sich bemüht, Sachen gut zu machen, ich finde nur kompletten Bullshit-Fake, richtig, richtig, richtig langweilig und richtig, richtig schwierig. Mir geht es nur darum, um echte Realitäten. Das finde ich schön. Das wollen wir auch sehen. Und ich finde natürlich auch an der Stelle, ich werde nicht müde, das zu sagen, ich würde es ja mal schön finden, wenn so eine Plattform aus Europa kommen würde. Das würde mir richtig gut gefallen. Ein authentisches Problem. Es wäre natürlich sinnvoll.

Markus

Ich glaube, da bist du auch auf der politischen Ebene nicht allein. Also ich bin mir sicher, jegliche Staatschef in der EU wünschen sich ein europäisches Facebook. Ich würde mich sogar zu einer Prediction hinreißen lassen, dass in den neuen zehn Jahren wir einen Staatschef sehen, der entweder zumindest fordert, dass man ein staatliches Facebook aufbaut oder ein europäisches Facebook staatlich finanziert aufbaut, beziehungsweise das vielleicht sogar too. Weil ob das funktioniert, ist ein ganz anderer Aspekt. Weil wie du richtig gesagt hast, am Ende geht es um die Customer Experience und die Qualität des Produkts. Und ob da eine staatlich organisierte Intervention der richtige Weg is, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

Daniel

Und vielleicht nochmal Deutlichkeit das zu sagen, nicht, weil ich glaube, dass irgendwie, ich formuliere es anders, aus dem einfachen Grund, dass ich einerseits ein chinesisches Social Scoring absolut fürchterlich finde und zwei zeitgleich auch viele von den amerikanischen Produkten ein bisschen fragwürdig finde und es darum gehen würde, eine Plattform zu schaffen, auf der man weiterhin ganz offen denken kann, was man will. Und ganz ehrlich, wo ich jemandem sagen kann, weißt du was, fuck you, wo es nicht piept und wo man mir nicht sagt, der hat mal fuck you gesagt und deswegen zeige ich das nie wieder an. Und wo ich auch Sachen sagen kann, die kompletter Bullshit sind, sondern die mir das einfach erlauben, Nummer eins und Nummer zwei, wo ich auch Dinge entdecken kann, die ich vielleicht noch nie vorher gesehen habe und nicht, wo irgendein Algorithmus mir vorgibt, das interessiert dich aber nicht. Deswegen siehst du es nicht. Und ich will nicht wie so ein Spinner aus der Höhle klingen, das bin ich nicht, aber ich bin jemand, der. Das Thema wird uns begleiten. Und es muss so sein. Ich glaube zu 100% an liberale Grundwerte und das muss so sein. Und das finde ich immer so ein bisschen so ein fragwürdiges Thema.

Markus

Wir werden noch oft über digitale Souveränität in Europa sprechen. Das hast du mal schön wieder gerettet, mein Freund. Das ist aber auch das Thema der Zukunft, oder? Ja. Nein, nein, also da wird sich viel tun. Ich glaube auch, dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass jetzt zum Beispiel TikTok gut möglich ist, dass wenn TikTok weiter von den Verhältnissen so bleibt, wie dies hört. Also dass man glaubt eigentlich, dass der chinesische Staat sehr stark Zugriff darauf hat, dass das zum Beispiel in Amerika verboten wird. Vielleicht durchaus auch in Accordance mit Facebook, die dann ihr eigenes Discover-Features so ausbauen, dass es in Instagram auch ein TikTok-Feature quasi gibt. Ich glaube, diese großen Fragen werden uns beschäftigen. Und ich glaube, es ist wirklich, wirklich wichtig, dass wir als Europa kennen, ja, wir müssen eigene Plattformen bauen, aber das wird nicht funktionieren, indem wir entweder unsere großen Firmen irgendwie fusionieren und so zu Giganten werden lassen, die absolut nicht agil sind, oder es in irgendeiner Form probieren, das als staatliches Konstrukt aufzubauen. Was wir schaffen müssen, ist Rahmenbedingungen für Innovation. Und wir müssen den Menschen die Tools in die Hand geben, dass sie hier etwas bauen können.

Daniel

Das ist sehr, sehr schön gesagt. Und ich glaube, man kann das nicht über, über, über betonen, dass die Grundintention von unserer Kritik eben nicht ist, hier die bösen Die und die bösen die, sondern einfach, ja, es geht darum, liberal zu sein, Sachen zu sagen, die man sagen möchte, Sachen denken zu denken, die man denken möchte und Personen zu lieben, die man lieben möchte. Und das ist, glaube ich, unendlich wichtig zu verteidigen. Ich hab da noch ein Wort, das ich aufgeschrieben habe. Das hast du schon bei unserem Aufwärmgespräch gesagt. Wie weit sind wir eigentlich mit der Zeit?

Markus

Ich gehe es auch nicht drin, ich schätze es um die 50 Minuten. Du schätzt es. Ich können die Hörer jetzt überprüfen, ob sich mein Instinkt hier getäuscht hat.

Daniel

Das Wichtige ist ja auch, nicht vergessen, uns zu abonnieren und ganz, ganz, ganz viele Sternchen zu geben, wenn du der Meinung bist, dass wir gut sind. Wir wollen keine Fake Reviews, das wollen wir nur nicht. Aber du hast so ein lustiges Wort für gesagt, das ich mir aufgeschrieben habe, du hast davon gesprochen, dass jemand behauptet, es gibt den optimalen Intelligenzgrad. What the fuck ist das denn? Das fand ich ja ganz beeindruckend.

Markus

Das ist ein Gedanke, den jemand letztens mir erzählt hat, der gemeint hat, und optimal ist, glaube ich, hier optimiert auf Erfolg in unserem derzeitigen Wirtschaftssystem. Und was er gemeint hat, ist, dass Anna für sich die Leute, die es gibt einen zu hohen Intelligenzgrad, wo der Grad an Reflexion und dem Denken ständig hinterfragen so groß ist, dass man selten ins Tun kommt und eigentlich sehr stark in den Risiken verankert ist, weil man eben so viel zu etwas auch reflektiert, dass man eigentlich die ganzen Risiken sieht, die einen davon abhalten können. Und dann gibt es dann, in dem Fall war das Kommentar optimalen Intelligenzgrad, dass man intelligent genug ist, um Dinge zu erkennen und umzusetzen. Um blöd genug. Um es zu machen. Das muss man, glaube ich, mit einem gewissen Augenzwinker annehmen. Irgendwo hat es wahrscheinlich ein bisschen Wahrheitsgehalt. Ich mag das, ich mag das.

Daniel

Ich meine, der optimale Intelligenzgrad, das finde ich, aber ich meine, das stimmt, man muss blöd genug sein, Sachen zu machen. Und ich glaube, wenn man zu clever ist und zu sehr Sachen überdenkt, macht man manchmal Sachen nicht, weil in Wahrheit die Ratio and das gar nicht machen lässt. Das finde ich schon sehr, sehr spannend.

Markus

Das sehen wir oft bei Studenten, die gründen. Dass sie sehr stark durch diese analytische Perspektive aus dem Studium geprägt sind und dann dementsprechend zu wenig ins Machen kommen.

Daniel

Im Übrigen, wir meinen jetzt nicht damit, dass wir einen riesigen Intelligenztest vorschlagen, wo man sagt, der optimale Intelligenzgrad ist 117,3 und wer das nicht hat, darf nicht gründen, sondern man muss das ein bisschen mit Tong in Cheek sehen. Bitte, bitte nicht. An der Stelle. Und nochmal in dem Kontext, wir sind grundlegend sehr liberale Menschen und finden das auch ganz fein. Und ich finde, wir finden, jeder soll tun, was er oder sie möchte. Unbedingt. Das ist die Grundintention von einer unternehmerischen Gesellschaft. Richtig, richtig. Ich bin ja auch ein riesengroßer Fan von einerseits Jeremy Clarkson und andererseits Ricky Javis, die Sachen aussprechen, die man, mein Gott, mehr als hart sind. Aber ich finde, genau das sollte man machen dürfen. Und das muss so sein. Und wenn sich jemand fragt, darf er denn das, darf man das denn sagen? Ja, darf man. Und wenn dich das in irgendeiner Form ankotzt, dann sag das zurück. Das ist fein, das nennt man Diskurs. Das ist richtig fein. Das ist Diskussion. Oder? Ich hab da so einen lustigen Satz gehört. Ricky Gervaise hat im Vorfeld der Golden Globes gesagt: people like the idea of freedom of speech until they hear something they don't like.

Markus

That is aus einer Innovationsperspektive sehr schlecht. Weil schon folgend über Konformität gesprochen. Am Ende muss man the Möglichkeiten liegen dort, wo man gegen den Strom schwimmt. And this is, when it's a Gesellschaft schwierig macht, das zu tun, wenn man dafür diskreditiert wird und wenn man dafür, ohne sich mit dem Thema kritisch auseinanderzusetzen, sofort in eine Schublade gesteckt wird, dann funktioniert Innovation nur sehr schlecht.

Daniel

Und das ist, glaube ich, ganz wichtig. Wir sind absolut gegen diese Schubladendenken. Und ich glaube, das Spannende ist, man muss auch mal immer sich trauen, Sachen auszusprechen, die vielleicht gar nicht so populär sind. Denn das ist das, was Innovation ausmacht. Und oft kommt man drauf, dass Dinge vielleicht nicht mehr ganz so funktionieren, obwohl das keine populäre Meinung ist. Und sehen wir uns ehrlich, vielleicht ist eine auch unpopuläre Meinung. Automobilindustrie, die leidet richtig, richtig, richtig. Und ich glaube, ein paar von denen werden vor die Hunde gehen. Ist das eine populäre Meinung? Weiß ich nicht. Die sicher nicht. Genau wie man zum Beispiel auch das Thema E-Mobilität. Einige feiern das zu hart. Ich glaube, auch das ist nicht die perfekte Lösung. Auch da gibt es wieder verschiedenste Lager, die dann aufwand einbashen. Ich möchte jetzt gar nicht weiter drauf eingehen, aber ich finde, dass das ganz fein dafür das, ja, findest du das gut? Musst du nicht. Du kannst gerne eine andere Meinung haben. Und das ist was wunderbar.

Markus

Und man kann es auch gerne inhaltlich kritisieren. Das ist ja der Punkt. Das soll halt inhaltlich sein.

Daniel

Richtig, das ist ganz wichtig. Und das ist das, woran man wächst am Diskurs. Und ich finde, das Schönste ist, und ich finde, die intelligentesten Menschen sind diejenigen, die sich andere Meinungen sich anhören, reflektieren und vielleicht sogar darauf kommen, dass ihre eigene Meinung nicht richtig ist. Und das ist so etwas, was ich mittlerweile so sehr vermisse in öffentlichen Diskussionen, dass Leute sagen, weißt du was ist? Ich finde deine Meinung scheiße. Und fünf Minuten später sagen, weißt du was, ich habe das überdacht, so wie du mir das erklärst, finde ich richtig gut, ich war falsch. Meine Güte gehört da unglaublich viel menschliche Größe dazu. Und darüber sollte man auch ein bisschen sprechen. Das würde ich schön finden. Ich würde es schön finden, jetzt rede ich mich gerade warm. So Fail Culture und so finde ich immer noch ein bisschen fragwürdig und langweilig, diesen Begriff. Ich würde das spannend finden, wo Leute drüber reden, wo sie ihre Meinung geändert haben, wo sie richtig festgefahren sind und gesagt, das war meine Meinung zu 100 Prozent. Und dann bin ich drauf gekommen, vielleicht war das doch nicht der ganz richtige Weg. Aber erklären, wie sie überzeugt wurden. Und ich glaube, das ist etwas, was, und darauf will ich ganz kurz hinaus, ein ganz, ganz, ganz wichtiger Punkt, wenn man ein Innovator ist oder Innovatorin, ist, dass man nicht probiert, Leuten Sachen in den Kopf zu ballern, sondern versteht, wo sind die anderen, die mir zuhören, die etwas vielleicht noch nicht verstehen. Und wie muss ich Dinge erklären, dass die anderen Personen ihre Meinung bilden können und dann vielleicht ihre Meinung ändern. Und man ändert nicht die Meinung, wenn man sagt, du bist total doof und du hast keine Ahnung, was du tust und was du machst, ist falsch, sondern hey, ich weiß, du stehst hier, das gibt es, vergleich es mit diesem Thema, das du schon längst kennst und denk mal drüber nach. Und das finde ich eine hohe, hohe, hohe Kunst. Und ich glaube, das ist etwas, was zunehmend notwendig sein wird.

Markus

Ja, das sollten wir auch in den Medien besser gestalten. Weil derzeit ist es oft so, dass wenn dann Dinge, Menschen in irgendeiner Form hervorkommen, dann Aussagen von vor 20 Jahren ausgegraben werden und ihnen nicht einmal die Chance gegeben wird, zu sagen, hey, ich habe meine Meinung geändert. Das war damals meine Meinung, aber ich habe gelernt.

Daniel

Richtig. Und das ist genau das Menschliche, das Lernen. Trotzdem finde ich die DAÖ scheiße. Aber jetzt schaffst du mich an und denkst dir, hat er das wirklich gesagt? Ja, möchte ich mich vom Gegenteil überzeugen, dass ein Ja-Versuch's, aber probably not gonna happen, aber ich höre mir jede Meinung an. Das ist ganz fantastisch. Werde ich die DAÖ gut finden? Ich glaube nicht. Oh mein Gott, wir werden jetzt gerade gelandet. Anyway, gibt es die eigentlich noch? Ja, ich habe noch nichts anderes gehört. Das heißt, wir wissen es nicht, das ist dann wieder Schrödinger als Katze, oder? Stimmt. Wir wissen es nicht. Das ist ja auch das Schöne, in der Historie gibt es immer für jede Geschichte eigentlich ein Beispiel. Man muss nur lange genug graben, dann findet man es. Das heißt, die Frage ist, wenn wir jetzt jemanden getriggert haben mit der Aussage, ah, die Person hört lange genug zu, und B, weiß ich nicht, habe ich jetzt schon längst vergessen. In dem Sinne, ich glaube, wir nähern uns zu großen Schritten im Ende zu. Wer jetzt zuhört, und wir gehen davon aus, wir sind ohnehin alle, weil das ist ganz wichtig, unbedingt subscriben, also abonnieren heißt das ja. Und unbedingt auch bewerten, da freuen wir uns sehr drüber. Und unbedingt auch Feedback geben oder auch andere Themen, die ihr spannend findet, die wir übersehen haben, die wir anders sehen als ihr. Genau davon leben wir, dafür wollen wir auch diesen Podcast haben. In dem Sinne würde ich sagen, kommen wir lange sind zum Ende. Hast du noch irgendwelche Abschlusszeit? Richtig, wir wünschen euch einen guten Start ins neue Jahr 2020, auf das 2025 nicht das neue 2020 wird. Macht das Sinn?

Markus

Ja, große Sinn und das finde ich sehr unterstützend.

Daniel

Das heißt, wir hoffen, dass sich das Jahr 2020 das Jahr des mutigen Machens wird und des Mutigen dazulernens. Und es dumm genug Seins ist zu probieren, denn wir hoffen, dass wir den optimalen Intelligenzgrad haben. In dem Sinne, euch alles Liebe und bis dann. Bis dann.